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typ: Kurzer beschreibender Titel
titel: Eslohe, Deutschland
datum: Deutschland
sicherheit: hoch
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# Eslohe, Deutschland
Grundlagen, Weiterentwicklung
und Anwendungsbeispiele
IMaWrf (nlr^
Springer Vieweg
KettenWulf Betriebs GmbH
(Hrsg.)
Förderketten und
Kettenräder
Grundlagen, Weiterentwicklung und
Anwendungsbeispiele
<£) Springer Vie weg
Herausgeber
KettenWulf Betriebs GmbH,
Eslohe, Deutschland
Autor
Dipl.-Ing. Reinert Linn
Schmallenberg-Bad Fredeburg, Deutschland
ISBN 978-3-658-08921-4 ISBN 978-3-658-08922-1 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-658-08922-1
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bibliografische Daten sind im Internet Uber http://dnb.d-nb.de abrufbar.
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D,e
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Vorwort - Ansgar Wulf
Das System Förderkette / Kettenrad wird in den unterschiedlichsten
Anwendungen immer dann angetroffen, wenn etwas von A nach B
transportiert wird. Von filigraner bis robuster Bauform, kann sich
dieses aus wenigen Baugruppen bestehende Maschinenelement als
technisch äußerst komple
xes Konstrukt erweisen.
Die Technologie der För
derkette wurde aufgrund
ihres Variantenreichtums
eine wirtschaftliche Er
folgsgeschichte. Und weil
sie meist eingehaust in Ma
schinen und Anlagen im
Verborgenen operiert, ist es bei
näherer Betrachtung auch gar
nicht verwunderlich, dass man ihr
in der Welt der Technik kaum Beachtung schenkt und nur Kenner
Notiz von ihr nehmen. Als Herzstück vieler Anlagen fällt sie vielen
Maschinenbetreibem erst dann auf, wenn sie ausfällt. Doch dann ist
es in der Regel zu spät, denn mit ihrem Versagen steht gleich die
ganze Anlage still. Andererseits: Laufen Förderkette und Kettenrad
einwandfrei, so läuft auch die gesamte Anlage meist prozesssicher.
Die Förderkette ist gewissermaßen der Hidden Champion unter den
Maschinenelementen.
Das vorliegende Werk versucht nun erstmalig in Form eines Buches
die Förderkette und ihre Besonderheiten zu durchleuchten. Meine Fa
milie beschäftigt sich nunmehr seit vier Generationen mit der Produk
tion und dem Vertrieb von Förderketten und Kettenrädern. So war ich
als junger Student im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrich
tung Maschinenbau gespannt, inwieweit die Thematik Ketten mich
auch im Studium begleiten würde. Um es kurz zu fassen, das Thema
wurde innerhalb der Vorlesung Maschinenelemente in einer Doppel
stunde zusammen mit Riemengetrieben abgehandelt. Natürlich hatten
Vorlesungen im Bereich Werkstoffkunde, Technische Mechanik und
Fertigungstechnik, um nur einige zu nennen, auch Überschneidungen
mit der Kettenwelt. Doch die explizite Auseinandersetzung mit För-
Geschäftsführer
Dipl.-Wirt.-Ing.
Ansgar Wulf
6 Vorwort - Ansgar Wulf
derketten nahm gerade einmal zwei Stunden meines Studiums in An
spruch. Auch in der einschlägigen Fachliteratur findet der interessierte
Leser zu industriellen Ketten recht wenig. Grundbauformen und -be-
rechnungen stellen hier das Gros der Informationen dar.
Deshalb ist es für ein Unternehmen wie Ketten Wulf nicht leicht, die
richtigen Entwickler und Ingenieure zu finden. Im Personalmanage
ment ist es nicht damit getan, Maschinenbau-Ingenieure einzustellen.
Wir müssen Fragen beantworten. Wie bringe ich jungen Leuten wäh
rend der Ausbildung die Kettenthematik näher? Wie groß ist der Auf
wand, den wir in die Aus- und Weiterbildung von Universitäts- und
Fachhochschulabsolventen investieren müssen? Und inwieweit kön
nen wir branchenfremde Ingenieure fit machen? Schließlich müssen
unsere Mitarbeiter dazu in der Lage sein, das beratungsintensive The
ma Förderkette dem Kunden in vielerlei Hinsicht nahe zu bringen: die
konstruktiven Herausforderungen, komplexe Werkstofffragen und die
Tücken der Fertigung.
Es kommt ein Umstand
hinzu, der mich nachdenk
lich stimmt. Hatten in der
Vergangenheit viele Ent
scheidungsträger in den
Unternehmen noch einen
technischen Hintergrund,
so lässt nach meiner Beob
achtung inzwischen in den
Führungsetagen der Wille, sich
mit komplexen Fragestellungen der
Technik ernsthaft auseinan
dersetzen, erheblich nach. Mehr denn je müssen deshalb Ingenieure
dazu in der Lage sein, ihr Expertenwissen zu vermitteln und weiter
zugeben.
Mit dem vorliegenden Buch stellen nun der Springer Vieweg-Verlag
und Ketten Wulf erstmals Expertenwissen zu Förderketten und Ket
tenrädern in kompakter Form der Allgemeinheit zur Verfügung. Der
Autor, Dipl.-Ing. Reinert Linn, kann auf eine mehr als vierzigjährige
Ketten Wulf-Betriebszugehörigkeit zurückblicken. Als ehemaliger Lei
ter des Verkaufs und des Produktmanagements hat er sich eine pro
funde Wissensbreite- und tiefe erarbeitet, die er schon in unzähligen
Schulungen an junge und auch ältere Ketten Wulf-Mitarbeiter weiter
geben konnte. Dieses Wissen und die jahrzehntelangen Ketten Wulf
Erfahrungen sind Grundlage des Buches. Egal ob in den Händen von
Mitarbeitern des eigenen Unternehmens, von Kunden, Lieferanten,
Studierenden oder einfach nur technisch Interessierten: Dieses Buch
will das Interesse an Förderketten und Kettenrädern wecken.
Inhalt
Autor-Dipl.-Ing.
Reinert Linn
Vorwort-Ansgar Wulf........................................................................... 5
1 Einleitung ...................................................................................... 9
2 Förderketten ................................................................................. 17
3 Kettenräder für Förderketten ......................................................... 57
4 Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder................... 71
5 Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen ........................ 93
6 Berechnungsgrundlagen für Förderketten ..................................... 125
7 Berechnungsgrundlagen für Kettenräder ....................................... 155
Sachwortverzeichnis ............................................................................. 163
Untemehmensgeschichte Ketten Wulf. ................................................. 169
1 Einleitung
Inhalt
1.1 Förderketten und Kettenräder:
Zuordnung in der Transport- und Fördertechnik .............................10
1.2 Förderketten und Kettenräder:
Maschinenelemente in mechanischen Stetigförderer.......................12
1.3 Das Förderkettengetriebe:
Bauteile, Bauform und Funktion .....................................................14
1.4 Literatur ........................................................................................16
10 1: Einleitung
1.1 Förderketten und Kettenräder:
Zuordnung in der Transport-
und Fördertechnik
Wenn Personen und Güter aller Art von einem Ort zum anderen gelan
gen sollen, ist die Transporttechnik gefragt, die in die beiden Bereiche
Verkehrstechnik und Fördertechnik eingeteilt ist. [1]. Die Verkehrs
technik übernimmt Transporte über weite Strecken und nutzt z. B. Stra
ßen, Schienen- und Wasserwege sowie den Luftraum. Auf begrenzter
Fläche, etwa innerhalb eines Betriebes, kommt die Fördertechnik zum
Zuge. Zu ihren Instrumenten zählen neben Hebezeugen, Kranen oder
Flurförderzeugen die Stetigförderer. Die Norm DIN 15201 Teil 1 [2] de
finiert Stetigförderer als mechanische, pneumatische und hydraulische
Fördereinrichtungen. Mechanische Stetigförderer mit Förderketten als
Zugmittel sind unter den Punkten 2 und 3 der Norm beschrieben. Bild
1.1 gibt eine Übersicht über die Zuordnung der Stetigförderer mit För
derketten als Zugmittel in der Fördertechnik.
Förderketten und Kettenräder 11
Transporttechnik
Bild 1.1
Mechanische
Stetigförderer mit
Zugmittel
in der Fördertech
nik
Produktion Straße
Montage Schiene
Waronolngang Wetter
Verpackung Luft
Lager
FluHfirderor
AufiOoa
Krantnligon
Beispiele
Schnockonfördoror
Rollenbahnen
Schwingförderer
; Fflrdorröhro
Fördermittel
i
Mcchonitche Stetigförderer Unstotiglörderer
Benennungen nach DIN 15201 Beispiele w Unstebglctdercr
r— - *
Beispiele mit FMetiettcn als Zugmittel
| Tragkettenfördoror
! Staukettenfördoror
I
, | Plattenbandfördoror
Schuppenlördcrcr
' Kattonbandlörderor
! Kipptchalonförderer
i : Schloppkettenfördorer
Bocherolevatoron
|
Trogkettonlördoror
; Kratzorfördoror
I : Rolltroppon
' Fahrstolgo
Anwendungen meinem begrenzten Bereich. /. fl ATM endungen in einem H e< trJu.r igen Bete ch. i B
12 1: Einleitung
1.2 Förderketten und Kettenräder:
Maschinenelemente in
mechanischen Stetigförderer
Stetigförderer werden in der Norm DIN 15201, deren Ursprung sich
bis in das Jahr 1926 zurückverfolgen lässt, als Fördereinrichtungen de
finiert, mit denen das Fördergut auf festgelegtem Weg von der Aufga
be- bis zur Abgabestelle bewegt, also «transportiert» oder «befördert»
wird. Wenn hierbei Ketten als Zugmittel eingesetzt werden, bezeichnet
man dieses Maschinenelement als Förderkette. Weitere Maschinenele
mente in Fördereinrichtungen sind die Kettenräder, die zusammen mit
der Förderkette das unter 1.3 beschriebene Förderkettengetriebe bilden
und in dieser Kombination den Förderprozess bewirken. Fördergüter
können Schüttgüter, Stückgüter oder auch Personen sein. Das Förder
gut wird stetig, mit wechselnden Geschwindigkeiten oder nach Bedarf
bewegt. Der Transport ist waagerecht, senkrecht, geneigt oder räum
lich in einer Kombination dieser Richtungen möglich. Bild 1.2[3] zeigt
die Antriebsstation eines Stahlzellenbandforderers mit vorgeschalteten
Antriebseinheiten für den Schüttgütertransport. Zugmittel der Förder
anlage ist eine Förderkette, dargestellt in Bild 5.13, Seite 101.
Förderrichtung
14 1: Einleitung
1.3 Das Förderkettengetriebe:
Bauteile, Bauform und Funktion
Gemäß der VDI-Richtlinie 2127 [4] sind Getriebe Einrichtungen zum
Umformen oder Übertragen von Bewegungen und Kräften und damit
auch von Energie. Ein Getriebe besteht aus wenigstens drei gegenein
ander beweglichen Gliedern. Das Förderkettengetriebe ist ein Zugmit
telgetriebe, in dem die Förderkette das Antriebs- und Umlenkkettenrad
im Achsabstand des Förderers umschlingt. Die Förderkette übernimmt
dabei als Zugmittel die aus dem Antriebsdrehmoment resultierende
Kraftübertragung der Kettenzugkraft und dient gleichzeitig als Trag
oder Mitnahmeelement für das Fördergut und dessen Bewegung. Der
unter Zugbelastung stehende Förderkettenstrang ist das sogenannte
Lasttrum. Die Übertragung der Kettenzugkraft erfolgt kraftschlüssig
zwischen einlaufendem Kettengelenk und der Zahnflanke des An
triebskettenrades [5]. Die weitere Umschlingung der Förderkette um
das Kettenrad erfolgt formschlüssig und schlupffrei. Am Auslauf des
Antriebskettenrades wird dann die Förderkette als sogenanntes Leer-
trum ohne Fördergutbelastung in die Rückführung zum Umlenkket
tenrad geleitet, an dessen Auslauf sie wiederum die Funktion des Last-
trums einnimmt.
In der Standardbauform eines einsträngigen Förderkettengetriebes
haben Antriebs- und Umlenkkettenrad gleiche Zähnezahl, Last- und
Leertrum werden durchgängig unterstützt. Durch Verschieben der
Umlenkwelle bei veränderbarem Achsabstand, können die Umlenk
kettenräder gleichzeitig auch als Spannkettenräder zur Überwindung
der Restkettenzugkraft beim Auslaufen der Kette aus dem Antriebsket
tenrad und zum Ausgleich der aus dem Förderbetrieb resultierenden
Kettenlängung durch Verschleiß dienen. Abgestimmt auf das jewei
lige Fördergut und die Bauform der Fördereinrichtung können ein-,
zwei- oder mehrsträngige Förderketten und zusätzliche Umlenk- oder
Spannkettenräder mit gleicher oder unterschiedlicher Zähnezahl sowie
Umlenkrollen und Umlenkbögen variantenreich in einem Förderket
tengetriebe verwendet werden. In Bild 1.3 ist die Standardbauform ei
nes Förderkettengetriebes für den Karossentransport in der Automobil
industrie dargestellt, Produktbeispiel der Förderkette siehe Bild 5.18,
Seite 104.
Das Förderkettengetriebe 15
Bild 13
Förderkettenge
triebe:
(1) Förderkette,
(2) Fördergut
träger,
(3) Antriebsketten
rad,
(4) Umlenk- und
Spannkettenrad,
(5) Lasttrum,
(6) U-Profil-
Laufbahn,
(7) Leertrum,
(8) U-Profil-
Laufbahn
16 1: Einleitung
1.4 Literatur
[1] Rudolf Griemert / Peter Römisch, Springer Vieweg, 2015
[2] DIN 15201, April 1994, Stetigförderer Benennungen
[3] Bild BEUMER Maschinenfabrik
[4] VDI-Richtlinie VDI 2127, Februar 1993, überprüft und weiter
gültig Oktober 2011
[5] H.-G. Rachner, Stahlgelenkketten und Kettentriebe, Springer-
Verlag 1962
2 Förderketten
Bnhalt
2.1 Definition, Entwicklung und Normung der
technischen Ketten........................................................................... 18
2.1.1 Rundstahlketten ................................................................... 18
2.1.2 Gallketten ............................................................................ 18
2.1.3 Buchsenketten ..................................................................... 19
2.1.4 Rollenketten ........................................................................ 20
2.1.5 Förderketten ........................................................................ 20
2.2 Normung der Förderketten ............................................................ 25
2.2.1 Standardförderketten nach DIN 8165 .................................. 25
2.2.2 Standardförderketten nach DIN ISO 1977 .......................... 25
2.3 Werkstoff- und Beschichtungstechniken der Förderketten ............... 26
2.3.1 Werkstoffe der genormten Standardförderketten ................ 26
2.3.2 Optimierte Werkstoffe für besondere Anforderungen ........ 27
2.3.3 Oberflächenveredelung durch Beschichtungen ................... 27
2.4 Fertigungstechniken der Förderketten .............................................. 32
2.4.1 Fertigungsverfahren zur Herstellung genormter
Standardförderketten ............................................................ 32
2.4.2 Optimierte Fertigungsverfahren för besondere
Anforderungen ..................................................................... 38
2.5 Erstschmierung und Konservierung der Förderketten ................... 45
2.5.1 Erstschmierung ...................................................................... 45
2.5.2 Konservierung..................................................................... 46
2.6 Instandhaltung der Förderketten .................................................... 47
2.6.1 Wartung der Förderketten ....................................................... 47
2.6.2 Inspektion - Instandsetzung - Verbesserung ....................... 54
2.7 Literatur......................................................................................... 55
18 2: Förderketten
Bild 2.1
Rundstahlkette
2.1 Definition, Entwicklung und
Normung der technischen Ketten
Der Duden definiert das Wort Kette als eine „Reihe aus beweglichen,
ineinandergeftigten oder mit Gelenken verbundenen Gliedern“ [1]. In
der technischen Anwendung dienen Ketten u.a. dazu, Lasten anzu
schlagen und zu heben, Kräfte zu übertragen oder Fördergüter aller Art
zu bewegen.
2.1.1 Rundstahlketten
Die Entwicklung der technischen Ketten [2] begann, als der Englän
der Ph. White im Jahre 1634 für eine eiserne Ankerkette mit ineinan-
dergefilgten Gliedern aus Rundstahl das Patent erhielt. Bedingt durch
die Bauweise aus Rundstahl besteht nur eine minimale Kontakt- bzw.
Gelenkfläche zwischen den einzelnen Kettengliedern. Die Größe der
Gelenkfläche ist ein entscheidender Faktor für die Verschleißfestig
keit einer Kette bei Bewegung der Kettenglieder unter Belastung. Mit
zunehmender Größe der Gelenkfläche verringert sich die spezifische
Gelenkflächenpressung bei gleichbleibender Belastung, und die Ket
te verschleißt weniger. Vor allem aus diesem Grund wurden die tech
nischen Ketten weiterentwickelt. Für Rundstahlketten, bei denen die
Kettenglieder aus einem Rundstahl-Vorprodukt gefertigt werden, gibt
es zahlreiche Normen, die auf den jeweiligen Verwendungszweck der
Ketten abgestimmt sind.
2.1.2 Gallketten
Im 18.und 19. Jahrhundert nahm die industrielle Entwicklung rasch an
Fahrt auf, so auch in der Fertigungstechnik. 1829 entwickelte Andrö
Gall erstmals eine Gelenkkette. Diese nach ihm benannten Gallketten
bestehen aus den Bauteilen Laschen und Bolzen. Dabei bilden die Boi-
Definition, Entwicklung und Normung der technischen Ketten 19
Bild 2.2
Gallkette
Bild 2.2.1
Laschenkette für
Antriebe im
Stahlwasserbau
zen mit den auf den Bolzenzapfen gelenkig angeordneten Laschen das
Kettengelenk. Die Gelenkfläche von Gallketten ergibt sich aus der La
schenstärke, der Laschenanzahl und dem Bolzenzapfendurchmesser;
sie ist dadurch größer als die der Rundstahlketten und hat deshalb bei
gleicher Belastung eine höhere Verschleißfestigkeit. Gallketten sind
nach DIN 8150 [3] genormt und werden als Lastketten oder für An
triebe mit geringen Leistungen bei niedrigen Geschwindigkeiten ein
gesetzt. Eine Weiterentwicklung der Gallketten sind die Laschenketten
für Antriebe im Stahlwasserbau, deren Bauweisen und Berechnungs
grundlagen die Normen DIN 19704-1 und 19704-2 [4]definieren. Ein
Beispiel dazu ist in Bild 2.2.1 dargestellt.
2.1.3 Buchsenketten
Ein Meilenstein in der Entwicklung der technischen Gelenkketten
war die Buchsenkette, die Hans Renold im Jahre 1880 erfand [5]. Ihre
überaus große Bedeutung erlangte sie durch das Bauteil Buchse, das
zusammen mit dem Bolzen das Kettengelenk bildet und der Kette ih
ren Namen gab. Die Laschen der Buchsenketten werden durch Press
verbindung fest mit den Buchsen und Bolzen verbunden. Sie bilden so
die Baugruppen Innen- und Außenglied, die durch die Kettengelenke
miteinander verbunden sind. Bolzendurchmesser und Buchsenlänge
bestimmen die Größe der Gelenkfläche. Durch diese Bauweise haben
2: Förderketten
20
Bild 2.3
Buchsenkette
Bild 2.4
Einfach-
Rollenkette
Buchsenketten eine wesentlich größere Gelenkfläche als Gallketten
und sind deshalb bei gleicher Belastung sehr viel verschleißfester.
Buchsenketten sind nach DIN 8164 [6] genormt und werden für lang
sam laufende Antriebe mit geringer Präzision verwendet.
2.1.4 Rollenketten
Die Bauform von Rollenketten ähnelt der von Buchsenketten, jedoch
ist in dem Kettengelenk aus Buchse und Bolzen zusätzlich noch eine
Rolle aufder Kettenbuchse angeordnet. Diese Maßnahme bringt viele
Vorteile, vor allem reduziert sie wesentlich den Verschleiß in der Ket
tenradverzahnung und am Außendurchmesser der Kettenbuchse beim
Einlaufen der Kette in die Kettenräder. Diese schonende Wirkung der
Rolle brachte ihr den Namen Schonrolle ein. Rollenketten der Bauar
ten Einfach-, Zweifach-und Dreifach-Rollenkette sind nach DIN ISO
606 [7] genormt und werden zur mechanischen Kraftübertragung und
für verwandte Anwendungen eingesetzt.
2.1.5 Förderketten
Förderketten sind eine Weiterentwicklung der Buchsenketten. Dies
geht auch aus der Norm für Förderketten DIN 8165 hervor, in der die
Abmessungen von Buchsen, Bolzen und der lichten Weiten aus der
Norm für Buchsenketten nach DIN 8164 übernommen wurden. Häufig
bezeichnet man Förderketten daher auch noch als Buchsenförderket
ten. Förderketten haben die Aufgabe, Güter aller Art in fördertechni-
Definition, Entwicklung und Normung der technischen Ketten 21
Bild 2.5
Baugruppen
und Bauteile
der Förderkette:
Innenglied (1)
bestehend aus
zwei Gelenk
buchsen und zwei
Innenlaschen,
Außenglied (2)
bestehend aus
zwei Gelenk
bolzen und zwei
Außenlaschen,
Verbindungsglied
(3) bestehend aus
zwei Verschluss
bolzen und zwei
Außenlaschen,
Verschlussbolzen
mit Splint (4)
sehen Anlagen zu bewegen bzw. zu fördern und die dazu erforderliche
Gesamtkettenzugkraft zu übertragen. Besondere Merkmale dieser Ket
ten sind das große Spektrum der Kettenteilungen und die Vielzahl der
Befestigungsmöglichkeiten für den Anbau weiterer Bauteile. Abge
stimmt auf den jeweils individuellen Anwendungsfall können die Ket
tengelenke mit Schonrollen, Laufrollen oder Bundlaufrollen ausgerüs
tet werden. Durch die Vielzahl der Bauformen und Ausstattungsmög
lichkeiten haben Förderketten wesentlich zur Weiterentwicklung der
Stetigförderer beigetragen und sind zu einem universellen Maschinen
element in der Fördertechnik geworden. Förderketten in Standardaus
führung sind nach DIN 8165 [8] und DIN ISO 1977 [9] genormt. Die
folgenden Bilder zeigen deren Grundbauformen.
Bild 2.6
Förderkette mit
zusätzlicher
Schonrolle (1) zur
Verschleißreduzie
rung beim Einlauf
der Kette in die
Kettenräder
22
2: Förderketten
Bild 2.7
Förderkette mit
zusätzlicher Lauf
rolle (1) zur rol
lenden Abtragung
des Fördergutes
Bild 2.8
Förderkette mit
zusätzlicher
Bundlaufrolle
(1) zur rollenden
Abtragung des
Fördergutes und
zur Seitenführung
der Kette
Bild 2.9
Förderkette mit
Befestigungs
winkeln (1)
filr den Anbau
zusätzlicher Bau
teile. Die Befes
tigungswinkel
können an jedem
Glied oder in
beliebigem Ab
stand, einseitig,
beidseitig oder in
wechselnder
Anordnung
eingebaut sein
Definition, Entwicklung und Normung der technischen Ketten 23
Bild 2.10
Förderkette mit
Laufrollen (1) und
einseitig erhöhten
Traglaschen (2)
(Rollentragkette)
zur direkten Auf
nahme des För
dergutes bzw. des
Fördergutträgers
auf den Lascheno
berkanten
Bild 2.11
Förderkette mit
Hohlbolzen (1),
in die Mitnehmer
elemente einge
baut werden
können oder
Achsen, durch
die einsträngi-
gen Ketten zu
Mehrstrangketten
verbunden werden
können
Eine
nicht
genor
mte
Bauform von Förderketten ist die Trogförderket-
te, die in offenen Kratzer- und in geschlossenen Trogkettenförderem
zum Transport von Schüttgut eingesetzt wird. Die Trogförderkette be
findet sich dabei innerhalb, oberhalb oder seitlich des Fördergutes. Der
Transport kann im Ober- oder Untertrum, waagerecht, ansteigend oder
senkrecht erfolgen. Die Anwendungen dieser Förderer werden in DIN
15201 Teill beschrieben. Abgestimmt auf den Verwendungszweck
können Trogförderketten in verschiedenen Bauformen und vorzugs
weise mit den Grundabmessungen der Förderketten nach DIN 8165
und DIN ISO 1977 hergestellt werden.
74 2: FCrdericetten
Hild 2.12
1 rogfödcrkette
mit (.-förmig
angebogenen
Kratzern
Bild 2.13
TrogfÖrdcrkettc
mit ange
schraubten
Kunststoff
kratzern
Bild 2.14
Doppelstrang -
Trogförderkette
mit zwischenge
schraubten Krat
zern
Bild 2.15
Doppelstrang -
Trogförderkette
mit zwischenge
schraubten und
angebogenen
Kratzern
Normung der Förderketten 25
2.2 Normung der Förderketten
2.2.1 Standardförderketten nach DIN 8165
DIN 8165 ist die älteste deutsche Norm für Förderketten und geht mit
der früheren Ausgabe DIN 993 bis auf das Jahr 1943 zurück. Die in
DIN 8165 genormten Förderketten werden als Einstrang- oder Mehr
strangketten für fördertechnische Anlagen aller Art eingesetzt. Die
Norm enthält u.a. Angaben zu Werkstoffen, der Bruchkraft und zuläs
sigen Beanspruchungen. Diese Merkmale sind wichtige Kenndaten für
die Auswahl einer Förderkette für einen bestimmten Anwendungsfall.
Die Werksnormen für die Herstellung der Ketten Wulf Standardförder
ketten in Anlehnung an DIN 8165 gehen teilweise noch über die Qua
litätsanforderungen der DIN 8165 hinaus. Die zugehörigen Rollen sind
in DIN 8166 [10] genormt.
2.2.2 Standardförderketten nach DIN ISO 1977
Mit Veröffentlichung der DIN ISO 1977 im Dezember 2014 wurden
die deutschen Normen DIN8167Teil 1-3 [11], DIN 8168 Teil 1-3 [12]
und DIN 8169 [13] ersetzt und damit ungültig. Die Angaben zu Werk
stoffen, Gelenkflächengröße und zulässigen Beanspruchungen aus den
bisher geltenden Normen wurden in die neue Norm DIN ISO 1977
nicht übernommen, sodass nur die Bruchkraft als Auswahlkriterium
für einen Anwendungsfall zur Verfügung steht. Alle anderen Parame
ter müssen gesondert vereinbart werden. Auch die Förderketten dieser
Norm werden für fördertechnische Anlagen aller Art zum Transpor
tieren von Fördergütern als Einstrang-oder Mehrstrangketten verwen
det. Ketten Wulf Standardförderketten in Anlehnung an DIN ISO 1977
werden nach Werksnormen hergestellt, die teilweise noch über die
Qualitätsanforderungen der DIN ISO 1977 hinausgehen.
26 2: Förderketten
2.3 Werkstoff- und Beschichtungs
techniken der Förderketten
2.3.1 Werkstoffe der genormten
Standardförderketten
Für Standardförderketten nach DIN 8165 sind die Kettenbauteile in
folgenden Werkstoffen auszuführen: Laschen aus Stahl mit mindestens
600N/mm
2
Zugfestigkeit, Bolzen und Buchsen aus Einsatz- oder Ver
gütungsstahl. Die Wahl der Stahlsorte ist dem Hersteller ffeigestellt.
Zudem finden sich in der Norm keine Hinweise auf eine durchzufüh-
rende Wärmebehandlung einzelner Bauteile. Für die zugehörigen Rol
len nach DIN 8166 werden als Werkstoffe u.a. ebenfalls Einsatzstähle
und Vergütungsstähle genannt, auch hier ohne Vorgabe oder Empfeh
lung einer zusätzlichen Wärmebehandlung. Bei Ketten Wulf werden
die Kettengelenkteile Bolzen, Buchsen und Rollen nach Werksnorm
zusätzlich oberflächengehärtet, um so das Verschleiß verhalten dieser
Bauteile zu verbessern und damit die Funktionsdauer der Förderket
te zu verlängern. Die Norm DIN ISO 1977 für Standardforderketten
macht keinerlei Vorgaben für die zu verwendenden Werkstoffe, deren
Festigkeiten oder Wärmebehandlung.
Dennoch hat die auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmte
Auswahl der bestgeeigneten Kettenwerkstoffe und die Wärmebehand
lung eine entscheidende Bedeutung für eine optimale Kettenausfüh
rung. Auf dem Stahlmarkt steht dafür ein umfangreiches Angebot der
verschiedensten Stahlsorten zur Verfügung. Zudem entwickelt die
Eisen-und Stahlindustrie ihre Erzeugnisse ständig weiter. Um eine
Überschaubarkeit auch auf internationaler Ebene zu erreichen, wur
de die Norm DIN EN 10020 [14] erstellt, in der die Begriffsbestim
mung für die Einteilung der Stähle geregelt ist. Abschnitt 3 der Norm
gliedert die Stahlsorten nach der chemischen Zusammensetzung in
die drei Klassen: unlegierte, nichtrostende und andere legierte Stähle.
Die Hauptgüteklassen ordnet Abschnitt 4, definiert nach den Hauptei
genschafts- oder Anwendungsmerkmalen der Stahlsorten. Ketten Wulf
verwendet für Standardförderketten unlegierte und legierte Qualitäts
und Edelstähle der Hauptgüteklassen. Der jeweils spezifische Stahl für
das Kettenbauteil wird aus den Hauptgüteklassen so ausgewählt, dass
er die Vorgaben der Norm, u.a. die mindest Bruchkraft, erfüllt. Dabei
ist zu berücksichtigen, dass in den Stahlnormen zulässige Toleranz
werte für die Analyse und die Festigkeitseigenschaften der Werkstoffe
definiert sind. Die Festigkeitseigenschaften können zusätzlich noch
nach Abmessungen festgelegt sein. Dies hat zur Folge, dass z.B. die
rechnerische Bruchkraft einer Förderkette von der praktischen Bruch
kraft abweichen kann.
2.3.2 Optimierte Werkstoffe für besondere
Anforderungen
Förderketten unterliegen im Betriebseinsatz entsprechend den me
chanischen und jeweiligen anwendungsbedingten Betriebskennwer
Werkstoff- und Beschichtungstechniken der Förderketten 27
te unterschiedlichen komplexen Belastungen, sodass die einzelnen
Kettenbauteile auf vielfältige Weise beansprucht werden. In Kapitel
6 Berechnungsgrundlagen werden diese Zusammenhänge näher be
schrieben. Abgestimmt auf diese Anforderungen und basierend auf den
Versuchsergebnissen aus Forschungs- und Entwicklungsprojekten zur
Werkstofftechnik (siehe Kapitel 4) hat Ketten Wulf ein Portfolio defi
niert, welches neben den Werkstoffen für Standardförderketten zusätz
lich optimierte Materialien für Förderketten mit besonderem Anforde
rungsprofil enthält. Eine Auswahl aus diesem Portfolio sind u.a. die
Werkstoffgruppen Qualitätsstähle, Vergütungsstähle, Einsatzstähle,
Automatenstähle, nichtrostende Stähle sowie Werkstoffe für Tief- und
Hochtemperaturen. Zusätzlich werden Sonderwerkstoffe eingesetzt,
die für die Fertigungsverfahren Lasern und Schweißen besonders ge
eignet sind. Dieses Werkstoffportfolio ermöglicht eine universelle Be
stimmung der einzelnen Bauteilwerkstoffe, je nach den unterschiedli
chen Anforderungs- und Belastungsarten der Anwendung.
2.3.3 Oberflächenveredelung durch
Beschichtungen
Eine Möglichkeit, die Korrosions- und Verschleißeigenschaften der
Bauteile zu verbessern und damit die Funktionsdauer der Förderkette
zu erhöhen ist es, Förderkettenbauteile mit Überzügen zu beschichten.
Die Fertigungsverfahren der unterschiedlichen Beschichtungstechni
ken sind genormt in DIN 8580, Hauptgruppe 5 (siehe Kapitel 2.4). Die
Norm definiert das Beschichten als „Fertigen durch Aufbringen einer
fest haftenden Schicht aus formlosem Stoff auf ein Werkstück“. Unter
teilt wird die Hauptgruppe 5 in weitere 8 Gruppen und 19 Untergrup
pen. Die Gruppen beschreiben im Wesentlichen den Ausgangszustand
der Beschichtungsstoffe; in den Untergruppen sind die Beschichtungs
verfahren aufgeführt. In umfangreichen Versuchen werden die Korro
sions- und Verschleißbeständigkeit der vielfältigen Beschichtungsarten
getestet. Als Beispiel zeigen die Bilder 2.16 bis 2.21 den Korrosions
schutztest einer metallischen Beschichtung mit zusätzlicher Passivie
rung und Versiegelung an Bolzen und Buchsen aus oberflächengehär
tetem, legierten Einsatzstahl durch eine Salzsprühnebelprüfung nach
DIN EN ISO 9227 [15]. Abgebildet sind die Bauteile ohne und mit
Beschichtung jeweils zu Versuchsbeginn und nach 400 bzw. 168 Stun
den Versuchsdauer. Ohne Beschichtung sind die Bauteile bereits nach
168 Stunden vollständig korrodiert, mit Beschichtung sind nach 400
28 2: Förderketten
Bild 2.16
Prüfteile ohne
Beschichtung bei
Versuchsbeginn
Bild 2.17
Prüfteile ohne
Beschichtung
nach einer Ver
suchsdauer von
168 Stunden
Stunden lediglich Ablagerungen aus dem Salzsprühnebel sichtbar. An
diesen Teilen ist weder eine Korrosion der Beschichtung (Weißrost),
noch eine Korrosion des Grundwerkstoffes (Rotrost) festzustellen. Die
hier getestete Beschichtung ist damit ein möglicher Korrosionsschutz
für Anwendungsfälle, deren Korrosionsschutzanforderungen mit der
Salzsprühnebelprüfung vergleichbar sind.
Werkstoff- und Beschichtungstechniken der Förderketten 29
Bild 2.18
Bolzen mit
Beschichtung bei
Versuchsbeginn
Bild 2.19
Bolzen mit
Beschichtung
nach einer
Versuchsdauer
von 400 Stunden
30 2: Förderketten
Bild 2.21
Buchsen mit Be
schichtung nach
einer Versuchs
dauer von 400
Stunden
Bild 2.20
Buchsen mit Be
schichtung bei
Versuchsbeginn
Werkstoff- und Beschichtungstechniken der Förderketten 31
Bild 2.22
Korrosionsfest an
Kettenbauteilen
mit Prüfmedien
aus der Automo
bilindustrie
Der Versuchsaufbau einer praxisbezogenen Medienbeständigkeitsprü
fung an den Bauteilen einer Förderkette für die Pkw-Endmontage in
der Automobilindustrie ist in Bild 2.22 dargestellt. Die einzelnen Bau
teile werden im Versuchsablauf mit allen in einem Pkw vorkommen
den Flüssigkeiten wie z.B. Benzin, Bremsflüssigkeit, Kühlflüssigkeit,
Scheibenwischwasser usw. auf Korrosionsbeständigkeit geprüft. Nur
die Werkstoffe und Beschichtungen mit positivem Versuchsergebnis
gegenüber allen Testflüssigkeiten dürfen für die Herstellung der För
derkettenbauteile verwendet werden.
Zusätzlich zu den Korrosionsschutzprüftingen wird das Verschleiß ver
halten von Beschichtungen auf Prüfständen untersucht, die in Kapitel
4.3 näher vorgestellt werden. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser
Versuchsreihen und dem Know-how langjähriger Praxiserfahrungen
wurde eine Werksnorm mit unterschiedlichen Beschichtungssyste
men entwickelt, die für viele Anwendungen geeignete Lösungen vor
schlägt, ohne zeitaufwendige, projektbezogene Labor- oder Praxisver
suche durchführen zu müssen.
32 2: Förderketten
2.4 Fertigungstechniken der
Förderketten
2.4.1 Fertigungsverfahren zur Herstellung
genormter Standardförderketten
Die Fertigungstechnik muss Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz,
Nachhaltigkeit und Umweltschutz sicherstellen und hat entscheiden
den Einfluss auf Produktqualität, Funktionssicherheit und Lebensdau
er der Förderketten. Um diese Ziele zu erreichen gilt es, die Produk
tionsprozesse kontinuierlich in allen Bereichen zu optimieren. Die
KettenWuIf-Fertigungstechnik ist als zentraler Bestandteil der För
derkettenherstellung auf maximale Fertigungstiefe ausgerichtet. Dies
bedeutet, dass die in DIN 8580 [16] definierten und erläuterten sechs
Fertigungsverfahren-Hauptgruppen Urformen, Umformen, Trennen,
Fügen, Beschichten und Stoffeigenschaften ändern, nahezu komplett
im Unternehmen umgesetzt werden. Die genannten Hauptgruppen
werden in der Norm nochmals in weitere Gruppen und Untergruppen
unterteilt und mit Hinweisen auf weitere anzuwendende Normen im
Detail spezifiziert. Für die Fertigungsverfahren der vier Hauptgruppen
Umformen, Trennen, Fügen und Stoffeigenschaften ändern stehen bei
KettenWulf modernste Maschinen und Fertigungseinrichtungen zur
Verfolgung. Als Vormaterialien zur Produktion der Förderkettenbau
teile werden Halbzeuge wie Rundstahl gewalzt oder gezogen, Spezi
alrohre, Flachstahl, Breitflachstahl, Bleche in Standard-, Sonder-und
Laserblechqualitäten sowie Schmiederohlinge verwendet, die durch
Weiterverarbeitung der Urformen-Erzeugnisse der Hauptgruppe 1
hergestellt wurden. Die Spezialarbeiten der Oberflächenbeschichtung
entsprechend der Hauptgruppe 5 (siehe Kapitel 2.3.3) führen qualifi
zierte Partnerfirmen nach unseren Vorgaben aus. Abgestimmt auf die
geforderten Eigenschaften des herzustellenden Bauteiles und ausge
richtet auf eine wirtschaftliche Herstellung wird das jeweils am bes
ten geeignete Fertigungsverfahren festgelegt. Einige der angewandten
Verfahren werden nachfolgend kurz vorgestellt:
Fertigungsverfahren Stanzen (Scherschneiden),
Untergruppe der Hauptgruppe 3, Trennen.
Stanztechnik ermöglicht die effektive Serienfertigung der Kettenla
Fertigungstechniken der Förderketten 33
Bild 2.23
Hydraulikpresse
schen. Die in Eigenfertigung hergestellten Präzisions-Stanzwerkzeuge
gewährleisten die erforderliche Maßgenauigkeit und Oberflächengüte
der Stanzflächen.
34 2: Förderketten
Bild 2.24
Schweißroboter
Bild 2.25
CNC-Drehzen-
trum
Fertigungsverfahren Schweißen, Untergruppe der
Hauptgruppe 4, Fügen.
Auf teil- und vollautomatisierten, robotergestützten Schweißanlagen
verbinden wir mit dem MAG-Verfahren präzise und rationell Kettenla
sche und Befestigungswinkel zur Baugruppe Mitnehmerlasche.
Fertigungsverfahren Drehen, Untergruppe der
Hauptgruppe 3, Trennen.
Rollen für Förderketten werden in unterschiedlichsten Bauformen be
nötigt. Die Fertigung erfolgt auf CNC-Sonderdrehzentren, die Voraus
setzung für eine rationelle und maßpräzise Herstellung sind.
Fertigungsverfahren Drehen und Fräsen, Untergruppe
der Hauptgruppe 3, Trennen.
Fertigungstechniken der Förderketten 35
Bild 2.26
Kombinierte
Dreh- und Fräs
bearbeitung einer
Kettenbuchse
Drehbearbeitung und das Fräsen der Verdrehschutzflächen an den Ket
tenbuchsen und Kettenbolzen erfolgen auf Sondermaschinen in einem
Fertigungsprozess, was eine wirtschaftliche und qualitativ hochwerti
ge Fertigung der Bauteile gewährleistet.
Fertigungsverfahren Einsatzhärten, Untergruppe der
Hauptgruppe 6, Stoffeigenschaften ändern.
Die Oberflächenhärte und die Härtetiefe CHD der Kettengelenktei
le Bolzen, Buchsen und Rollen sind entscheidende Faktoren für die
Verschleißfestigkeit und die Funktionsdauer der Förderketten. Beim
Einsatzhärten handelt es sich um ein Verfahren der Wärmebehandlung
zur Oberflächenhärtung nach DIN 17022 Teil 3 [17]. Der Härtepro
zess selbst ist ein thermisch-chemisches Verfahren, das die Schritte
Erwärmen, Aufkohlen oder Carbonitrieren und Abkühlen beinhaltet.
Abgestimmt auf den zu härtenden Werkstoff und die geforderten Ge
brauchseigenschaften des Bauteiles kann nach dem Härten ein zusätz
liches Anlassen, also die Wiedererwärmung auf ein bestimmtes Tem-
peratumiveau, erforderlich sein. Werkstoffspezifisch werden die Ab
läufe in Zeit-Temperatur-Umwandlungsschaubildem (ZTU) detailliert
dargestellt. Verwendet werden überwiegend Einsatz- und Automaten
stähle mit einem Kohlenstoffgehalt von ca. 0,07 bis 0,25 %, der zur
Oberflächenhärtung auf einen Randkohlenstoffgehalt von ca. 0,75 %
angereichert wird.
Bei der Einsatzhärtung wird prozessbedingt die gesamte Oberfläche des
Bauteiles gehärtet. Sollte es erforderlich sein, dass bestimmte Bereiche
des Bauteiles nicht aufgekohlt und damit nicht gehärtet werden sollen,
können diese Flächen z.B. mit einer Paste oder einer Kupferschicht
gegen Aufkohlung geschützt werden. Die Oberflächenhärte und die
Einhärtetiefe werden auf das Bauteil und dessen Verwendungszweck
jeweils individuell abgestimmt. Differenziert nach Gewicht und Grö
36 2: Förderketten
Bild 2.27
Einsatzhärtung in
einem Bandofen
ße der Bauteile erfolgt die Einsatzhärtung in Band-, Durchstoß- oder
Mehrkammeröfen mit einem entsprechenden Gas als Aufkohlungsmit
tel und zusätzlicher Stickstoffanreicherung beim Carbonitrieren.
Fertigungstechniken der Förderketten 37
Bild 2.28
Durchlauf
schleifen
Fertigungsverfahren Durchlaufschleifen, Untergruppe der
Hauptgruppe 3, Trennen.
Durchlaufschleifen ist das rationellste Fertigungsverfahren, um Bau
teile mit hoher Maßgenauigkeit und Oberflächengüte durch Schleifen
herzustellen. Für Bolzen und Buchsen sind diese Qualitätsmerkmale
besonders wichtig, da Maßgenauigkeit die Voraussetzung für eine opti
male Pressverbindung mit den Kettenlaschen ist und eine geschliffene
Oberfläche die Reibungskräfte im Förderkettengelenk z.B. beim Ab
lauf der Förderkette über die Kettenräder reduziert.
Fertigungsverfahren Montieren, Untergruppe der
Hauptgruppe 4, Fügen.
Die als Einzelbaugruppen vormontierten Innen- und Außenglieder
werden im letzten Arbeitsgang der Förderkettenfertigung unter hyd
raulischen Pressen zu kompletten Kettensträngen montiert.
2: Förderketten
38
Bild 2.29
Förderketten
montage
2.4.2 Optimierte Fertigungsverfahren für
besondere Anforderungen
Sollen Förderketten gegenüber den genormten Standardforderketten
höhere Belastungs- und/oder Qualitätsanforderungen erfüllen, muss
dies auch bei der Auswahl der Fertigungsverfahren berücksichtigt
werden. Daher nutzt KettenWulf auch spezielle Fertigungsverfahren,
die für den Bedarfsfall jeweils am besten geeignet und besonders wirt
schaftlich sind. Hierzu einige Beispiele:
Fertigungsverfahren Lasern, Untergruppe der
Hauptgruppe 3, Trennen.
Lasern ist ein thermisches Trennverfahren mit dem bei KettenWulf
vorzugsweise Kettenlaschen mit komplexen Konturen in einem Ar
beitsprozess aus speziellen Laserblechen ausgeschnitten werden. Der
Schneidvorgang mit dem Laserstrahl erzeugt eine Oberfläche von ho
her Qualität, die zur Werkstückoberseite optimal rechtwinklig liegt und
mit präziser Maßhaltigkeit ausgeführt ist. Dadurch ist eine hochwerti
ge Verbindung mit den bei der Kettenmontage einzupressenden Buch
sen und Bolzen gewährleistet. Wenn die Anlagenparameter entsprechend
eingestellt sind und für das Lasern geeignete Bleche verwendet
werden, lassen sich mit diesem Verfahren auch hochfeste und nicht
rostende Werkstoffe schneiden. Lasertechnik reduziert gegenüber der
Stanztechnik die Anzahl der Arbeitsgänge in der Laschenfertigung und
erübrigt die Anfertigung von Stanzwerkzeugen. Neben technischen
Vorteilen bietet die Lasertechnik somit auch wirtschaftlichen Nutzen.
Fertigungstechniken der Förderketten 39
Bild 2.30
Laserschneiden
2: Förderketten
40
Bild 231
Blocklaschen
bearbeitung
Fertigungsverfahren Fräsen und Bohren, Untergruppe der
Hauptgruppe 3, Trennen.
Spanende Fertigungsverfahren kommen bei Ketten Wulf in der La
schenfertigung dann zur Anwendung, wenn Stanzen und Lasern tech
nisch oder infolge spezieller Qualitätsanforderungen nicht möglich
sind. Technischer Grund für eine spanende Bearbeitung ist meist die
Dicke des Werkstücks, da mit Stanzen und Lasern nur eine begrenz
te Materialstärke bearbeitet werden kann, die jeweils von Werkstoff-
und Maschinenparametem abhängt. In Bild 2.31 ist eine Blocklasche
zu sehen, deren Außenkonturen gefräst und die Teilungslöcher durch
Bohren und Spindeln hergestellt werden.
Ein Beispiel für die spanende Bearbeitung der Kettenlaschen infolge
spezieller Qualitätsanforderung zeigt Bild 2.32. Zu sehen ist eine ge
stanzte Lasche, deren Teilungslöcher durch Konturfräsen nachbearbei
tet werden. Dieses Verfahren gewährleistet optimale Oberflächengüte
und höchste Präzision für eine spätere hochfeste Verbindung mit den
in die Teilungslöcher einzupressenden Buchsen und Bolzen. Bei För
derketten sind diese Eigenschaften dann besonders wichtig, wenn An
wendungsfälle hohe dynamische Beanspruchungen der Ketten hervor
rufen und damit maximale Anforderungen an die Pressverbindungen
der Laschen mit den Buchsen und Bolzen stellen.
Fertigungstechniken der Förderketten 41
Bild 2.32
Konturfräsen der
Teilungslöcher
Fertigungsverfahren Biegen, Untergruppe der
Hauptgruppe 2, Umformen.
Diese Umformtechnik ermöglicht bei entsprechender Stückzahl eine
rationelle Fertigung von Mitnehmerlaschen. Auf speziell für diesen
Arbeitsgang konzipierten Einrichtungen werden die Biegezonen vor
der Umformung induktiv erwärmt, um Biegerisse zu verhindern und
somit die spätere Funktionssicherheit der Mitnehmerlaschen sicher
zustellen. Angebogene Befestigungswinkel haben sich als technisch
gleichwertige und kostengünstige Alternative zu angeschweißten Be
festigungswinkeln erwiesen.
Bild 2.33
Biegen der
induktiv
erwärmten
Mitnehmerlasche
2: Fcrderketten
xcifahion Vergüten, Untergruppe der
. e t ep* 6. Stoffolgonschaften ändern.
ein Verfahren der Wärmebehandlung nach DIN 17022 Teil
Seim Vergütungsprozess wird das Material erwärmt, abgekühlt
— ~i£z_issen. Mit dieser thermischen Behandlung kann die mecha-
-Tzr.z Fesrigkeit der Werkstoffe erhöht und ein besonders günstiges
zwischen Zähigkeit und Festigkeit hergestellt werden. Die-
— iri_r_jffeigenschaften sind für Förderketten dann von besonderer
g- wenn ihre Bauteile in Anwendungen stark dynamisch uncV
artig belastet werden. Durch Vergüten lassen sich Bolzen,
Rollen und Laschen individuell spezifischen Belastungen an-
' - —- 3 .'es setzt die Auswahl eines geeigneten Vergütungswerkstof-
' .'s./.. Zur Anwendung kommen überwiegend Vergütungsstähle
t" Kohlenstoffgehalt ab ca. 0,3 %. Auch m artens irische, nicht-
< 's Stähle können vergütet werden. Für alle Materialien sind die
< ././Spezifischen Vergütungsvorschriften zu beachten.
:
'-"/.//erfahren Induktivhärten, Untergruppe der
***> yuppe 6, Stoffeigenschaften ändern.
'./-ion^härten ist ein Verfahren der Wärmebehandlung zur
:/ 'z.thärtung nach DIN 17022 Teil 5 [19]. Beim Härteprozess
' tn induktiv die Bauteilrandschicht auf Austenitisierungs-
> '< ■ ' kühlt anschließend z.B. mit einer Abschreckbrause ab.
z • /. - bei denen Erwärmen und Abkühlen das Gefüge umwan-
• ■/'>/.} in werkstoffspezifischen Zeit-Temperatur-Austenitisier
/ / ■'- ZeilTemperatur-Unnvandlungs(ZTU)-Schaubildem dar
Fertigungstechniken der Förderketten 43
Bild 2.35
Induktive
Rollenhärtung
gestellt. Verwendet werden überwiegend Vergütungsstähle mit einem
Kohlenstoffgehalt ab ca. 0,3 %. Auch martensitische, nichtrostende
Stähle lassen sich induktiv härten, jedoch muss danach die prozess
bedingt entstandene Anlauffarbe zur Erhaltung der Korrosionsbestän
digkeit beseitigt werden. Die Induktivhärtung erfolgt auf speziell dafür
konzipierten Härteanlagen, die jeweils auf das zu härtende Bauteil ab
gestimmt sind. Wie bei der Einsatzhärtung werden Oberflächenhärte
und die Härtetiefe SHD auf das Bauteil und dessen Verwendungszweck
individuell abgestimmt. Wesentlicher Vorteil der Induktionshärtung ist
die hohe erreichbare Härtetiefe und damit die Bildung eines großen
Abnutzungsvorrates gegen Verschleiß sowie die Möglichkeit der ört
lichen Begrenzung der Härtezone durch entsprechende Steuerung von
Induktionsspule und Abschreckbrause.
Fertigungsverfahren Montieren, Untergruppe der
Hauptgruppe 4, Fügen.
44 2: Förderketten
Bild:2.36
Robotermontage
Für die Serienfertigung einzelner Baugruppen wie Innen- und Außen
glieder haben wir Roboter-Montagezentren konzipiert, die eine vollau
tomatische und damit kostengünstige Montage realisieren.
Erstschmierung und Konservierung der Förderketten 45
Bild 2.37
Gelenkbolzen-
Erstschmierung
für die Reibstelle
Bolzen / Buchse
2.5 Erstschmierung und Konservierung
der Förderketten
2.5.1 Erstschmierung
Nach DIN 8165 lautet der Hinweis für Standardförderketten zur
Schmierung bzw. Konservierung: „geölt oder gefettet, nach Wahl des
Herstellers, andere Ausführung nach Vereinbarung“. Keine Angaben
hierzu gibt es in DIN ISO 1977. Wird nichts anderes vereinbart, er
halten in der Ketten Wulf-Fertigung alle Gelenkteile der Standardför
derketten bei der Baugruppenmontage der Innen-und Außenglieder
eine Erstschmierung mit einem Standardschmierstoff. Dadurch ist
gewährleistet, dass die Förderkettengelenke bereits mit Schmiermittel
versorgt sind, sobald sie in Betrieb gehen. So kann einem möglichen
Anfangsverschleiß bei einer verzögerten Wirkung der bauseitigen Be
triebsschmierung vorgebeugt werden.
46 2: Förderketten
Bild 238
Gelenkbuchsen-
Erstschmiemng
für die Reibstelle
Buchse / Rolle
Bild 239
Tauchkonservie-
rung der Förder
ketten
2.5.2 Konservierung
In der Regel folgt bei Ketten Wulf als letzter Arbeitsgang nach End
montage der Standardförderketten eine Tauchbad-Konservierung in
einem Standardöl, um die Förderkette auf dem Transport zur Verwen
dungsstelle kurzzeitig vor Korrosion zu schützen. Abweichungen hier
von müssen gesondert vereinbart werden.
Instandhaltung der Förderketten 47
2.6 Instandhaltung der Förderketten
Die Bauteile von Förderketten unterliegen in der Anwendung einer
betriebsbedingten Abnutzung, die u.a. durch Reibung, Korrosion, Ma
terialermüdung oder auch durch Umgebungsmedien hervorgerufen
werden kann. Darum müssen Instandhaltungsmaßnahmen getroffen
werden, mit denen die Betriebssicherheit und eine möglichst lange
Funktionsfähigkeit der Förderkette sichergestellt werden kann. In DIN
31051 [20] sind die Grundmaßnahmen der Instandhaltung definiert,
nämlich Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung. Der
Betreiber der Förderanlage muss diese Vorgaben auch für das Ma
schinenelement Förderkette anwenden. Umfang und Optimierungs
möglichkeiten der Instandhaltungsmaßnahmen hängen auch von der
Bauform der Förderkette ab, siehe dazu Kapitel 4, Weiterentwicklung.
2.6.1 Wartung der Förderketten
DIN 31051 formuliert Wartung als „Maßnahmen zur Verzögerung
des Abbaus des Abnutzungsvorrates“. Bei Förderketten kann u.a. die
Oberflächenhärtung der Rollen und Gelenkteile als Abnutzungsvorrat
bezeichnet werden, da bei Verschleiß (Verbrauch) der Oberflächenhär
tung die Funktionssicherheit der Förderkette gefährdet ist. Maßgeb
liche Faktoren für den Verbrauch dieser Oberflächenhärtung sind die
Schwenkbewegungen der Gelenkbauteile, wenn die Förderkette über
die Kettenräder läuft, und bei Förderketten mit Rollen zusätzlich deren
Drehbewegungen auf den Laufbahnen. Diese Bewegungen erzeugen
Reibung und damit Verschleiß an den Kontaktflächen, dargestellt in
den Bilder 2.40 bis 2.45.
Um den Verschleiß zu reduzieren und damit die Funktionsfähigkeit zu
verlängern, ist als Wartungsmaßnahme eine Schmierung der Reibstel
len erforderlich. Schmiermittel, -menge und -Intervalle sind den je
weiligen Betriebsbedingungen anzupassen. Reinigungsarbeiten sind in
DIN 31051 zwar nicht vorgeschrieben, sollten aber im Zuge der War
tungsarbeiten mit durchgeführt werden, um einen ordnungsgemäßen
Betrieb zu gewährleisten.
2: Fcrderketten
Bild 2.40
Förderkette
ohne Rotten:
Gelenkreibstette
bei einladendem
Außenstted
Bild 2.41
Förderkette
ohne Rotten:
Gdenkreibstellen
hei einladendem
Innenglied
Einlaufendes Außenglied
ES2ELHEITB
Einlaufendes Innenglied
Instandhaltung der Förderketten 49
Bild 2.42
Förderkette
mit Rollen:
Gelcnkreibstelle
bei einlaufendem
Außenglied
Bild 2.43
Förderkette mit
Rollen:
Gelenkreibstellen
bei einlaufendem
Innenglied
lilhl 2 45
■ Mette
Kulte
n
ife
Rolfe.
.■j-
hjlzflb
Zipfoi
Fördertet
Rt.
RoKo^JZZ'A ____________
Hertztoht
Rollo' La ________
Reibung:
Rolle - Bo!zenzsp*en
Hertzsche Pressung :
Ro!;e - Laufbahn
Instandhaltung der Förderketten 51
Bild 2.46
Automatische
Ölschmierung
einer Förderkette
im Praxiseinsatz
2.6.1.1 Ölschmierung
Die Ölschmierung von Förderketten kommt in der Praxis am häufigs
ten vor, da sie üblicherweise von automatischen Tropf- bzw. Sprühan
lagen ausgeführt werden kann (Bild 2.46) und somit keine bzw. nur ge
ringe Personalkosten anfallen. Durch Veränderung der Durchflussmen
ge und/oder der Zeitintervalle lässt sich die Intensität des Schmierens
steuern. Damit der Schmierstoff zu den Reibstellen gelangen kann,
muss sein Zufluss allerdings richtig positioniert sein. Ein Nachteil
dieser Betriebsschmierung ist, dass mit dem Aufbringen des Schmier
stoffes auch Schmutzpartikel von außen in die Förderkettengelenke
gelangen und dadurch den Verschleiß an den Reibstellen sogar noch
beschleunigen können. Auch kann es passieren, dass Schmierstoff auf
die Laufschiene tropft; dies kann besonders bei Förderketten mit Lauf
rollen das Drehverhalten der Rolle auf der Laufbahn verschlechtern
und diese zum Stillstand bringen: Eine Gleitbewegung zwischen Rolle
und Laufbahn und damit ein unerwünschter Verschleiß in Form von
Flächenbildung am Außendurchmesser der Rolle (Bild 2.47) und an
der Laufbahn könnten die Folge sein. Ölschmierung verbraucht zudem
häufig mehr Schmiermittel als nötig und verschmutzt die Förderan
lage; dies beeinträchtigt möglicherweise den Förderprozess und das
Fördergut.
52 2: Fördertet
Bild 2.47
Flächenbildung
am Außendurch
messer der Rolle
infolge stick-slip-
Effekt beim
Ablauf der Rolle
auf einer mit Öl
verschmutzten
Laufbahn
Instandhaltung der Förderketten 53
Bild 2.48
Automatische
Fettschmierung
einer Förderkette
im Praxiseinsatz
[21]
2.6.1.2 Fettschmierung
Bei der Fettschmierung gelangt das Schmiermittel über einen Schmier
nippel im Gelenkkettenbolzen und durch Schmierbohrungen in den
Gelenkteilen zu den Reibstellen. Auf diese Art werden die Reibstel
len optimal mit Schmierstoff benetzt, was sich positiv auf das Ver
schleißverhalten auswirkt. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der
Schmierstoff bei der Nachschmierung Schmutzpartikel, die eventuell
in die Gelenkstelle eingedrungen sind, nach außen transportiert und
dadurch der Verschleiß noch einmal verringert wird. Die mit der Öl
schmierung verbundenen Nachteile wie übermäßiger Schmiermittel
verbrauch, Verschmutzung der Laufbahn, Verunreinigung der Förder
anlage und des Fördergutes, kommen bei der Fettschmierung weniger
vor. Allerdings fallen bei manueller Nachschmierung der einzelnen
Gelenkstellen entsprechend Personalkosten an. Bei heutigem Stand der
Technik stehen für diese Tätigkeit jedoch auch schon hochleistungsfä
hige automatische Fettschmieranlagen (Bild 2.48) zur Verfügung.
54 2: Förderketten
2.6.2 Inspektion - Instandsetzung -
Verbesserung
Nach DIN 31051 haben Inspektionen die Aufgabe, den Istzustand fest
zustellen und zu beurteilen sowie ggf. Maßnahmen zur Instandsetzung
und Verbesserung festzulegen. Förderketten sind daher im Praxisbe
trieb auf Verschleiß (Bild 2.49) und Funktionssicherheit zu kontrollie
ren, wobei die Förderkettenbauform und die jeweiligen Betriebsbedin
gungen, Umfang und Zeitintervall der Inspektionen bestimmen. Für
diese Aufgaben bietet Ketten Wulf zum Beispiel Unterstützung durch
Produktuntersuchungen und mit der Lieferung von Spezialwerkzeugen
(Bild 2.50) für das bauseitige Öffnen und Schließen der Förderkette an.
Bild 2.49
Verschleiß
kontrolle
Bild 2.50
Montagewerkzeug
Literatur 55
2.7 Literatur
[1] Definition Kette, Duden online
[2] Entwicklung der technischen Ketten, https/de.wikipedia.org/wiki/
Kette
[3] DIN 8150,März 1984, Gallketten
[4] DIN 19704-1 ,DIN 189704-2,November 2014, Stahlwasserbauten
[5] Die Geschichte von Renold. http//www.renold.de
[6] DIN 8164,August 1999, Buchsenketten
[7] DIN ISO 606,Juni 2012, kurzgliedrige Präzisions-Rollen-und
Buchsenketten, Befestigungslaschen und zugehörige Kettenräder
[8] DIN 8165,Teil 1,2 und 3,März 1992, Förderketten mit Vollbolzen,
Bauart FV und FVT
[9] DIN ISO 1977,Dezember 2014, Buchsenförderketten, Anbauteile
und Kettenräder
[10] DIN 8166,März 1992, Rollen für Förderketten mit Vollbolzen
Bauart FV und FVT
[11] DIN 8167,Teil 1,2 und 3, März 1986, Förderketten mit Vollbolzen,
ISO-Bauart M und MT, ersetzt im Dezember 2014 durch DIN
ISO 1977
[12] DIN 8168,Teil 1,2 und 3, März 1986, Förderketten mit Hohl
bolzen, ISO-Bauart MC, ersetzt im Dezember 2014 durch
DIN ISO 1977
[13] DIN 8169,September 1999,Rollen für Förderketten mit Vollbol
zen, ISO-Bauart M und MT, ersetzt im Dezember 2014 durch
DIN ISO 1977
[14] DIN EN 10020,Juli 2000,Begriffsbestimmung für die Einteilung
der Stähle
[15] DIN EN ISO 9227,September 2012,Salzsprühnebelprüfung
[16] DIN 8580,September 2003,Fertigungsverfahren,Begriffe,Einteilu
ngen
[17] DIN 17022,Teil 3,April 1989,Verfahren der Wärmebehandlung,
Einsatzhärtung
[18] DIN 17022,Teil 1,Oktober 1994,Verfahren der Wärmebehand
lung, vergüten
[19] DIN 17022,Teil 5,März 2000,Verfahren der Wärmebehandlung,
Induktionshärtung
[20] DIN 31051,September 2012,Grundlagen der Instandhaltung
[21] Bild SKF
3 Kettenräder für Förderketten
Inhalt
3.1 Funktion der Kettenräder im Förderkettengetriebe ........................ 58
3.2 Zahnform der Kettenräder.............................................................. 58
3.3 Bohrungsausführung der Kettenräder ............................................ 60
3.4 Standardbauformen der Kettenräder .............................................. 62
3.5 Sonderbauformen der Kettenräder ................................................. 64
3.6 Werkstofftechnik der Kettenräder .................................................. 66
3.7 Fertigungstechniken der Kettenräder ............................................. 67
3.8 Instandhaltung der Kettenräder ...................................................... 69
3.9 Literatur ......................................................................................... 70
SS 3: Kettenräder für Förderketten
3.1 Funktion der Kettenräder
im Förderkettengetriebe
Kettenräder übernehmen als Maschinenelemente in Förderkettenge
trieben vielfältige Funktionen als Antriebs-, Umlenk- und Spannket
tenräder. Antriebskettenräder habe dabei eine besondere Bedeutung,
da sie die erforderliche Motor-Antriebsleistung durch den Kontakt der
Zahnflanken mit den Kettengelenken als Zugkraft auf die Förderkette
übertragen. Damit die Förderkette bestmöglich mit den Kettenrädern
zusammenwirkt, ist es erforderlich, beide Maschinenelemente hin
sichtlich der geometrischen Abmessungen, der Werkstoffauswahl und
der Fertigungsprozesse den Anforderungen entsprechend aufeinander
abzustimmen. Nur so können sie optimal und lange funktionieren.
Aus diesem Grund hat Ketten Wulf von Anfang an Förderketten und
Kettenräder selber produziert und aus diesen Erfahrungen Werks- und
Qualitätsnormen entwickelt. In der im Dezember 2014 erschienenen
DIN ISO 1977 werden unter Punkt 5 [1] Angaben zu Kettenrädern für
Förderketten gemacht, die in hohem Maße mit der Ketten Wulf-Werks
norm übereinstimmen. Da es sich nur um geringfügige Abweichungen
handelt, die die Funktion im Zusammenwirken mit genormten Förder
ketten nicht beeinflussen, produziert Ketten Wulf die Kettenräder wei
ter nach den in der Praxis bewährten Werksnormen.
3.2 Zahnform der Kettenräder
Die Gestaltung der Zahnform ist entscheidend, damit die Kettenräder
optimal mit der Förderkette Zusammenwirken können. Dies gilt für
die Kraftübertragung beim Einlauf der Förderkette in das Kettenrad
ebenso wie für betriebsbedingte Anforderungen, etwa den Ausgleich
der Kettenlängung aufgrund von Verschleiß und die Berücksichtigung
eventueller Fremdkörper, die sich möglicherweise in den Zahnlücken
festsetzen können. Die nachfolgenden Abbildungen sollen die Stan
dardverzahnung und konstruktive Lösungsmöglichkeiten für Son
derverzahnungen aufgrund besonderer Betriebsanforderungen veran
schaulichen.
Zahnform der Kettenräder 59
Verzahnungsmerkmale: Zahn
geometrie und Zahnlückenspiel
beruhen auf langjährigen Erfah
rungen sowie werkseigenen Be
rechnungen und Versuchsdurch
führungen.
Bild 3.1
Standardverzah
nung
Verzahnungsmerkmale: Reduzie
rung der Zahnflankenbelastung
und/oder vorbeugende Maßnah
me gegen mögliches Festsetzen
eventueller Fremdkörper in den
Zahnlücken.
Bild 3.2
Sonderverzahnung
mit vergrößertem
Öflhungswinkel
Verzahnungsmerkmale: wie bei
vergrößertem Öflhungswinkel,
zusätzlich können durch die seit
lichen Schmutzkerben eventuelle
Fremdkörper abgeleitet werden.
Die Schmutzkerben reduzieren
die Kontaktfläche mit dem Ket
tengelenk.
Bild 3.3
Sonderverzahnung
mit vergrößertem
öflhungswinkel
und seitlichen
Schmutzkerben
Verzahnungsmerkmale: vorbeu
gende Maßnahme gegen mög
liches Festsetzen eventueller
Fremdkörper in den Zahnlücken.
Bild 3.4
Sonderverzahnung
mit vergrößertem
Zahnlückenspiel
Verzahnungsmerkmale: Anwen
dung bei besonderer Umgebungs
verschmutzung. Mit dieser Ver
zahnung ist kein Reversierbe
trieb, also kein Betrieb in beide
Richtungen, möglich.
Bild 3.5
Sonderverzahnung
mit Sägeverzah
nung
SS 3: Kettenräder für Förderketten
Bild 3.6
Drehmoment
übertragung durch
Passfeder nach
DIN 6885
Bild 3.7
Drehmoment
übertragung durch
Keile mit Anzug
nach DIN 6886
und DIN 6887
3.3 Bohrungsausfühmng
der Kettenräder
Die Bauform der Antriebswellen- und Achslagerungen einer Förder
anlage gibt vor, wie die Bohrungen der Kettenräder ausgefilhrt werden
müssen. Zur Übertragung von Drehmomenten werden bei Antriebsrä
dern form- oder kraftschlüssige Verbindungen eingesetzt. Zur Umlen
kung und/oder Kettenspannung werden überwiegend um laufende Ach
sen mit einbaufertigen Stehlagereinheiten verwendet, die als Fest- und
Loslager ausgeführt werden können. Die Verbindung von Achse und
Kettenrad stellen dabei Passfeder und Nut her. Bei doppelsträngigen
Förderketten kann zum Ausgleich einer eventuell möglichen unter
schiedlichen Kettenlängung ein Umlenkrad mit Gleitlager zur Ausfüh
rung kommen. Konstruktionsbeispiele zur Drehmomentübertragung
sind in den Bildern 3.6 bis 3.10 dargestellt.
Durch Einlegen einer Passfeder
in eine entsprechende Nut der
Antriebswelle wird der Form
schluss mit dem Antriebsketten
rad hergestellt. Das Drehmoment
wird durch Flächenpressung zwi
schen Passfeder und Bohrungs
nut übertragen.
Keile erzeugen durch einen An
zug von 1: 100 beim Aufkeilen in
die Wellen- und Bohrungsnut eine
Presspassung zwischen Antriebs
welle und Antriebskettenrad.
Durch diesen Reibschluss wird
das Drehmoment kraftschlüssig
übertragen.
Bohrungsausführung der Kettenräder 61
Die Drehmomentübertragung er
folgt formschlüssig zwischen der
genormten Innenverzahnung in
der Antriebskettenradbohrung
und der entsprechenden Gegen
verzahnung an der Antriebswelle.
Bild 3.8
Drehmomentüber
tragung durch
Innenverzahnung
nach DIN 5480
Bei Einbau eines Spannsatzes
mit konischen Ringfedem in die
Antriebskettenradbohrung wird
durch Anziehen der Spannschrau
ben eine kraftschlüssige Verbin
dung zwischen Antriebswelle und
Antriebskettenrad hergestellt.
Bild 3.9
Drehmomentüber
tragung durch
Ringspannsatz
Diese Bauform besteht aus einer
konischen Spezialbuchse (Taper
lockbuchse), die durch Spann
schrauben in einer entsprechend
konischen Bohrung mit dem Ket
tenrad verschraubt wird und so
eine kraftschlüssige Verbindung
zwischen Antriebswelle und An
triebskettenrad herstellt.
Bild 3.10
Drehmoment
übertragung durch
Taperlockbuchse
SS 3: Kettenräder für Förderketten
Bild 3.11
Standardkettenrad:
(1) Zahnkopf,
(2) Zahnlücke,
(3) Radscheibe,
(4) Bohrung,
(5) Nut,
(6) Nabe,
(7) Zahn
3.4 Standardbauformen der Kettenräder
Kettenräder bestehen in der Ketten Wulf Standardbauform aus der Ket
tenradscheibe mit Verzahnung und einer einseitigen Kettenradnabe
mit Bohrung, wahlweise mit oder ohne Nut, siehe Bild 3.11. Varianten
dazu sind Kettenräder mit symmetrischer oder asymmetrischer Na
benanordnung oder Kettenradscheiben ohne Nabe. Abhängig von der
Kettenradgröße und/oder der Kettenradbauform wird zudem nach der
Fertigungstechnik in Herstellung aus dem Vollen oder in geschweißter
Ausführung mit auf- oder eingeschweißter Nabe unterschieden. Sche
matisch sind diese Bauformen in Bild 3.12 dargestellt.
Standardbauformen der Kettenräder 63
Kettenräder-Bauformen
Bild 3.12
Bauformen und
Fertigungstechnik
der Kettenräder
Eüüj
Z
Kettenrad mit
einseitiger Nabe
Kettenrad mit
symmetrischer Nabe
Kettenrad mit Kottonradschoibo
asymmetrischer Nabe
Kettenrad mit ein
seitiger Nabe
Kettenrad mit
symmetrischer Nabe
Kettenrad mit
asymmetrischer Nabe
i
Kettenrad mit
einseitiger Nabe
Kettenrad mit
symmetrischer Nabe
Kettenrad mit
asymmetrischer Nabe
SS 3: Kettenräder für Förderketten
Bild 3.13
Kettenrad in
geteilter
Ausführung.
Bild 3.14
Kettenrad mit
angeschraubtem.
dreiteiligem
Zahnkranz
3.5 Sonderbauformen der Kettenräder
Kettenräder unterliegen im Praxisbetrieb beim Einlaufen der Förder
kette in das Kettenrad einem funktionsbedingten Verschleiß in der
Kettenradverzahnung. Ist dadurch der Austausch der Kettenräder er
forderlich, sind bei einteiliger Standardbauform häufig umfangreiche
und kostenintensive Instandsetzungsmaßnahmen nötig. Kettenräder in
Sonderbauformen haben deshalb besondere Bedeutung für die Bewer
tung einer Förderanlage hinsichtlich ihrer Instandhaltung oder sie sind
bereits für die Erstausrüstung eine vorteilhafte Alternative. So erfor
dern Kettenräder in geteilter Ausführung, mit auswechselbarem Zahn
kranzoderaustauschbaren Zahnschalen (siehe Bilder 3.13 bis 3.15) für
den Austausch einen wesentlich geringeren Arbeitsaufwand. Bei der
Erstausrüstung einer Anlage bieten Sonderbauformen wie Zweifach-
Kettenräder und einbaufertige Komponenten, bestehend aus Wellen
bzw. Achsen mit montierten Kettenrädern (siehe Bilder 3.16 bis 3.18),
einen besonderen Nutzen hinsichtlich Qualität und Kosteneinsparung.
Zu den Sonderbauformen zählen auch Kettenräder mit Longlife-Ver-
zahnung und Geräuschdämpfungssystemen, die in Kapitel 4.4.7 und
4.4.8 näher beschrieben werden.
Die Schraubverbindung der bei
den Kettenradhälften ermöglicht
ein Auswechseln der Kettenräder
ohne seitliches Abziehen von den
Wellen bzw. Achsen.
Nur der an die Flanschnabe an
geschraubte, segmentierte Zahn
kranz ist bei Instandsetzungsar
beiten auszuwechseln. Sind die
anlagenbezogenen Voraussetzun
gen gegeben, kann der Austausch
bei eingebauter Förderkette erfol
gen.
Sonderbauformen der Kettenräder 65
Bild 3.15
Kettenrad mit
angeschraubten
Zahnschalen
Bild 3.16
Zweifach-
Kettenrad
Bild 3.18
Komplexe
Antriebswellen
komponente
Diese Bauform ist besonders
vorteilhaft bei großen Ketten
teilungen, die konstruktiv eine
Zahnschalenbauweise ermögli
chen. Die Instandsetzung erfolgt
durch Austausch der einzelnen
Zahnschalen und kann unter ge
gebenen Voraussetzungen bei
eingebauter Förderkette erfolgen.
Bei Förderketten mit besonders
großer lichter Weite werden häu
fig zwei einzelne Kettenräder
paarweise auf den Wellen bzw.
Achsen eingebaut. Eine Alter
native dazu ist die Bauform als
Zweifach-Kettenrad, bei der zwei
Radscheiben auf eine gemeinsa
me Nabe aufgeschweißt werden.
Die Verzahnung erfolgt in einer
Aufspannung, sodass die Paralle
lität der Verzahnungsgeometrie
gewährleistet ist.
Die Wellen bzw. Achsen werden
nach einbaubezogenen Vorgaben
hergestellt. Als Kettenräder kön
nen Standard- und Sonderbau
formen verwendet werden. Alle
Bauteile werden aufeinander
abgestimmt und dann zur Wel
len- bzw. Achsenkomponente
montiert. Dies gewährleistet ein
optimales Ergebnis hinsichtlich
Präzision, Maßgenauigkeit und
Symmetrie der Kettenradanord
nung.
Antriebswellenkomponente mit
auswechselbaren Zahnkränzen
für die Förderketten und den Rol
lenkettenantrieb.
3.6 Werkstofftechnik
der Kettenräder
Die Wahl der Werkstofftechnik ist
Bild 3.17
Komponente
Welle/Achse
mit montierten
Kettenrädern
SS 3: Kettenräder für Förderketten
neben der Verzahnungskontur der
wichtigste Faktor für eine lange Funktionsdauer der Kettenräder. Kapi
tel 7 der Berechnungsgrundlagen verdeutlicht dies. Für genormte För
derketten werden für die Herstellung der Kettenräder Qualitätsstähle
und unlegierte Vergütungsstähle verwendet. Bei Anwendungen mit
besonderen Belastungsanforderungen kommen überwiegend legier
te Vergütungsstähle zum Einsatz. Beschichtungen zur Oberflächen
veredelung oder rostbeständige Stähle sind Alternativen bei erforderli
chem Korrosionsschutz, siehe Kapitel 2.3. Zusätzlich besteht bei allen
vergütbaren Stählen die Möglichkeit, die Verzahnungskontur induktiv
zu härten, um damit den betriebsbedingten Verschleiß zu reduzieren
und die Funktionsdauer zu erhöhen. Welche Werkstofftechnik für die
jeweilige Anwendung die beste Lösung ist, hängt von den spezifischen
Betriebsbedingungen ab.
Fertigungstechniken der Kettenräder 67
Bild 3.19
CNC-Kettenrad-
verzahnung
3.7 Fertigungstechniken der Kettenräder
Je nach Kettenradgröße und/oder Kettenradbauform werden die Ket
tenräder aus dem Vollen oder in geschweißter Ausführung mit auf-
oder eingeschweißten Naben hergestellt. Um die Radkörper zu produ
zieren, nutzt man die bereits unter 2.4 für Förderketten beschriebenen
Fertigungstechniken Schweißen und Drehen. In diesem Kapitel geht
es um den besonders wichtigen Arbeitsprozess bei der Fertigung der
Kettenräder, die Herstellung der Kettenradverzahnung. Auf CNC-Ma-
schinen wird die zuvor programmierte Zahnform präzise in die Ketten
radscheibe gefräst (Bild 3.19). Diese Fertigungstechnik stellt eine op
timale Oberflächengüte und passgenaue Verzahnung sicher und schafft
so die Voraussetzungen für eine möglichst lange Funktionsdauer. Die
Zahnkontur wird in der Fertigungsendkontrolle nochmals mit einem
3D-Messarm auf Maßgenauigkeit überprüft (Bild 3.20).
68 3: Kettenräder für Förderketten
Bild 3.20
Kontrolle der
Verzahnungsgeo
metrie mit 3D
Messarm
Die unter 3.8 beschriebenen Instandhaltungsmaßnahmen verdeutli
chen, dass der betriebsbedingte Verschleiß an den Zahnflanken ein aus
schlaggebender Faktor für die Funktionsfahigkeit des Kettenrades und
damit für die Gesamtheit des Förderkettengetriebes, bestehend aus
Förderkette und Kettenrädern, ist. Dies bestätigen auch die jahrzehn
telangen Praxiserfahrungen. Anzustreben sind daher Kettenradausfüh
rungen mit möglichst verschleißfesten Zahnflanken. Erreicht wird dies
mit zusätzlich induktiv gehärteter Zahnkontur. Bild 3.21 zeigt die In
duktivhärtung einer Kettenradverzahnung. Dieses Fertigungsverfahren
bietet ein maximales und kostengünstiges Optimierungspotential, um
die Funktionsdauer zu verlängern.
3.8 Instandhaltung der Kettenräder
Die Grundsätze der Instandhaltung nach DIN 31051 [2], beschrieben
in Kapitel 2.6 für das Maschinenelement Förderkette, sind auch auf
das Maschinenelement Kettenrad anzuwenden. Dabei sind besonders
die Antriebskettenräder zu beachten, da sie über den Zahnflanken
kontakt mit dem Kettengelenk die Kettenzugkraft übertragen müssen
Bild 3.21
Induktionshärtung
derKettenrad-
xerzahnung
Instandhaltung der Kettenräder 69
Bild 3.22
Verschleißkon
trolle mit einer
Zahnform
schablone
und dadurch besonders stark beansprucht sind. Um den Verschleiß
zu verringern, ist eine den Betriebsbedingungen angepasste Tropf
schmierung der Zahnflanken zu empfehlen, wenn dies anlagen- und
prozessbezogen möglich ist. Fortschreitender Zahnflankenverschleiß
kann Funktionsstörungen beim Ablauf der Kette über die Kettenräder
durch Festhaken in der Verzahnung und damit auch eine Überlastung
der Förderkette verursachen. Vorbeugend sollte daher regelmäßig der
Zahnflankenverschleiß kontrolliert werden, z.B. mit Hilfe von Zahn
formschablonen, siehe Bild 3.22, die passend zu unseren Kettenrädern
geliefert werden können.
70 3: Kettenräder für Förderketten
3.9 Literatur
[ 1 ] DIN ISO 1977,Dezember 2014, Buchsenforderketten, Anbauteile
und Kettenräder
[2] DIN 31051,September 2012,Grundlagen der Instandhaltung
4 Weiterentwicklung der
Förderketten und Kettenräder
Inhalt
4.1 Innovationsprozess und Zielsetzung .............................................. 72
4.2 Entwicklung .................................................................................. 74
4.3 VersuchsdurchfUhrung .................................................................. 75
4.4 Produktlösungen ............................................................................ 78
4.4.1 Produktbausteine Fertigungs-, Werkstoff- und
Beschichtungstechnik ............................................................ 78
4.4.2 Produktbaustein Leichtbauweise ......................................... 78
4.4.3 Produktbaustein Dichtsysteme ............................................ 80
4.4.4 Produktbaustein Schmierlostechnik .................................... 81
4.4.5 Produktbaustein außenliegende Rollen................................ 83
4.4.6 Hybridbauweise................................................................... 85
4.4.7 Kettenräder mit Longlife-Verzahnung ................................ 86
4.4.8 Kettenräder mit Geräuschdämpfung .................................... 88
4.4.9 Polygonkompensation ........................................................ 90
4.5 Markteinführung ............................................................................... 91
72 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
4.1 Innovationsprozess und Zielsetzung
Die rasante Weiterentwicklung der fördertechnischen Anlagen in den
vielfältigen Industrieanwendungen stellt ständig neue Anforderungen
an Förderketten und Kettenräder, die mit Standardtechniken häufig
nicht umsetzbar sind. Ökologische Gesichtspunkte wie Energieeffizi
enz, Geräuschemissionen, Nachhaltigkeit und Umweltschutz bestim
men die Produkttechnologie ebenso wie wirtschaftliche Überlegungen
hinsichtlich notwendiger Antriebsleistung, Aufwand für die Instand
haltung oder Höhe der Betriebskosten. Forschung und Entwicklung
sind daher integraler Bestandteil der Ketten Wulf- Untemehmensphi-
losophie.
Qualität und Funktionsdauer der Produkte gilt es kontinuierlich zu
erhöhen, die Fertigungstechnik zu optimieren und deren Effizienz
zu steigern; innovative Produkte sollen Maßstäbe setzen. Neben der
kontinuierlichen Grundlagenforschung setzen wir weitere Entwick
lungsziele in den Bereichen der Fertigungs-, Werkstoff- und Beschich
tungstechnik sowie in der Produktentwicklung. Zum gesamten Ent
wicklungsprozess sind systematische Innovationsabläufe eingeführt,
in denen die erforderlichen Maßnahmen in einzelnen Entwicklungs
phasen festgelegt sind. Schematisch ist dies zur Produktentwicklung
in Bild 4.1 dargestellt.
Innovationsprozess und Zielsetzung 73
Bild 4.1
Innovations
prozess der
Produktent
wicklung
Produktlösungon
Innovationsprozess der
Produktentwicklung
Idee
Zielsetzung
Anfordorungsproril
Lastenholt
Pflichtenheft
Lösungsentwicklung
Berechnung - FEM - Konstruktion
Prototyp
Versuchsprogramm
Versuchsdurchführung
Versuchsauswortung
Versuchsergebnisse
------------------------- Markteinführung
74 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Bild 4.2
FEM-Spannungs-
analyse einer
Förderkette
4.2 Entwicklung
Nachdem in Phase 1 die Idee mit Zielsetzung und Anforderungspro
fil im Lastenheft definiert wurde, erstellen wir in Phase 2 das Pflich
tenheft mit allen erforderlichen Maßnahmen, um Lösungen zu finden.
Für diesen entscheidenden Schritt nutzen wir unsere jahrzehntelangen
Erfahrungen der praktischen Anwendung unserer Produkte und die
Erkenntnisse aus laufenden oder bereits abgeschlossenen Forschungs
und Entwicklungsprojekten. Hinzu kommen Erkenntnisse aus einer
intensiven Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und
Instituten. Dabei konzentrieren wir uns besonders auf grundlagen
orientierte Forschungsprojekte, FEM-Analysen und auf individuelle
Kunden-und Marktanforderungen. Bachelor-, Master-, Diplom- und
Studienarbeiten in Verbindung mit Praktika zu von uns formulierten
Aufgabenstellungen sind ein weiterer Baustein dieser Zusammenar
beit. Auf dieser Basis können wir für viele Aufgabenstellungen inno
vative Lösungen entwickeln oder für die Realisierung neuer Anforde
rungen nutzen und damit den Entwicklungsprozess insgesamt deutlich
verkürzen. Nach Berechnung und eventuell zusätzlicher FEM-Analyse
folgen Konstruktion und Herstellung des Prototypen.
Versuchsdurchführung 75
Bild 4.3
Kettenprüfstand
4.3 Versuchsdurchführung
Zentraler Praxisbestandteil im Entwicklungsprozess ist der Prototy
pentest. Dazu werden in Entwicklungsphase 3 das Programm sowie
Art und Umfang der Versuche festgelegt. Die Abläufe werden proto
kolliert, ausgewertet und dokumentiert. Auf Prüfständen, die wir spe
ziell filr den jeweiligen Versuchszweck konzipiert haben, werden Pro
totypen bei Raumtemperatur und im Heißbereich sowie mit und ohne
Beaufschlagung fester und flüssiger Umgebungsmedien getestet, wie
zum Beispiel:
Gebrauchsdauerprüfung von Werkstoffen,
Oberflächenhärtung, Beschichtungen, Gelenk- und
Rollenlagerungen sowie Sonderbauteilen auf
Kettenprüfständen.
76 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Dauerfestigkeitsprüfung einzelner Bauteile, Baugruppen
und kompletter Ketten auf dem Hochfrequenzpulsator.
Bild 4.4
Dauerfestigkeits
prüfung einer
Förderkette
Bild 4.5
Dauerfestigkeits
prüfung eines
Kettengelenkes
Versuchsdurchführung 77
Bild 4.6
Zerreißmaschine
3.000 kN
Zerreißkraft,
3.500mm
Spannweg
Bruchfestigkeitsprüfung von Förderketten auf
Zerreißmaschinen mit Zugkräften bis zu 3.000 kN
Zerreißkraft.
78 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
4.4 Produktlösungen
Entsprechen die Versuchsergebnisse in Phase 3 der ursprünglich de
finierten Idee und Zielsetzung, kann in Phase 4 die Umsetzung in ein
konkretes Produkt erfolgen. Da Förderketten und Kettenräder in der
Fördertechnik sehr viele unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten
haben, gibt es auch eine Vielzahl individueller Einzellösungen. Stell
vertretend stellen wir hier einige Beispiele zu innovativen Produkt
bausteinen der Weiterentwicklungen vor, die sich in der Praxis bereits
erfolgreich bewährt haben. Je nach Anforderungsprofil eines aktuellen
Anwendungsfalles können einzelne oder mehrere dieser Bausteine in
eine individuelle Produktlösung integriert werden.
4.4.1 Produktbausteine Fertigungs-,Werkstoff-
und Beschichtungstechnik
Die Auswahl der Fertigungsverfahren und der Werkstoffe, das Ver
fahren der Wärmebehandlung und die Oberflächenveredelung durch
Beschichtungen haben direkten Einfluss auf Qualität, Funktion und Ei
genschaften des Produktes. Für Förderketten wurde dies in den Kapi
teln 2.3 und 2.4., für Kettenräder in den Kapiteln 3.6 und 3.7 detailliert
erläutert. Die dort beschriebenen Möglichkeiten können als Bausteine
der Weiterentwicklung in kundenindividuelle Produkte integriert wer
den.
4.4.2 Produktbaustein Leichtbauweise
Im Förderbetrieb verursacht das Kettengewicht Reibungswiderstände.
Eine Reduzierung des Kettengewichtes mindert daher auch die not
wendige Antriebsleistung. Ohne die zulässige Kettenzugkraft: zu be
einträchtigen, kann dies durch Materialersparnis an den Kettenbautei
len, wie z.B. das Einbringen von Löchern in den Laschen oder deren
Produktion mit eingeschnürter Außenkontur und/oder mit Eindrehen
seitlicher Ausnehmungen in den Rollen erreicht werden. Wie viel
Gewicht eingespart werden kann, hängt von den Bauteilabmessungen
und der Förderkettenbauform ab. Darüber hinaus wird die Förderkette
noch leichter, wenn hochfeste Sonderwerkstoffe oder vergütete Werk
stoffe verwendet werden, mit denen es möglich ist, die Abmessungen
der Bauteile zu verringern.
Produktlösungen 79
Produktvorteile der Förderketten in Leichtbauweise:
□ Gewichtserspamis
□ Maximale Kettenzugkraft bei minimalem Kettengewicht
□ Reduzierte Antriebsleistung
□ Reduzierter Energieverbrauch
o Reduzierte Betriebskosten
□ Nachhaltigkeit
a Ökologisch
Bild 4.7
Förderkette in
Standardbauweise
80 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Bild 4.8
Förderkette in
Leichtbauweise:
Laschen mit
Erleichterungsloch
(1),
Laschen mit
eingeschnürter
Außenkontur (2),
Rollen mit
Eindrehung (3)
Produktlösungen 81
Bild 4.9
Rollen-und
Gelenkabdichtung
mit einem
Deckel (1).
Dichtelement (2)
und
Fettfüllung (3)
4.4.3 Produktbaustein Dichtsysteme
Bei Förderketten mit Fettschmierung bieten Dichtsysteme vielfältige
Optimierungspotentiale. So lassen sich die Betriebskosten durch län
gere Intervalle beim Nachschmieren senken, und Förderketten können
in schwierigen Umgebungsbedingungen durch zusätzliche Abdich
tung der Gelenkbauteile einsatzfähig sein. Konstruktive Bauweise
dieser nachschmierbaren Dichtungssysteme ist eine Labyrinthdich
tung aus Schutzdeckel(n) und Dichtelement(en), in der das Betriebs
schmiermittel die Hohlräume ausfüllt und abdichtet. Dieses System
der Dreifachdichtung verhindert weitestgehend das Eindringen von
Umgebungsmedien, schützt das integrierte Dichtelement vor äußerer
Beschädigung, nutz das Betriebsschmiermittel zusätzlich als Dicht
element und schafft damit die Voraussetzungen für eine lange Funk
tionsdauer der Förderketten. Bild 4.9 und 4.10 zeigen Varianten der
nachschmierbaren Dichtsysteme.
Produktvorteile der Förderketten mit Dichtsystemen:
n Wartungsarme Förderkettentechnik
■ Anwendung in schwierigen Umgebungsbedingungen
■ Verlängerte Schmiermittelgebrauchsdauer
□ Verlängerte Nachschmierintervalle
■ Reduzierter Schmiermittel verbrauch
□ Reduzierter Gelenkverschleiß
□ Verlängerte Funktionsdauer
□ Reduzierte Umgebungsverschmutzung durch Schmiermittel
■ Verbesserte anlagenbezogene Prozesssicherheit
■ Reduzierte Betriebskosten
□ Nachhaltigkeit
■ Ökologisch
82 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Bild 4.10
Rolle mit einem
Deckel (1),
Dichtelement (2)
und
Fettfüllung (6).
Gelenkabdichtung
mit zwei
Deckeln (3)
und (4),
Dichtelement (5)
und
Fettfüllung (6)
4.4.4 Produktbaustein Schmierlostechnik
Bei Standardförderketten nach Norm liegt an den Reibstellen der Ket
tengelenke eine Gleitlagerpaarung Stahl auf Stahl vor, die im Ketten
betrieb in der Regel eine Schmierung erfordert wie in Kapitel 2.6.1
beschrieben. Um diese Betriebsschmierung zu ersparen, entwickelt
Ketten Wulf schon seit Jahrzehnten aus wirtschaftlichen und ökolo
gischen Gründen schmierlose Kettentechnologien, bei denen in die
Kettengelenke spezielle Lagerelemente eingebaut sind. Dazu zählen
selbstschmierende Gleitlager und Wälzlager mit Dauerschmierung.
Überwiegend werden aus Platzgründen in der Gelenkstelle Ketten-
buchse/Kettenbolzen Gleitlager verwendet, in den Kettenrollen so
wohl Gleit- als auch Wälzlager. Vorteil dieser Lagerelemente ist auch,
dass sie die Reibungswiderstände in den Kettengelenken verringern
und damit die erforderliche Antriebsleistung reduzieren. Grundsätz
lich ist jedoch für eine schmierlose Kettenausfilhrung immer deren
technische Machbarkeit zu überprüfen, bezogen auf die individuellen
Betriebsbedingungen des jeweiligen Einsatzes. Diese Prüfung beinhal
tet auch die Auswahl der Gleitlagerbauform und des Gleitlagerwerk
stoffes und bei Wälzlagern deren Bauform als Kugel-, Rollen- oder
Nadellager mit Dauerschmierung. Zu berücksichtigen sind weiterhin
eventuelle zusätzliche Maßnahmen zum Korrosionsschutz durch Be
schichtungen oder die Verwendung von nichtrostenden Stählen als
Kompensation der Korrosionsschutzwirkung durch das Schmiermittel,
das bei Förderketten ohne Betriebsschmierung entfällt. Der Produkt
baustein Dichtsysteme ist ein weiteres Hilfsmittel, Schmierlostechnik
in schwierigen Umgebungsbedingungen umzusetzen, wobei hier der
Einsatz von Hochleistungsdichtelementen erforderlich ist. Konstrukti
onsbeispiele zur Schmierlostechnik sind in den Bildern 4.11 und 4.12,
mit zusätzlicher Abdichtung in den Bildern 4.13 und 4.14 dargestellt.
Produktvorteile der Förderketten mit Schmierlostechnik:
□ Kein Wartungsaufwand für Schmierung
■ Keine Umgebungs Verschmutzung durch Schmiermittel
n Verbesserte anlagenbezogene Prozesssicherheit
■ Reduzierte Antriebsleistung entsprechend der verwendeten La
gerelemente
Produktlösungen 83
Bild 4.11
Rolle und
Gelenkstelle
Buchse / Bolzen
mit selbstschmie
rendem
Gleitlager (1)
Bild 4.12
Rolle mit dauerge
schmierten Kugel
lagern (1),
Gelenkstelle
Buchse / Bolzen
mit selbstschmie
rendem
Gleitlager (2)
n Reduzierter Energieverbrauch
■ Reduzierte Betriebskosten
o Nachhaltigkeit
n Ökologisch
84 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Bild 4.13
Rolle und
Gelenkstelle
Buchse / Bolzen
mit selbstschmie
rendem
Gleitlager (1).
Rolle und
Gelenkstelle
mit zusätzlichen
Dichtsystemen (2)
Bild 4.14
Rolle mit dauerge
schmierter
Nadelhülse (1),
Gelenkstelle
Buchse / Bolzen
mit selbstschmie
rendem
Gleitlager (2).
Rolle und
Gelenkstelle
mit zusätzlichen
Dichtsystemen (3)
4.4.5 Produktbaustein außenliegende Rollen
Bei Förderketten sind die Rollen überwiegend innenliegend angeord
net. In dieser Bauweise unterliegen die Rollen zwei Belastungsarten:
der Gewichtskraft, resultierend aus anteiligem Fördergut- und Ketten
gewicht beim Abtragen der Förderkette auf den Laufbahnen, und ei
nem von der Zahnform abhängigen Anteil der Gesamtkettenzugkraft
beim Einlaufen der Förderkette in das Antriebskettenrad. Die Lauf
rolle bewegt sich auf der Laufbahn rotierend, beim Einlauf in das An
triebskettenrad statisch bzw. schwenkend. Je nach Anwendung hat das
Belastungs- und Bewegungskollektiv der Rollen entscheidenden Ein
fluss auf ihre Bauform. Bei Standardförderketten ist dies üblicherweise
eine Stahlrolle mit Oberflächenhärtung, die eine Betriebsschmierung
erfordert. Bei Schmierlostechnik und / oder um die Reibungswider
stände zu verringern, können die Rollen mit Gleit- oder Wälzlagern
ausgeführt werden. Diese Optimierungsmöglichkeit scheidet bei För
derketten mit innenliegenden Rollen häufig aus, da konstruktiv nicht
genügend Platz für die Lagerelemente zur Verfügung steht und / oder
die Rollenbelastung beim Einlauf in das Antriebsketterad für das La
gerelement zu hoch ist. Eine Lösung bieten außenliegende Rollen,
4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
da sie nur noch mit der anteiligen Gewichtskraft aus Fördergut- und
Kettengewicht belastet werden und mehr Platz für die konstruktive
Ausführung der Rolle mit Gleit-oder Wälzlagern und eventuell zu
sätzlichen Dichtsystemen vorhanden ist. Ein weiterer, entscheidender
Vorteil außenliegender Rollen sind die verbesserten Instandhaltungs
möglichkeiten der Förderkette. In vielen Praxisanwendungen ist die
Betriebsdauer der Förderkette von den Rollen abhängig. Funktionie
ren sie nicht mehr, muss bei der innenliegenden Bauart in der Regel
die gesamte Förderkette ausgetauscht werden. Bei der außenliegenden
Variante besteht dagegen die Möglichkeit, nur die Rollen zu ersetzen
und die noch funktionstüchtige Grundkette weiter zu verwenden. Ein
Rollenaustausch ist bei entsprechender Konstruktion auch im einge
bauten Zustand der Förderkette vor Ort in der Förderanlage machbar:
Die Instandhaltungskosten sinken dadurch erheblich. Je nach Anwen
dung können Rollen einseitig oder beidseitig außenliegend angeordnet
werden. Beispiele zeigen die Bilder 4.15 und 4.16.
Produktvorteile der Förderketten mit außenliegenden
Rollen:
■ Erweitertes Anwendungsspektrum der Förderketten
■ Verbesserte Möglichkeit, wartungsarme- oder schmierlose För
derkettentechnik mit den damit verbundenen Produktvorteilen zu
realisieren
■ Verbesserte anlagenbezogene Prozesssicherheit
■ Möglichkeit, Rollen partiell auszutauschen
■ Reduzierung der Instandhaltungskosten
■ Reduzierte Betriebskosten
■ Nachhaltig
■ Ökologisch
Produktlösungen 85
Bild 4.15
Rollen eineseitig
außenliegend,
Rollenlagerung
mit Kugellagern
Bild 4.16
Rollen beidseitig
außenliegend,
Rollenlagerung
mit Rollenlagern
4.4.6 Hybridbauweise
In Hybridbauweise entwickeln wir Förderketten, bei denen z.B. die
Verwendung der Werkstoffkombination Stahl für die Gelenkteile und
Kunststoff für die Kettenlaschen ein Innovationsschwerpunkt ist;
gleichzeitig setzen wir dabei auf die Schmierlostechnik. Diese Bauwei
se ist z.B. für die Automobilindustrie interessant. Das Fördergut bzw.
der Fördergutträger liegt hierbei direkt auf den Kettenlaschen auf, die
damit nicht nur die Kettenzugkraft übertragen, sondern auch das För
dergut tragen. Dies ist insbesondere beim Quertransport der Karossen
zur Verbindung der einzelnen Fertigungslinien der Fall. Üblicherweise
werden dazu Förderketten mit Traglaschen (Rollentragketten) in Stan
dardausführung mit Laschen aus Stahl, wie in Bild 2.10 dargestellt,
verwendet. Je nach Anlage kann es bei diesem Transportsystem zu Re
lativbewegungen zwischen Fördergutträger und Kettenlaschen kom
men, wodurch der Fördergutträger und die Kettenlaschen verschleißen
können. Um dies weitestgehend zu vermeiden, haben wir die in Bild
4.17 dargestellte Förderkette in Hybridbauweise mit Traglaschen aus
Kunststoff entwickelt. Die Praxiserfahrungen zeigen, dass durch die
se Kettenbauweise erheblich weniger Abnutzung am Fördergutträger
und an der Traglaschenoberseite eintritt. Zusätzlich sind in den Ge
86 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Bild 4.17
Förderkette in
Hybridbauweise
lenkteilen wälzgelagerte Bauteile integriert, die den Reibungswider
stand maximal reduzieren und so eine effiziente Antriebsleistung bei
schmierlosem Kettenbetrieb gewährleisten. Hybridbauweise ist daher
eine innovative Förderkettentechnik, die bei vergleichbarem Anforde-
rungsprofil auch in anderen Branchen eine Lösung sein kann.
Produktvorteile der Förderketten in Hybridbauweise:
■ Optimierte Betriebseigenschaften
n Kein Wartungsaufwand für Schmierung
□ Keine Umgebungsverschmutzung durch Schmiermittel
■ Reduzierte Antriebsleistung
□ Reduzierter Energieverbrauch
n Reduzierte Betriebskosten
n Nachhaltigkeit
u Ökologisch
4.4.7 Kettenräder mit Longlife-Verzahnung
Bei der Longlife-Verzahnung werden eine stets ungerade Zähnezahl
und der Teilkreisdurchmesser ftlr die Kettenteilung so aufeinander
abgestimmt, dass bei jeder Kettenradumdrehung nur jeder zweite
Zahn zum Eingriff kommt. Die ungerade Zähnezahl bewirkt bei jeder
Umdrehung den Wechsel zwischen belasteten und unbelasteten Zäh
nen. Dieser Ablauf wiederholt sich periodisch und fuhrt so zu einer
theoretisch doppelt so langen Funktionsdauer des Kettenrades. Die
Einsatzmöglichkeit dieser Sonderverzahnung hängt von den Abmes
sungen der Förderkette und den spezifischen Anlagenparametem der
jeweiligen Anwendung ab. Besonders Förderketten mit großer Teilung
bieten gute Voraussetzungen für die Anwendung dieser innovativen
VerzahnungsVariante. Bild 4.18 zeigt schematisch den Ablauf einer
Förderkette über ein Kettenrad mit Longlife-Verzahnung mit 19 Zäh-
nen= 2x9,5 Teilungswinkeln für die Kettenteilung p. Dargestellt ist der
Zahnkontakt mit den einlaufenden Kettengelenken in Drehrichtung
Produktlösungen 87
Bild 4.18
Schematische
Darstellung
der Longlife-
Verzahnung
rechts für zwei Kettenradumdrehungen mit wechselndem Eingriff der
rot und blau gekennzeichneten Zähne.
Produktvorteile der Kettenräder mit Long-Life-Verzahnung:
□ Nur jeder zweite Zahn kommt periodisch wechselnd zum Eingriff
□ Erheblich verlängerte Funktionsdauer
□ Große Zähnezahl bei geringen Bauabmessungen
□ Reduzierte Betriebskosten
° Nachhaltigkeit
□ Ökologisch
88 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Bild 4.19
Geräuschdämp
fung mit runden
Dämpfungsele
menten
4.4.8 Kettenräder mit Geräuschdämpfung
Während des Betriebes der Förderanlage entsteht beim Einlauf der
Förderkette in die Kettenräder durch den Einlaufstoß (siehe Kapitel
7.3.3) Geräusche, die in manchen Anwendungen störend und uner
wünscht sind. Dies ist besonders dort der Fall, wo sich Personen in der
Nähe der Förderanlage aufhalten oder dort ihren Arbeitsplatz haben,
wiez.B. in Kaufhäusern bei den Rolltreppen und bei Förderanlagen in
der Nähe von Wohngebieten. Es ist somit wichtig, störende Geräusche
wenn möglich abzumildem. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Ketten-
Wulf verschiedene Geräuschdämpfungssysteme an Kettenrädern ent
wickelt, mit denen sich die Dynamik beim Kontakt des Kettengelenkes
mit der Zahnflanke reduzieren lässt. Dadurch sinkt der Geräuschpegel,
der gegenüber anderen Umgebungsgeräuschen häufig gar nicht mehr
wahrnehmbar ist. Bauformen dieser Geräuschdämpfungssysteme sind
in den Bildern 4.19 bis 4.21 dargestellt. Die Auswahl der Bauart hängt
von den Anforderungen des jeweiligen Einsatzes ab.
Produktvorteile der Kettenräder mit Geräuschdämpfung:
■ Reduzierung der Einlaufgeräusche
□ Reduzierung der Einlauf-Stoßbelastung
n Reduzierung der prozessbezogenen Umweltbelastung
0 Nachhaltigkeit
D Ökologisch
Produktlösungen 89
Bild 4.20
Geräuschdämp
fung in runder
Hybridbauweise
Bild 4.21
Geräuschdämp
fung in eckiger
Hybridbauweise
90 4: Weiterentwicklung der Förderketten und Kettenräder
Bild 4.22
Schematische
Darstellung des
Polygon-Kompen
sationsgetriebes
4.4.9 Polygonkompensation
Beim Ablauf der Förderkette über das Kettenrad legt sich die Kette
in Form eines Polygons (Vieleck) um das Kettenrad. Rotiert dieses
konstant, kommt es durch die Polygonwirkung zu Geschwindigkeits
schwankungen, die u.a. auch zu Schwingungen in der Förderkette
führen. In vielen Förderanlagen ist dieser Polygoneffekt unerwünscht,
wie z.B. beim Personentransport auf Rolltreppen und Fahrsteigen.
Anzustreben sind daher generell Förderkettengetriebe mit möglichst
geringem Polygoneffekt. Ermöglicht die Anlagenkonstruktion eine
große Zähnezahl und/oder kleine Kettenteilung, bleibt die Polygon
wirkung gering. Häufig schränken jedoch Einbauverhältnisse, Förder
kettenbauform und Anforderungen in der Anwendung den Konstruk
tionsspielraum für diese Maßnahmen ein. Mit der patentierten Poly
gonkompensation in Form eines speziellen Kompensationsgetriebes
bietet Ketten Wulf eine zusätzliche Möglichkeit, die Polygonwirkung
zu verringern. Der schematische Aufbau des Getriebes ist in Bild 4.22
zu sehen. Grundsätzlich ist die technische Realisierbarkeit eines sol
chen Getriebes von den spezifischen Anforderungen des individuellen
Einsatzes abhängig.
Markteinführung 91
4.5 Markteinführung
Die Markteinführung in der Entwicklungsphase 5 schließt den Inno
vationsprozess ab. Als Entwickler von hochwertigen Förderketten und
Kettenrädern erarbeiten wir individuelle Produktlösungen, die spezi
ell auf die Vorgaben und Anforderungen unserer Kunden ausgerichtet
sind. Nur selten besteht die Möglichkeit, eine Neuentwicklung vorab
in der Praxis zu testen. In der Realität des Tagesgeschäftes wird daher
viel häufiger aus Zeitgründen eine konstruktiv erarbeitete Lösung und/
oder ein auf Prüfständen erprobter Prototyp ohne zusätzlichen Praxis
test direkt in die Förderanlage eingebaut. Im Rahmen eines Leistungs
portfolios, bestehend aus Beratung, Produktentwicklung, Produktion
und After Sales Service, bietet Ketten Wulf an, eine Neuentwicklung
im Praxisbetrieb mit Zustandsüberprüfungen zu begleiten. Diese kön
nen an ausgebauten Musterteilen in unserem Werk oder, falls mög
lich, vor Ort durchgeführt werden. Wesentlicher Bestandteil der Prüf
berichte ist die Dokumentation des aktuellen Produktzustandes und
eine Abschätzung der weiteren Funktionsdauer, die besonders für die
Instandhaltungsplanung von Bedeutung ist (siehe dazu auch Kapitel
2.6.2). Generell sind Produktuntersuchungen geeignete Maßnahmen,
Praxiserfahrungen zu sammeln und in neuen Projekten umzusetzen.
5 Änwendyngsbeispiele in
verschiedenen Branchen
Die vielfältigen Bauformen und Produkttechnologien der Förderketten
und Kettenräder ermöglichen deren Einsatz als Maschinenelemente in
sehr unterschiedlichen Fördereinrichtungen über viele Branchen hin
weg. Die in diesem Kapitel vorgestellten Branchen und Produktbei
spiele zeigen, wie sich besonders die konstruktive Bauform der För
derkette jeweils der spezifischen Anwendung anpassen lässt.
Inhalt
5.1 Personentransport ........................................................................ 94
5.1.1 Anwendungen in der Fahrtreppen Industrie ...................... 94
5.1.2 Anwendungen in Freizeitparks ......................................... 97
5.2 Schüttgutindustrie ....................................................................... 100
5.3 Automobilindustrie ..................................................................... 103
5.4 Stahlindustrie .............................................................................. 106
5.5 Dämmstoffindustrie .................................................................... 109
5.6 Wasseraufbereitung .................................................................... 112
5.7 Holzindustrie .............................................................................. 115
5.8 Papierindustrie ............................................................................ 118
5.9 Maschinen-und Anlagenbau ....................................................... 121
94 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.1
Förderkette in
einer Fahrtreppe
im Eingangsbe
reich eines
Museums
5.1 Personentransport
5.1.1 Anwendungen in der Fahrtreppenindustrie
Förderketten in Fahrtreppen (Rolltreppen) und Fahrsteigen helfen uns
an Orten mit viel Publikumsverkehr, wie z.B. in Kaufhäusern, Bahn
höfen und Flughäfen, Höhen zu überwinden oder längere Wegstrecken
zurückzulegen. Von der Standardausführung in Kaufhäusern bis zur
Schwerlastversion in Verkehrsfahrtreppen von U-Bahnstationen wer
den dazu Förderketten mit Betriebsschmierung, in wartungsarmer und
in schmierloser Bauform benutzt. Alle Varianten müssen präzise Maß
haltig sein und den besonders hohen Qualitäts- und Sicherheitsansprü
chen im Personentransport entsprechen.
Personentransport 95
Bild 5.2
Förderkette mit
innenliegenden
Kugellager-
Laufrollen und
Stufenbolzen.
Anwendung in
Kaufhausfahr
treppen.
Bild 5.3
Förderkette mit
Schonrollen und
außenliegenden
Kugellager-
Laufrollen und
Stufenbolzen.
Anwendung in
Verkehrsfahr
treppen.
Produktbeispiele:
96 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.4
Förderkette in
Doppelstrangaus
führung mit Ver
bindungsachsen
und Achszubehör.
mit Schonrollen
und außenliegen-
dcn Kugellager-
Laufrollen. An
wendung in Ver
kehrsfahrtreppen.
Bild 5.5
Förderkette mit
innenliegenden
Kugellager-
Laufrollen, mit
Spezial laschen zur
Aufnahme und
Befestigung
der Paletten.
Anwendung in
Fahrsteigen.
Personentransport 97
Bild 5.6
Förderkette in
einer Achterbahn
5.1.2 Anwendungen in Freizeitparks
Förderketten in Freizeitparks sind für hohe Geschwindigkeiten und
die daraus resultierenden dynamischen Kräfte bei unterschiedlichsten
Umgebungseinflüssen ausgelegt. Alle Bauteile werden hinsichtlich der
Materialien, Festigkeit, Wärmebehandlung, Oberflächengüte, Press
verbindungen und Beschichtungstechnik gemäß den spezifischen Qua-
litäts- und Sicherheitsvorgaben dieser Branche produziert.
98 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.7
Förderkette mit
Schonrollen.
Anwendung als
Standard Lift-
Chain in Achter
bahnen.
Bild 5.8
Förderkette mit
Schonrollen, beid
seitig außenlie
genden Kugella
ger-Laufrollen und
Seitenfilhrungs-
stücken in defi
nierten Abständen.
Anwendung als
Lift-Chain in
Achterbahnen.
Produktbeispiele
:
Personentransport 99
Bild 5.9
Förderkette mit
Schonrollen,
beidseitig außen
liegenden Kugel
lager-Laufrollen
sowie Seitenfüh
rungsstücken und
Mitnehmer in de
finierten Abstän
den. Anwendung
als Lift-Chain in
Achterbahnen.
Bild 5.10
Förderkette mit
einseitigem Befes
tigungswinkel an
jedem Außenglied,
alle Gelenkbolzen
mit Nachschmier
einrichtung.
Anwendung als
Lift-Chain in
Wasserbahnen.
100 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.11
Förderkelte für
Brückenkratzer in
einem Kreislager
5.2 Schüttgutindustrie
Förderketten zum Transport von Schüttgütern zählen zu den effizi
entesten Maschinenelementen in diesem Industriezweig. Bauform,
Werkstoffe und Fertigungsprozesse der Förderketten werden dem
jeweiligen Fördergut und Transportprozess optimal angepasst. In so
unterschiedlichen Förderanlagen wie Becherwerken, Kratzeranlagen
oder Stahlzellen-, Plattenband- und Trogkettenförderem gilt es, fein-
oder grobkörnige, abrasive und/oder korrosive Güter im Normaltem
peratur- oder Heißgutbereich zu bewegen. Die Förderketten können
dabei direkten Kontakt mit dem Fördergut haben oder sind dessen Um
gebungseinflüssen ausgesetzt.
Schüttgutindustrie 101
Bild 5.12
Förderkette mit
beidseitigem
Befestigungs
winkel an jedem
Außenglied zur
Befestigung der
Fördergutbecher,
alle Laschen mit
Erleichterungslö-
chem. Anwendung
in Becherwerken.
Bild 5.13
Förderkette in
rückensteifer
Ausführung mit
einseitigem Befes
tigungswinkel an
jedem Glied zur
Befestigung der
Fördergutzellen.
Anwendung in
Stahlzellen-
förderem.
Produktbeispiele:
102 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.14
Förderkette mit
erhöhten
Laschen und auf
geschweißter Plat
te zur Befestigung
der Fördergut
kratzer an jedem
Innenglied, alle
Gelenkbolzen mit
einseitig außenlie
gender Laufrolle,
die erhöhten La
schen mit Erleich-
tenmgslöchem.
Anwendung in
Brückenkratzem
filr Längs- und
Kreislager.
Bild 5.15
Förderkette
einseitig mit
geschmiedeten
Spezialbefestigun
gen in variablen
Abständen zur
Befestigung der
Fördergutkratzer.
Anwendung in
Feeder Breakern.
Automobilindustrie 103
Bild 5.16
Zweistrang -
Plattenband in der
PKW-Endmontage
5.3 Automobilindustrie
Die Automobilindustrie setzt Förderketten in unterschiedlichen För
dersystemen und Produktionsprozessen ein. Schwerpunkte sind dabei
der Rohbau und die Lackierung der Karossen sowie die Endmontage
der Fahrzeuge. Vom Rohbau bis zur Endmontage werden die Karos
sen, die auf Skids oder Traversen als Tragelement befestigt sind, auf
Längs- und Querförderem zu den jeweiligen Prozesszonen gebracht.
Zusätzliche Pufferförderer, als kurzfristige Speichermöglichkeit filr
unterschiedliche Produktionsstückzahlen in den Einzelprozessen,
können die Fördersysteme ergänzen. In den Prozesszonen des Rohbaus
und der Lackierung übernehmen Trag- und Tauchförderer den Trans
port, die Endmontage erfolgt überwiegend auf Plattenbandförderem.
104 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.17
Förderkette mit
Laufrolle und
aufgeschweißter
Platte auf jedem
Glied, in varia
blen Abständen
mit zusätzlichem
Tragstück und
Seitenführungsstü-
cken zur Aufnah
me der Skidkufen.
Anwendung Ka
rossentransport in
Spritzkabinen.
Bild 5.18
Förderkette mit
Traggliedem und
außenliegenden
Tragrollen in
variablen Abstän
den zur Aufnahme
der Skidkufen.
Anwendung Ka
rossentransport in
Trocknern.
Produktbeispiel
e:
Automobilindustrie 105
Bild 5.19
Förderkette mit
Drehschemelglie-
dem in variablen
Abständen. Alle
Innenglieder
mit zusätzlicher
Mittelrolle zur
Reduzierung des
Kettendurchhan
ges zwischen
den Tragliedem.
Anwendung Ka
rossentransport
in RoDip-Tauch-
anlagen zur Vor
behandlung und
KTL-Lackierung.
Bild 5.20
Förderkette in
Doppelstrang-
Ausführung mit
aufgeschraubter
Tragplatte auf je
dem Glied. In va
riablen Abständen
die Tragplatten
mit Radmitneh-
mem und beidsei
tig außenliegender
Seitenführungs
rolle. Anwendung
Pkw-Transport
in verschiedenen
Bereichen der
Endmontage.
106 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.21
Förderkette zum
Coil-Transport
versandbereiter
Fertigprodukte
5.4 Stahlindustrie
Ob in der Roheisenvorbereitung oder -formgebung, in Förderanlagen
der nachgeschalteten Weiterverarbeitung oder beim Transport der Fer
tigprodukte: In der Stahlindustrie sind Förderketten das tragende und
bewegende Maschinenelement über den gesamten Produktionsprozess
hinweg. Dieses komplexe Anwendungsspektrum stellt höchst unter
schiedliche Anforderungen an die Förderketten, wie z.B. Verschleiß
festigkeit in der Lagerplatztechnik, Temperaturbeständigkeit in Sin
teranlagen und in der Wärmebehandlung der Stahlerzeugnisse sowie
höchste Belastbarkeit im Coil-Transport.
Stahlindustrie 107
Bild 5.22
Förderkette mit
aufgeschweißter
Tragplatte auf
jedem Glied zur
Aufnahme des
Fördergutes, alle
Gelenkbolzen mit
beidseitig außen
liegender Bund
laufrolle. Anwen
dung als Tragkette
zum Rohrtransport
in Kühlbetten.
Bild 5.23
Förderkette mit
Mitnehmerglie-
dem und Mittel
rolle abwechselnd
in jedem Innen-
und Außenglied
zur Mitnahme
des Fördergutes,
alle Gelenkbolzen
mit beidseitig
außenliegender
Bundlaufrolle.
Anwendung als
Mitnehmerkette
zum Rohrtransport
in Kühlbetten.
Produktbeispiele:
108 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.24
Förderkette mit
Höcker-Tragglie-
dem in variablen
Abständen zur
Aufnahme des
Fördergutes, alle
Gelenkbolzen mit
beidseitig außen
liegender Laufrol
le. Anwendung als
Höckerkette im
Coil-Transport
Bild 5.25
Förderkette mit
aufgeschraubten
Muldentragplatten
auf jedem Glied
zur Aufnahme
des Fördergutes,
alle Gelenkbolzen
mit beidseitig
außenliegender
Bundlaufrolle.
Anwendung als
Muldenkette im
Coil-Transport.
Dämmstoffindustrie 109
Bild 5.26
Förderkette mit
aufgeschraubten
Lamellen in Faser-
sammelkammem
5.5 Dämmstoffindustrie
Die Dämmstoffindustrie stellt mit Mineralwolle (Glas- und Steinwol
le) ein wichtiges Produkt her, um damit die Energieeffizienz z.B. von
Gebäuden zu verbessern. Für die Produktion der Dämmstoffe werden
Förderketten unter anderem in Sammelkammem, Härteöfen und Fall
schächten eingesetzt. Extreme Umgebungsbedingungen mit aggressi
ven und abrasiven Medien, Temperaturen bis 300 °C sowie hohe För
dergeschwindigkeiten erfordern spezielle Förderketten in optimaler
Qualität.
110 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.27
Förderkette mit
innenliegen
den Doppel-
Bundlaufrollen.
Anwendung als
Schleppkette in
Härteöfen.
Bild 5.28
Förderkette mit
innenliegenden
Laufrollen und
einseitigem Be
festigungswinkel
an jedem Glied.
Anwendung als
Tragkette in Faser-
sammelkammem
und Härteöfen.
Produktbeispiel
e
Dämmstoffindustrie 111
Bild 5.29
Förderkette mit
innenliegenden
Laufrollen und
einseitigem Be
festigungswinkel
mit zusätzlich
eingeschweißtem
Knotenblech an
jedem Glied.
Anwendung als
Tragkette in Faser-
sammelkammem
und Härteöfen.
Bild 5.30
Förderkette mit
Schonrollen und
einseitigem Be
festigungswinkel
an jedem Außen
glied. Anwendung
als Tragkette in
Spinnkammem.
112 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.31
Wasseraufberei
tungsanlage
5.6 Wasseraufbereitung
Menschen brauchen Trinkwasser, und die Industrie benötigt Prozess
wasser. In beiden Bereichen ist die Wasseraufbereitung entscheidend,
um die Wasserqualität zu verbessern und die Ressourcen zu sichern.
Zur mechanischen Reinigung kommen in der kommunalen und indust
riellen Abwasser- und Prozesswasserbehandlung beispielsweise Grob-
und Feinrechen zum Einsatz. In Kraftwerksanlagen, Stahlwerken und
Meerwasserentsalzungsanlagen reinigen Siebmaschinen das Wasser
besonders gründlich. Förderketten bewegen in diesen Anlagen die Rei
nigungselemente im Wasser. Dabei müssen sie hohe Anforderungen
hinsichtlich Korrosions- und Verschleißbeständigkeit erfüllen.
Wasseraufbereitung 113
Bild 5.32
Förderkette mit
Laufrollen und
einseitig verlän
gerten Gelenkbol
zen in variablen
Abständen zur Be
festigung der Rei
nigungselemente.
Anwendung in
Grobrechen.
Bild 5.33
Förderkette mit
Laufrollen, auf
einer Kettenseite
alle Laschen mit
Befestigungslö-
chem zur Befes
tigung der Reini
gungselemente.
Anwendung in
Feinrechen.
Produktbeispiele:
114 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 534
Förderkette mit
Laufrollen und
zusätzlichen Sei
tenführungsrollen
in jedem Innen
glied, alle Glieder
mit zwei Befesti
gungsschrauben
zur Befestigung
der Siebkorbele
mente. Anwen
dung in Korb-
Siebmaschinen.
Bild 5.35
Förderkette mit
Laufrollen als
Kettenfdhrungs-
rolle. An jedem
Kettengelenk
außenliegend
eine zusätzliche
Laufrolle als
Kettentragrolle,
gegenüberliegend
angebogene Mit
nehmer zur Befes
tigung der Sieb
scheibenelemente.
Anwendung in
MultiDisc-Sieb-
maschinen.
Holzindustrie 115
Bild 536
Förderkette für
Rundholztransport
in einer Sortier
stranganlage
5.7 Holzindustrie
Die Holzindustrie als Teilbereich der Holzwirtschaft bearbeitet im We
sentlichen den Rohstoff Holz und verarbeitet ihn zu Halbfabrikaten
und Fertigwaren weiter. Förderketten übernehmen hier den Transport
zwischen einzelnen Fertigungsstationen und innerhalb der Produkti
onsprozesse. Beispiele für deren Einsatz sind Rundholzaufgabe, Wur-
zelreduzierer, Entrindung, Kappsäge, Stammwendung, Blockzug,
Sortierstrang, Sägelinien, Spanereinzug, Brettervereinzelung, deren
Sortierung und Speicherung sowie der Spänetransport. In diesen Ein-
satzfeldem der Holzindustrie müssen Förderketten besonders für hohe
stoßartige und dynamische Belastungen geeignet sein.
116 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 537
Förderkette mit
Schonrollen,
Außenglieder mit
aufgeschweißter
Tragplatte und
prismenförmigem
Mitnehmer in
variablen Abstän
den. Anwendung
in Rundholzför-
derem.
Bild 5.38
Förderkette mit
Schonrollen, alle
Außenglieder mit
verzahnten Mit
nehmerlaschen.
Anwendung als
Einzugskette in
Profi Izerspanem.
Produktbeispiel
e:
Holzindustrie 117
Bild 5.39
Förderkette mit
aufgeschweißtem
U-Bügel und ein
gebauter Kunst
stoffrolle in vari
ablen Abständen.
Anwendung im
Brettertransport.
Bild 5.40
Förderkette mit
einseitiger Mit
nehmerlasche am
Außenglied in va
riablen Abständen.
Anwendung im
Spänetransport
118 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild Nr.5.41
Papierrollen
transport
5.8 Papierindustrie
Papier wird in unterschiedlichen Qualitäten sowohl privat als auch
in der Industrie benötigt. Bei der Herstellung bestimmen die verwen
deten Rohstoffe wesentlich die späteren Eigenschaften des Papieres.
Ausgangsmaterialien sind unter anderem Holz und Altpapier. Um sie
zu verarbeiten, nutzt man z.B. Förderketten in Schleiferanlagen zur
Zerfaserung von Holzstämmen und zum Transport der Altpapierballen.
Am Ende des Produktionsprozesses gelangt die fertige Papierrolle auf
Förderketten mit Tragplatten zum Lagerplatz. In allen diesen Trans
portprozessen müssen Förderketten spezifische Anforderungen wie
hohe Belastbarkeit, niedrige Reibwiderstände oder minimalen War
tungsaufwand bei möglichst geringen Bauabmessungen erfüllen.
Papierindustrie 119
Bild 5.42
Förderkette mit
aufgeschweißten
Druckplatten auf
jedem Glied. An
wendung in Holz
schleiferanlagen
zum Anpressen
der Holzstämme
auf das Schleif
werkzeug.
Bild 5.43
Förderkette mit
aufgeschweißter
Muldentragplatte
auf jedem Glied,
alle Gelenkbolzen
mit beidseitig
außenliegender
Laufrolle. Anwen
dung im Transport
liegender Papier
rollen.
Produktbeispiele:
120 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Bild 5.44
Förderkette in
Doppelstrang-
Ausfähning mit
Laufrollen und
aufgeschraubter
Muldentragplatte
auf jedem Glied.
In variablen
Abständen Sei
tenführungsrollen
mittig unter den
Muldentragplatten
befestigt. Anwen
dung im Transport
liegender Papier
rollen.
Bild 5.45
Förderkette
in Dreistrang-
Ausftlhrung mit
Laufrollen und
aufgeschraubter
Tragplatte auf je
dem Glied. In va
riablen Abständen
Seitenführungs-
rollen beidseitig
außenliegend an
den Tragplatten
befestigt. Anwen
dung im Transport
stehender Papier
rollen.
Maschinen- und Anlagenbau 121
Bild 5.46
Flaschentransport
in der Getränkein
dustrie
5.9 Maschinen- und Anlagenbau
Der Maschinen- und Anlagenbau ist einer der größten Industriezweige
in Deutschland. Er entwickelt und produziert Maschinen und komple
xe Anlagen für eine Vielzahl unterschiedlicher Branchen und Anwen
dungen, in denen die Förderkette das bewegende Maschinenelement
in Förder- und Transportanlagen ist. Förderketten werden in dieser
Branche universell genutzt und müssen in jedem Einzelfall anderen
Anforderungen genügen, wie beispielsweise reduzieren der Antriebs
leistung oder verringern der Geräuschentwicklung. Häufig sind Pro
duktvarianten und Produkttechnologien der Förderketten Bestandteil
der Lösung, wenn es um Vorgaben hinsichtlich Energieeffizienz, Um
weltverträglichkeit oder Nachhaltigkeit geht.
122 5: Anwendungsbeispiele in verschiedenen Branchen
Branche
Mühlenbau
Branchen und Produktbeispiele
Branche Getränkeindustrie
Bild 5.47
Förderkette mit
Laufrollen, jedes
Glied einseitig mit
Mitnehmerlasche
und Gewinde
schraube zur
Befestigung der
Flaschenkorbträ
ger. Anwendung
als Doppelstrang-
Förderkette mit
aufgeschraubten
Flaschenkorb
trägem in
Flaschenreini
gungsmaschinen
Bild 5.48
Förderkette mit
beidseitig, L-för-
mig abgebogener
Außenlasche und
mit anmontierten
Kratzerelementen
aus Kunststoff.
Anwendung als
Kratzerkette z.B.
für den Getreide
transport in Trog
förderanlagen.
Maschinen- und Anlagenbau 123
Branche Industrieofenbau
Bild 5.49
Förderkette mit
beidseitig außen
liegender Laufrol
le, jedes Glied als
Mitnehmerglied
mit eingebautem,
kippbarem
Spezialmitnehmer.
Anwendung in
Glüh-und
Vergütungsöfen
zum Rohrtrans
port.
Branche Glasindustrie
Bild 5.50
Förderkette mit
Schonrollen, alle
Glieder auf einer
Kettenseite mit
angeschweißtem
Winkeleisen,
andererseits die
Außenglieder mit
angeschweißtem
Winkeleisen und
die Innenglieder
mit angeschweiß
tem U-Eisen zur
Befestigung von
Kratzerelementen.
Anwendung in der
Glasherstellung
als Kratzerkette
in Glasbruch -
Förderanlagen.
6 Berechnungsgrundlagen
für Ford er ketten
Inhalt
6.1 Definition der Betriebskenndaten ................................................. 129
6.1.1 Mechanische Betriebskennwerte ........................................ 129
6.1.2 Anwendungsbedingte Betriebskennwerte .......................... 130
6.2 Berechnungsgrundsätze für Stetigförderer nach
DIN 22200 [1] ................................................................................ 131
6.3 Vorgehensweisen zur Berechnung der
Gesamtkettenzugkraft..................................................................... 133
6.3.1 Berechnung der Gesamtkettenzugkraft nach
Betriebskennwerten ............................................................ 133
6.3.2 Berechnung der Gesamtkettenzugkraft nach
Antriebskennwerten ............................................................ 140
6.4 Auswahl einer Förderkette nach Norm ........................................ 141
6.5 Kontrollrechnung der Förderkettenbauteile.................................. 142
6.5.1 Kontrollrechnung bezüglich rechnerischer
Kettenbruchkraft ................................................................. 142
6.5.2 Kontrollrechnung bezüglich Betriebskraft ......................... 145
6.6 Kontakt zwischen Förderkette und Kettenrad .............................. 149
6.6.1 Kraftübertagung zwischen Förderkette und
Kettenrad ............................................................................ 149
6.6.2 Polygonwirkung des Kettenrades ....................................... 151
6.7 Literatur ....................................................................................... 153
126 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Formelzeichen und Einheiten
Abkürzung Bezeichnung
[Einheit]
A Achsabstand [m]
b Länge des freien Durchhangs [m]
Ago'je-i
Querschnittsfläche am Gelenkbolzen [mm
2
]
Kritischer Querschnitt [mm
2
]
Projizierte Fläche [mm
2
]
A
pro) RJchenfoch
Projizierte Fläche eines Flächenlochs [mm
2
]
A
/
'pro] Rundloch
Projizierte Fläche eines Rundlochs [mm
2
]
a Beschleunigung des Kettentriebes [m/s
2
]
bpolypon
Beschleunigung durch Polygoneffekt [mm/sec
2
]
Cßtfzen
Flächenmaß Gelenkbolzen [mm]
C
Buchso
Flächenmaß Gelenkbuchse [mm]
Teilkreisdurchmesser [mm]
^Buchse
Durchmesser Gelenkbuchse [mm]
^Botzen
Durchmesser Gelenkbolzen [mm]
Laufrolle
Innendurchmesser der Laufrolle [mm]
F Gesamtkettenzugkraft [N]
f Kettendurchhang [m]
Bruchkraft min. nach Norm [N]
FB „^.
ner+
,
recnnenscn
Rechnerische Bruchkraft [N]
^"dyn Bcsch'eumgunq
Dynamische Kettenzugkraft aus Beschleunigung [N]
i*dyn Rehkraft
Dynamische Kettenzugkraft aus Fliehkraft [N]
djn Potypon
Dynamische Kettenzugkraft aus Polygonwirkung [N]
^Feeder
Förderkraft [N]
f
M
Hebelarm der rollenden Reibung [mm]
^Laiche
Faktor zur Laschenausführung [-]
L Faktor Nebenwiderstand [-]
F
R
Restzugkraft [N]
Fc. Gewichtskraft pro Laufrolle [N]
F
s
Stützzug [N]
Fo Überschlägige Kettenzugkraft [N]
F
21
Kontaktkraft am ersten tragenden Zahn [N]
^Zlm»
Maximale Kontaktkraft am ersten tragenden Zahn [N]
9 Erdbeschleunigung [m/sec
2
]
9iM»
e
Laschenhöhe [mm]
G, Fördergutgewicht [kg/m]
1 Mit Fördergut belastete Länge der Förderkette [m]
Vrtc'txr.ie
Länge Gelenkbuchse [mm]
1 .. . . , Länge Schonrolle [mm]
Formelzeichen und Einheiten 127
128 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Abkürzung Bezeichnung Einheit]
^Laufrolle
Länge Laufrolle mm]
^Antrieb
Motorantriebsmoment Nm]
M
Kettentrieb
Drehmoment des Kettentriebs [Nm]
n Drehzahl des Kettenrades 1/sec]
P
Förderkettenteilung mm]
Ppiachenpressung
Flächenpressung [N/mm
2
]
Pzul
Zulässige Flächenpressung [N/mm
2
]
P
1
Antrieb
Motorantriebsleistung [kW]
p
1
Kettentrieb
Leistung des Kettentriebs [kW]
q
Spezifisches Kettengewicht kg/m]
R Radius Rolle mm]
r Radius Gelenkbuchse imm]
G-
Wirksamer Radius mm]
^relmin
Minimaler wirksamer Radius [mm]
Keimax
Maximaler wirksamer Radius [mm]
r
u
Umkreisradius [mm]
s
Sicherheitsfaktor [-1
s Laschenstärke [mm]
w
Widerstandsmoment gegen Biegung [mm
3
]
z Anzahl der Zähne am Förderkettenrad [-]
^Eingriff
Anzahl der Kettenradzähne im Eingriff H
a Teilungswinkel
ß Laufkoordinate am Kettenrad CI
Yst
Steigungswinkel
n
Y
Flankenwinkel
n
^Gesamt
Anlagenspezifischer Wirkungsgrad
H
Kettenreibungsfaktor H
Laufrollenreibungsfaktor H
PRO
Rollwiderstandsbeiwert i-i
V
Fördergeschwindigkeit [m/sec]
ab Biegespannung [N/mm
2
]
Lochleibungsdruck [N/mm
2
]
a
izul
Zulässiger Lochleibungsdruck [N/mm
2
]
Q
z
Zugspannung [N/mm
2
]
G
zzu!
Zulässige Zugspannung [N/mm
2
]
T
m
Mittlere Scherspannung [N/mm
2
]
^mzul
Mittlere zulässige Scherspannung [N/mm
2
]
Winkelgeschwindigkeit des Kettenrades [rad/sec]
Av Geschwindigkeitsdifferenz [m/sec]
Formelzeichen und Einheiten 129
Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Dieses Kapitel behandelt die grundlegenden Schritte, um eine geeig
nete Förderkette auszuwählen und zu dimensionieren. Dabei sind für
jeden speziellen Einsatz die besonderen Belastungen durch das För
dergut, die Umgebungsbedingungen und weitere Einflüsse zu berück
sichtigen.
Die mathematische Auslegung von Förderketten beruht im Wesentli
chen auf statischen Verfahren, weil in der Regel die dynamisch auf
tretenden Belastungen durch die relativ geringen Kettengeschwindig
keiten, z.B. im Vergleich zu Antriebsketten, niedrig sind. Durch die
technische Entwicklung werden die Fördergeschwindigkeiten zuneh
mend höher. Deshalb ist es wichtig, die zusätzlichen dynamischen Be
lastungen zu kennen, um diese wenn nötig zu berücksichtigen. Daher
sind die nachfolgenden grundlegenden Berechnungen lediglich als
Leitfaden zu verstehen. Einen einheitlichen Berechnungsvorgang für
alle Anwendungsfälle zu entwickeln, ist aufgrund der komplexen Ein
flussfaktoren nicht möglich.
Definition der Betriebskenndaten 130
6.1 Definition der Betriebskenndaten
Aus den Betriebskenndaten einer Förderanlage lassen sich die Belas
tungen der Förderkette ableiten. Vor Berechnung einer Förderkette
müssen diese also definiert werden, um das Spektrum der Beanspru
chungen im späteren Betrieb umfassend ermessen zu können.
6.1.1 Mechanische Betriebskennwerte
Tabelle 1 beinhaltet beispielhafte Anlagenparameter, welche besonde
re Beachtung erfordern.
Mechanische Betriebskennwerte Einflüsse auf die Förderkette
Antriebsleistung Unter Berücksichtigung möglicher
Wirkungsgrade resultiert daraus eine
Umfangskraft am Kettenrad
Kettengeschwindigkeiten Beeinflusst die Größe von Fliehkräften
sowie der Polygonwirkung
Achsabstand und Umlenkungen Unter Berücksichtigung der Kettenge
schwindigkeit ergeben sich die zu er
wartenden Flexuren der Kettengelenke
im Betrieb
Ansteigende Förderung Hangabtriebskräfte der bewegten Mas
sen müssen kompensiert werden
Anfahrzyklen der Anlage Die Anzahl sowie die auftretenden
Beschleunigungen müssen ggf. berück
sichtigt werden
Teilung und Kettenraddurchmesser Unter Berücksichtigung der Kettenge
schwindigkeit ergeben sich Belastun
gen durch den Polygoneffekt und die
Fliehkräfte
Rollenausführung Je nach konstruktiver Ausführung
ergeben sich unterschiedliche Rei
bungswerte und somit Einflüsse auf die
Gesamtkettenzugkraft
Ketteneigen- und Fördergutgewicht Unter Berücksichtigung der Rollrei
bungsfaktoren ergeben sich hieraus
Bewegungswiderstände
Schmierung Der Reibwiderstand in den jeweiligen
Kontaktstellen hat direkten Einfluss auf
die resultierende Kettenzugkraft
Tabelle 1 Auswahl mechanischer Betriebskennwerte
6.1.2 Anwendungsbedingte Betriebskennwerte
Neben den mechanischen Belastungen etwa durch Gewichtskräfte des
Fördergutes, Reibkräfte innerhalb der Anlage oder auftretende Mas
senträgheitskräfte müssen die anwendungsbedingten Betriebskenn
werte wie Feuchtigkeit, Temperatur u. ä. berücksichtigt werden (vgl.
Tabelle 2).
Berechnungsgrundsätze für Stetigförderer nach DIN 22200 131
Anwendungsbedingte Be
triebskennwerte
Einflüsse auf die Förderkette
Thermische und / oder abrasi
ve Umgebungsbedingungen
Veränderung der Werkstoffeigenschaften
(Anlasseffekte) und / oder Verschleiß neh
men Einfluss auf die Wahl der Werkstoffe
und konstruktive Ausführung
Chemische und elektro- chemi
sche Umgebungsbedingungen
Werkstoffschädigungen durch Korrosion
oder Rissbildung können auftreten und
müssen zum Zeitpunkt der Konstruktion
berücksichtigt werden
Stillstandzeiten Lange Stillstandzeiten können die Ausfüh
rung und Werkstoffauswahl der Förderkette
beeinflussen, z.B. Kontaktkorrosion
Tabelle 2 Auswahl anwendungsbedingter Betriebskennwerte
Die beschriebenen Einflüsse gilt es bei der Auswahl oder Konstruktion
einer Förderkette zu beachten. Die grundlegenden Berechnungen müs
sen, falls erforderlich, im Einzelfall angepasst oder ergänzt werden.
132 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
6.2 Berechnungsgrundsätze für
Stetigförderer nach DIN 22200 [1]
In der Norm DIN 22200, Ausgabe Mai 1994, finden sich Berechnungs
ansätze für Stetigförderer, welche es ermöglichen, die Gesamtketten-
zugkraft sowie die erforderliche Antriebsleistung einer Förderanlage
zu bestimmen.
Im ersten Schritt wird das Fördergut mathematisch durch Volumen
ströme erfasst. Für die unterschiedlichen Bauformen der Stetigförderer
ergeben sich je nach Art der Förderbewegung (kontinuierlich, pulsie
rend oder punktuell) verschiedene mathematische Ansätze.
Aus den Fördergutströmen lassen sich unter Berücksichtigung der
spezifischen Gewichte die Massenströme ableiten. Zu beachten sind
hierbei die unterschiedlichen Füllquerschnitte, Neigungswinkel der
Förderanlagen sowie Fördergutgeschwindigkeiten.
Um die bestimmten Massenströme in Bewegung zu setzen, sind unter
schiedliche Widerstände zu überwinden, welche die DIN 22200 wie
folgt aufteilt:
Steigungswiderstand
Die Hangabtriebskraft der Massenströme muss je nach Orientierung
des Förderers durch Antriebs- oder Bremsleistungen berücksichtigt
werden.
Reibungswiderstand
Aus der Bewegung der Massen resultieren Reibungswiderstände, wel
che wiederum in die Faktoren Hauptwiderstand, Nebenwiderstand und
Sonderwiderstand aufgeteilt werden.
Hauptwiderstand
Der Hauptwiderstand beschreibt den Reibungswiderstand während der
Förderbewegung; er resultiert aus der Normalkraft zwischen Förder
kette und Führungsbahn. Üblicherweise werden an dieser Stelle Rollen
verwendet, welche das Kettengewicht und das Fördergutgewicht über
eine Lauffläche am Förderer abtragen. Hierbei ist neben möglichen
Neigungswinkeln innerhalb der Anlage auch die Rückführung der För
derkette zu beachten. Formeln zu diesem Widerstand finden sich in der
DIN 22200 und werden in Kapitel 6.3.1 genauer aufgezeigt.
Nebenwiderstand
Dieser Faktor beinhaltet Leistungsverluste etwa durch Reibung inner
halb der Kettengelenke und der Kettenlaschen an den Zahnflanken,
die beim Ablauf der Kette über die Kettenräder entstehen. Er berück
sichtigt ebenfalls die Reibungswiderstände der Wellenlagerungen. Die
Leistungsverluste werden durch einen Faktor im Bereich von 5 bis
10% des Hauptwiderstandes abgeschätzt und nicht detaillierter be
Berechnungsgrundsätze für Stetigförderer nach DIN 22200 133
rechnet.
Sonderwiderstand
Wird das Fördergut in der Anlage an einer Führung relativ bewegt, so
entsteht an dieser Kontaktstelle eine weitere Reibungskraft, die eben
falls zu beachten ist. Für SchüttgutfÖrderung lässt sich dieser zusätz
liche Widerstand mit der in der Norm genannten Formel berechnen.
Erforderliche Antriebsleistung
Unter Berücksichtigung eines Wirkungsgrades des gesamten Antriebs
kann die erforderliche Antriebsleistung aus der Umfangskraft, wel
che die Summe der Bewegungswiderstände bildet, und der Förderge
schwindigkeit bestimmt werden.
Gesamtkettenzugkraft
Im letzten Schritt beschreibt die Norm das Ermitteln der Gesamtket
tenzugkraft F innerhalb der Förderanlage. Zusätzlich zur Umfangs
kraft muss dazu die Hangabtriebskraft der Förderkette bestimmt und
berücksichtigt werden. Darüber hinaus muss eine anlagenspezifische
Vorspannkraft beachtet werden, welche „zum Straffhalten der Förder
kette“ dient. Als letzte Komponente der Gesamtkettenzugkraft wird
ein dynamischer Anteil aufgeftihrt, welcher den Polygoneffekt berück
sichtigt.
6.3 Vorgehensweisen zur Berechnung
der Gesamtkettenzugkraft
Grundsätzlich bietet die DIN 22200 einen guten Einstieg zum Ver
ständnis der komplexen Beanspruchungseinwirkungen auf eine För
derkette innerhalb einer Förderanlage. Die exakte Auslegung der
Förderkette muss jedoch immer in enger Zusammenarbeit zwischen
Kettenhersteller, Anlagenbauer und / oder dem Anwender erfolgen um
sicherzustellen, dass alle Beanspruchungen berücksichtigt werden. Die
Auslegung von Förderketten basiert bei KettenWulf auf den Inhalten
der DIN 22200. Unsere jahrzehntelangen Erfahrungen in den vielfälti
gen Anwendungsgebieten haben jedoch zu notwendigen Ergänzungen
der darin vorgestellten Formeln geführt.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei übliche Ansätze zur Ermittlung
der Gesamtkettenzugkraft:
1. Bei der Neukonstruktion einer Förderanlage sind zum Zeitpunkt
der Auslegung und Konstruktion die antriebsseitigen Kennwerte
nicht bekannt. Daher werden im ersten Ansatz die Förderketten
belastungen aus den Betriebskennwerten der Förderanlage ermit
telt. In einem weiteren Schritt kann der Analgenhersteller dann
die erforderliche Antriebsleistung bestimmen und installieren.
2. Der zweite Ansatz berechnet die Kettenbelastung aus vorgegebe
134 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Bild 6.1
Schematische
Darstellung des
Kräfteverlaufs der
Gesamtkettenzug
kraft F am Förder
kettengetriebe
nen Antriebskennwerten der Förderanlage.
6.3.1 Berechnung der Gesamtkettenzugkraft
nach Betriebskennwerten
Grundlage der Berechnung ist die vollständige Definition der Be
triebskennwerte wie im Kapitel 6.1 beschrieben. Darauf basierend
kann die Gesamtkettenzugkraft F nach (Gl. 6.1) berechnet werden:
r - p
+
p + p + p + p
Fürder (dyn Polygon) (dyn Beschleunigung) (dyn Fliehkraft) Rest
(Gl. 6.1)
Stoßartige Belastungen sind im Einzelfall gesondert zu berücksichti
gen.
Die einzelnen Komponenten der Formel werden im weiteren Verlauf
detaillierter ausgeführt und mathematisch beschrieben.
Hierbei ist anzumerken, dass zur Bestimmung der einzelnen Kom
ponenten der Gesamtkettenzugkraft bereits Informationen der später
verwendeten Förderkette notwendig sind. Es ist somit erforderlich, die
ungefähren Eckdaten des Maschinenelementes Förderkette bereits zu
diesem frühen Zeitpunkt der Auslegung vorausschauend zu dimensio
nieren. Diese Vordimensionierung erfordert viel Erfahrung und Wissen
im Bereich der Förderkettenanwendung und Förderkettenauslegung.
Zu den Eckdaten zählen beispielsweise:
° Die Bauart der Förderkette,
° geometrische Daten der Förderkette (wie Teilung, Rollen- Ge
lenkbolzen- Gelenkbuchsendurchmesser) und
o das Ketteneigengewicht
Hilfreich für die Vordimensionierung sind insbesondere die Normen
DIN 8165[2] und DIN ISO 1977[3] (Ersatz der DIN 8167).
Da diese Eckdaten Einfluss auf die Gesamtkettenzugkraft und somit
auch auf die Ausführung der Förderkette haben, muss die Berechnung
im Anschluss dieser Vordimensionierung gegebenenfalls wiederholt
werden.
Förderkraft .
Vorgehensweisen zur Berechnung der Gesamtkettenzugkraft 135
Föraer
Die Förderkraft F_
A
. beschreibt die Kraft, welche ausschließlich zur
Bewegung des Fördergutes benötigt wird. Hier werden zunächst die
Förderkräfte für vier unterschiedliche Ausftlhrungsvarianten einer
Förderanlage aufgezeigt.
136 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
^Fönlcr P
k
(? ' A ' q + l Gf) S 'f
n
(Gl. 6.2)
^
e
r[
A
'V'P-Vk'
cos
y
Sl
+sin
y
St
)
+1
G
f
'(^k
c
osy
Sl
^siny
Sl
)]-g-f
n
(Gl. 6.3)
Je nach Anwendungsfall liegt der Förderkettenreibungsfaktor pK im
üblichen Bereich von 0,15 bis 0,4.
Ansteigende Förderung; Förderketten ohne Rollen
Vorgehensweisen zur Berechnung der Gesamtkettenzugkraft 137
(Gl. 6. 4)
F
nn
IC
r
=
(
A
'l-P-l
l
l
«,-cosy
Sl
+siny
Sl
] + l- G
f
-cosy
s
+siny
St
]}
■g'f„ (Gl. 6.5)
Der Rollwiderstandsbeiwert einer auf Rollen abgetragenen
Förderkette muss je nach Au sführungs Variante bestimmt werden. Der
Faktor kann für eine gleitgelagerte Konstruktion nach (Gl. 6.6) berech
net werden.
(Gl. 6.6)
Der Hebelarm der rollenden Reibung f
k
muss je nach Materialpaarung
definiert werden. Für eine Ausführung mit Stahlrollen auf einer Lauf
bahn aus Stahl kann man einen Wert von 0,5 mm annehmen. Der Lauf
rollenreibungsfaktor liegt je nach Betriebsbedingungen im Bereich
von 0,1 ... 0,3.
Bild 6.4
Waagerechte Förderung, Förderketten mit Rollen
Bild 6.5
138 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
(Gl. 6.9)
Der Nebenwiderstand f berücksichtigt unter anderem die Reibung in
den Kettengelenken, zwischen Förderkette und Kettenrad sowie der
Wellenlagerungen. Erfahrungswerte für f liegen zwischen 1,05 und
1,10.
Wie bereits erwähnt, sind die hier aufgeführten Formeln lediglich die
Grundlage zur Bestimmung einer Gesamtkettenzugkraft und müssen
je nach Ausführung einer Förderanlage erweitert und/oder angepasst
werden. Beispiel ist eine Förderanlage mit unterschiedlichen Steigun
gen und Gefällen innerhalb der Förderstrecke. Durch Modifizieren und
Erweitern der jeweiligen „Grundformel“ können die Beanspruchungen
innerhalb einer solch komplexeren Förderanlage in erster Näherung
bestimmt und zur Auslegung der Förderkette herangezogen werden.
Dynamische Polygonkraft F
dynPolygon
Der Anteil der dynamischen Polygon Wirkung an der Gesamtketten
zugkraft kann nach (Gl. 6.7) bestimmt werden. Eine detaillierte Be
schreibung des Polygoneffektes folgt in Kapitel 6.6.
2
• p
F = ------------------------- • (1 • A • q + G
f
' l) (Gl. 6.7)
r
dynPolygon 2 • 1000 f '
Dynamische Beschleunigungskraft F
dyn BcschlcunIgung
Dieser Anteil der Gesamtkettenzugkraft berücksichtigt die Massen
trägheitskräfte, welche während des Anfahrens und Abbremsens einer
Förderanlage entstehen. In erster Näherung werden hierbei die Massen
des Fördergutes und der Förderkette sowie die auftretende Beschleu
nigung a beachtet.
F,
p
— (2 • A • q + G
f
l) • a (Gl. 6.8)
In diesem Berechnungsansatz sind die Massen der rotierenden Ele
mente nicht berücksichtigt. Bei entsprechend hohen Massenanteilen
sind diese für den speziellen Einsatz ebenfalls zu berücksichtigen.
Fliehkraft F
dyn FIIehkraft
Für die praktische Auslegung eines Kettentriebs wird die Fliehzug
kraft (Längskraftbelastung) aus der Fliehkraft der Förderkette berech
net.
Fdyn Fliehkraft <7
Mögliche Anbauteile der Förderkette sind zusätzlich zu berücksichti
gen.
Restzugkraft F
Rc3t
Die Restzugkraft ergibt sich durch den kontinuierlichen Kraftabbau
der Gesamtkettenzugkraft im Kettenrad von Zahn zu Zahn. Die exak
ten Zusammenhänge werden in Kapitel 6.6 dargestellt.
Vorgehensweisen zur Berechnung der Gesamtkettenzugkraft 139
(Gl. 6.10)
(Gl. 6.11)
Mathematisch kann die Restzugkraft wie folgt beschrieben werden.
p /
sin
?
FRCH
F
\ sin (a + y) )
Hierbei beschreibt a den Teilungswinkel und y den Flankenwinkel am
Kettenrad. Die an dieser Stelle benötige Gesamtkettenzugkraft F kann
in erster Näherung durch die überschlägige Kettezugkraft F
o
ersetzt
werden.
F = p + F + F
0 Förder dyn Beschleunigung dyn Polygon
Alternativ kann bei bekannter notwendiger Leistung des Kettentriebs
P die überschlägige Kettenzugkraft nach (Gl. 6.12) bestimmt werden.
P
Kettentrieb 000 zz-»j z toi
o = ---------------------------------- v ----------- (
Gl
-
6
-
12
)
Dieser Restzugkraft muss anlagentechnisch eine mindestens gleich
große Kraftkomponente gegenüberstehen, um ein Überspringen der
Förderketten im Antriebskettenrad zu vermeiden.
Diese gleichgroße Kraftkomponente kann innerhalb einer Förderanla
ge auf unterschiedliche Weise aufgebracht werden. Mögliche Varian
ten sind:
■ Die Kraftkomponente wird durch eine ausreichend große Vor
spannkraft der Förderkette innerhalb der Anlage erzeugt. Dies ge
schieht häufig mittels Gegengewichten oder hydraulischen Zylin
der an den Umlenkrädem einer Förderanlage. Hierbei ist jedoch
zu beachten, dass sich die Kraft, welche auf die Umlenkwellen
aufgebracht wird, auf den Last- und Leertrum aufteilt. Außer
dem beeinflussen mögliche Reibungswiderstände der Förderket
te im Leertrum die effektive Wirkung der Vorspannkraft im Be
reich der auslaufenden Förderkette am Antriebskettenrad. In der
DIN 22200 wird die Restzugkraft ebenfalls mit einem allgemei
nen Hinweis auf eine Vorspannkraft der Anlage F
v
berücksichtigt.
■ Bei senkrechter oder schräger Förderung wird die Kraftkompo
nente oder Teile davon durch die Gewichtskraft der Förderkette
am Auslauf des Kettenrades erzeugt. Im Sonderfall sind ebenfalls
Gewichtskräfte des Fördergutes zu berücksichtigen.
n Bei waagerechter Förderung kann man die Kraftkomponente mit
tels eines freien Durchhangs der Förderkette nach dem Auslaufen
aus dem Antriebskettenrad einbringen. Durch das Eigengewicht
der Förderkette, die Länge des freien Durchhangs sowie den ma
ximalen Durchhang der Kette lässt sich so der resultierende Stütz
zug bestimmen. Die daraus resultierende Zugkraft in der Förder
kette kann nach (Gl. 6.13) beschrieben werden.
q • b
2
F
s
= \
f
g (GL 6.13)
8
'J
F
140 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Es ist konstruktiv sicherzustellen, dass der vorhandenen Restzugkraft
am Auslauf der Förderkette am Antriebskettenrad eine mindestens
gleichgroße Kraftkomponente entgegengesetzt wird, um einen ein
wandfreien Betrieb der Förderanlage zu gewährleisten.
Wenn diese Kraftkomponente aufgrund der bauseits aufgebrachten
Vorspannkraft die berechnete Restzugkraft deutlich überschreitet, so
ist die Vorspannkraft separat in der Gesamtkettenzugkraft zu berück
sichtigen.
Die einzelnen Faktoren können nun in (Gl. 6.1) berücksichtigt werden
und ermöglichen das Bestimmen der Förderkettenbelastung aufgrund
auftretender Zugkräfte. Wie bereits erwähnt, besteht zu diesem Zeit
punkt die Notwendigkeit, die in der Vordimensionierung ausgewählten
Eckdaten kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls aufgrund neuer
Erkenntnisse zu ersetzen. Somit würde ein zweiter Berechnungsdurch
gang erforderlich, um die Auswahl der Förderkette abzusichem.
Vorgehensweisen zur Berechnung der Gesamtkettenzugkraft 141
(Gl. 6.14)
Kettentrieb
• 1000
(Gl. 6.15)
(Gl. 6.16)
(Gl. 6.17)
6.3.2 Berechnung der Gesamtkettenzugkraft
nach Antriebskennwerten
Für den Fall, dass die Antriebsleistung P^^ oder das Antriebsdreh
moment M
Ajttrieb
der Förderanlage zum Zeitpunkt der Förderkettenaus
legung bereits bekannt ist, kann die erforderliche Gesamtkettenzug
kraft F wie folgt bestimmt werden.
Kettentrieb Gesamt Antrieb
M = 77 • M
1
Kettentrieb 'Gesamt Antrieb
'Z 7t Kl ^^Kettentrieb ^^Kettentrieb
e
1000
v
d
o
Die Leistung des Kettentriebs P
Keltentrieb
ergibt sich aus der Antriebs
leistung und einem anlagenspezifischen Wirkungsgrad n
§csamt
, welcher
Leistungsverluste berücksichtigt. Diese entstehen beispielsweise aus
Reibungsverlusten oder Massenträgheitskräften der Antriebsstränge
und vorgeschalteten Getrieben.
Mithilfe der berechneten Gesamtkettenzugkraft kann in einem nach
folgenden Schritt eine genormte Förderkette ausgewählt oder die Kon
struktion einer Sonderausführung begonnen werden.
Auswahl einer Förderkette nach Norm 142
(Gl. 6.18)
6.4 Auswahl einer Förderkette
nach Norm
Nachdem die Gesamtkettenzugkraft berechnet ist, besteht die Mög
lichkeit, eine Förderkette anhand bestehender Normen auszuwählen,
wenn die spezifischen Anlagenparameter (vgl. Kapitel 6.1) eine Son
derkonstruktion nicht erforderlich machen. In DIN 8165 werden min.
Bruchkräfte und zulässige Zugkräfte angegeben. DIN ISO 1977 gibt
nur die min. Bruchkraft an. Der Sicherheitsfaktor und damit die zuläs
sige Gesamtkettenzugkraft muss gesondert festgelegt werden.
Die DIN 8165 berücksichtigt einen Sicherheitsfaktor von ca. 6 zwi
schen der zulässigen Gesamtkettenzugkraft und der min. Bruchkraft.
Sicherheitsfaktoren dieser Größenordnung sind im Bereich der För
derkettentechnik üblich.
Unter Berücksichtigung des festgelegten Sicherheitsfaktors S zwi
schen Gesamtkettenzugkraft F und Bruchkraft F
B rechnerisch
können dann
geeignete Förderketten ausgewählt werden.
F = F- S
B rechnerisch
Kontrollrechnung der Förderkettenbauteile 143
6.5 Kontrollrechnung der
Förderkettenbauteile
Im Anschluss an die Auswahl einer geeigneten Normkette oder der
Konstruktion einer Sonderausführung werden die Beanspruchungen
der einzelnen Bauteile ermittelt und mit den zulässigen Beanspruchun
gen verglichen.
Die in diesem Kapitel erwähnten zulässigen Belastungen und Berech
nungsansätze der einzelnen Bauteile beruhen auf den Angaben der
DIN 8165. Die Angaben in dieser Norm zu Werkstoffen sind nicht ge
nau spezifiziert, die Auswahl bleibt dem Hersteller überlassen.
Deutlich größere Belastbarkeiten können erreicht werden, indem
Werkstoffe mit hochwertigen mechanischen Eigenschaften, in Kom
bination mit Wärmebehandlungsverfahren für die jeweiligen Bauteile,
verwendet werden. Darüber hinaus kann die Wahl der Fertigungsver
fahren die Beanspruchbarkeit der Bauteile optimieren.
Die Einflüsse der Gelenkbuchse und die Biegebeanspruchungen des
Gelenkbolzens durch die Gesamtkettenzugkraft und mögliche Förder
gutbelastungen auf die Bruchkraft sind nur in besonderen Fällen zu
berücksichtigen und werden daher an dieser Stelle nicht weiter be
trachtet.
6.5.1 Kontrollrechnung bezüglich rechnerischer
Kettenbruchkraft
Die rechnerische Bruchkraft der Förderkette wird in der Regel durch
die Belastbarkeiten des Kettenbolzens sowie der Laschen bestimmt.
In einer vereinfachten Betrachtung beanspruchen Zugspannungen im
kritischen Querschnitt die Laschen und Scherspannungen die Gelenk
bolzen. Die jeweiligen Spannungen werden als gleichmäßig über den
gesamten Querschnitt der Bauteile verteilt angenommen.
Es ist jedoch unbedingt zu beachten, dass bereits vor dem Erreichen
der Bruchkraft eine plastische Dehnung an den Förderkettenbauteilen
eintritt. Wenn eine derart unzulässige Belastung auftritt, muss die För
derkette ersetzt werden.
144 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
I Buchse
Bild 6.6, 6.7 und 6.8: Systemzeichnungen der Förderkettenbauteile
Bild 6.6
Bild 6.7
Bild 6.8
Kontrollrechnung der Förderkettenbauteile 145
°: =
F
B rechnerisch
B rechnerisch
Lasche Buchse $
B rechnerisch
2 ' (8Lasche ~
C
Buchse ) '
S
(Gl. 6.19)
(Gl. 6.20)
(Gl. 6.21)
(Gl. 6.22)
I
Bolzen
F
B rechnerisch
2-A
nl
Bolsen
Bolzen
71
^Bolzen
(Gl. 6.23)
(Gl. 6.24)
Innenlasche und Außenlasche:
Zur Bestimmung der Zugspannungen wird der kritische Querschnitt
der Laschen, sowie die rechnerische Bruchkraft der Förderkette be
rücksichtigt.
Die relevanten Querschnittsflächen der Laschen bestimmen sich aus
der Ausführung der Lochgeometrie. Bei identischen Laschenstärken
und -höhen ergeben sich die größeren Belastungen aufgrund der grö
ßeren Bohrungsdurchmesser (oder Flächenmaße bei Buchsen und Bol
zen mit zusätzlichen Verdrehschutzflächen) an den Innenlaschen.
Der aufgeführte Faktor berücksichtigt die Spannungsüberhöhun
gen aufgrund der verschiedenen Lochausführungen.
f . = 0,85 ... 0,95
J
Lasche
Unter Berücksichtigung der in Kapitel 6.5 aufgeführten Spezifikatio
nen können min. 600 N/mm
2
als zulässiger Wert genannt werden.
Gelenkbolzen:
Die mittlere Scherspannung x
m
am Gelenkbolzen ergibt sich ebenfalls
unter Berücksichtigung der rechnerischen Bruchkraft. Sie lässt sich
überschlägig mithilfe der doppelten Bolzenquerschnittsfläche A
ßolzai
bestimmen.
Unter Berücksichtigung der in Kapitel 6.5 aufgeführten Spezifika
tionen liegt der zulässige Wert der mittleren Scherspannung je nach
Förderkettentyp zwischen 220 N/mm
2
und 300 N/mm
2
. Abhängig vom
Werkstoff und der Gelenkbolzengeometrie kann dieser Wert jedoch
auch deutlich größer ausfallen.
Verfügt der Gelenkbolzen über Schmierbohrungen zur Nachschmie
rung der Gelenkstellen, muss der Bohrungsdurchmesser bei der Be
146 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
rechnung der Gelenkbolzenquerschnittsfläche berücksichtigt werden.
Kerben durch thermische Behandlungen oder konstruktive Ausführun
gen müssen an dieser Stelle ebenfalls beachtet werden.
6.5.2 Kontrollrechnung bezüglich Betriebskraft
Die ermittelte Gesamtkettenzugkraft: F muss von dem Maschinenele
ment Förderkette unter sachgemäßem Betrieb über einen ausreichen
den Zeitraum übertragen werden können.
Wie die nachfolgende Tabelle 3 verdeutlicht, müssen hierbei alle Bau
teile der Förderkette hinsichtlich verschiedenster Belastungen betrach
tet werden.
Kettenbauteil Belastungsart
Außenlasche und Innenlasche Lochleibung durch Kontakt zum Gelenkbol
zen und zur Gelenkbuchse
Gelenkbolzen Flächenpressung durch Kontakt zur Gelnk-
buchse
Lochleibungsdruck durch Kontakt zur Au
ßenlasche __________________________________
Gelenkbuchse Flächenpressung durch Kontakt zum Ge
lenkbolzen
Lochleibungsdruck durch Kontakt zur Innen
lasche
Hertzsche Pressung durch Kontakt zum
Kettenrad
Schonrolle Flächenpressung durch Kontakt zur Gelenk
buchse
Hertzsche Pressung durch Kontakt zum
Kettenrad
Laufrolle Flächenpressung durch Kontakt zur Gelenk
buchse
Hertzsche Pressung durch Kontakt zum
Kettenrad
Flächenpressung durch Belastung aus Ge
wichtskraft
Tabelle 3 Übersicht über die Beanspruchungsarten der einzelnen
Kettenbauteile
Kontrollrechnung der Förderkettenbauteile 147
(Gl. 6.28)
(Gl. 6.29)
Außenlasche und Innenlasche
Lochleibung durch Kontakt zum Gelenkbolzen und zur Gelenkbuchse:
Durch die Übertragung der Gesamtkettenzugkraft über die Gelenk
buchse auf die Innenlaschen sowie dem Gelenkbolzen auf die Au
ßenlaschen entsteht in den Bereichen der eingepressten Bauteile eine
Druckbeanspruchung der Verbindungen. Dieser Lochleibungsdruck
lässt sich je nach Ausführung des Lochbildes nach folgenden Glei
chungen bestimmen.
<a
'-'
(GL625)
pmj.
^pmj. Rundloch ~ Bolzen '
S
6.26)
^pmj. Flachenloch ~ '
C
Bolzen
S
^l-
An dieser Stelle werden die in eine Ebene projizierten Teilungslöcher
der Laschen berücksichtigt. Bei identischer Laschenstärke s ergeben
sich die größeren Beanspruchungen an der Kontaktstelle zwischen
Außenlasche und Gelenkbolzen aufgrund der kleineren Durchmesser
bzw. Flächenmaße. Die Einflüsse des Pressverbandes auf diese Kon
taktstelle bleiben in erster Näherung unberücksichtigt.
Aus den Angaben der DIN 8165 lassen sich ca. 110 N/mm
2
als Orien
tierungswert ableiten.
Gelenkbolzen
Flächenpressung durch Kontakt zur Gelenkbuchse:
Die Flächenpressung P
Flächcnpressung
beeinflusst durch den Kontakt zur
Gelenkbuchse den Verschleiß im Förderkettengelenk und somit die
Lebensdauer der gesamten Förderkette. Rechnerisch wird an dieser
Stelle die in eine Ebene projizierte Fläche der Gelenkbuchsenbohrung
A
proj
berücksichtigt.
F
PFlachcnpmsung A Pzul
PV
A = d • l
pro] Bolzen Buchte
Zulässige Flächenpressungen richten sich nicht nur nach der verwen
deten Werkstoffpaarung, den Oberflächeneigenschaften, den Schmier
zuständen und den Betriebsbedingungen, sondern auch nach der An
zahl der zu erwartenden Flexuren des Förderkettengelenkes. Aus den
Werten der Norm DIN 8165 können ca. 25 N/mm
2
als allgemeinen
Orientierungswert abgeleitet werden.
148 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
(Gl. 6.30)
(Gl. 6.31)
Lochleibungsdruck durch Kontakt zur Außenlasche:
Der aus der Gesamtkettenzugkraft resultierende Lochleibungsdruck
zwischen dem Bolzen und den Außenlaschen wurde bereits durch (Gl.
6.25) bis (GL 6.27) beschrieben.
Gelenkbuchse
Flächenpressung durch Kontakt zum Gelenkbolzen:
Die Gelenkbuchse wird als Förderkettenbauteil unter anderem durch
die Flächenpressungen zum Gelenkbolzen belastet. Die hier auftreten
den Belastungen wurden bereits durch die (Gl. 6.28) und (Gl. 6.29)
bestimmt.
Lochleibungsdruck durch Kontakt zur Innenlasche:
Der aus der Gesamtkettenzugkraft resultierende Lochleibungsdruck
zur Innenlasche wurde bereits durch die Gleichungen (Gl. 6.25) bis
(Gl. 6.27) beschrieben.
Hertzsche Pressung und Reibbeanspruchung durch Kontakt zum Ket
tenrad:
Zusätzlich erfährt die Gelenkbuchse durch den Kontakt zum Ketten
rad eine Kraft F„. , welche in Kapitel 6.6.1 näher erläutert wird. Die
resultierende Flächenpressung zwischen der Gelenkbuchse und dem
Kettenrad kann nach dem Ansatz der Hertzschen Pressung bestimmt
werden. Die zulässigen Werte sind abhängig vom verwendeten Werk
stoff, sowie der angewendeten Wärmebehandlungen. Zusätzlich wird
die Gelenkbuchse am Außendurchmesser durch Reibung beansprucht.
Schonrolle
Flächenpressung durch Kontakt zur Gelenkbuchse:
Bei der Verwendung von Schonrollen gilt folgender Berechnungsan
satz:
23 = Z7 ■ /
proj. Buchse Schonrolle
Die maximale Kontaktkraft F
7
. wird in Kapitel 6.6.1 näher
Zlmax
1
beschrieben. Analog zur Gelenkflächenpressung können ca. 25N/mm
2
als zulässig angenommen werden.
Hertzsche Pressung durch Kontakt zum Kettenrad:
Analog zur Gelenkbuchse können hier die gleichen Ansätze angewen
det werden.
Laufrollen:
Flächenpressung durch Kontakt zur Gelenkbuchse:
149 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Vergleichbar zu den Schonrollen gilt folgender Berechnungsansatz:
ZI mar
P=—; ---------------------------------- (Gl-6.32)
/i ■
pmj
^prvj ~ Buchse* ^Laufrolle
Die maximale Kontaktkraft F
7
. wird in Kapitel 6.6.1 näher
beschrieben. Analog zur Gelenkflächenpressung können ca. 25N/mm
2
als zulässig angenommen werden.
Hertzsche Pressung durch Kontakt zum Kettenrad:
Die bereits beschriebenen Ansätze für die Bauteile Schonrolle und Ge
lenkbuchse können hier angewendet werden.
Flächenpressung durch Belastung aus Gewichtskräfte:
Bei einer Förderkettenausführung mit Laufrollen wird während der
Förderbewegung durch die Gewichtskraft der Förderkette sowie des
Fördergutes eine Belastung hervorgerufen. Diese lässt sich als Flä
chenpressung darstellen und berücksichtigt die in eine Ebene proji
zierte Fläche der Lauffolienbohrung nach folgenden Gleichungen.
F
r
Gew.
PFlächenpressung ~ A < Pzul (Gl. 6.34)
proj.
^prvj. ~ dBuchse Laufrolle 6.35)
Unter normalen Schmier- und Betriebsbedingungen können ca. 8N/
mm
2
als zulässiger Richtwert angegeben werden. Die Hertzsche Pres
sung am Außendurchmesser der Laufrolle durch den Kontakt zur Lauf
bahn ist gesondert zu berücksichtigen.
150 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
(Gl. 6.36)
(Gl. 6.37)
6.6 Kontakt zwischen Förderkette und
Kettenrad
Nachfolgend soll der Kontakt zwischen der Förderkette und dem Ket
tenrad genauer untersucht werden. Hierbei wird zum einen auf die
Kraftübertragung zwischen den beiden Maschinenelementen und zum
anderen auf die Auswirkungen des Polygoneffektes eingegangen.
6.6.1 Kraftübertagung zwischen Förderkette und
Kettenrad
Die Kraftübertragung zwischen dem Antriebskettenrad und der För
derkette erscheint bei erster Betrachtung auf einem reinen Formschluss
zu basieren. Betrachtet man jedoch lediglich das einlaufende Ketten
gelenk, so gilt diese Annahme nur bei einem theoretischen Flanken
winkel y = 0°. Dies würde bedeuten, dass die Zahnflanke rechtwinklig
zur Längsachse der Kettenlasche ausgerichtet ist. Bei üblicherweise
gewählten Flankenwinkeln y > 0° liegt somit am einlaufenden Ket
tengelenk eine kraftschlüssige Verbindung vor [4].Das Umschlingen
der Förderkette eines Kettenrades kann in der gesamten Betrachtung
jedoch als formschlüssige und schlupffreie Verbindung angesehen
werden.
Um die Kraftverhältnisse genauer aufzuzeigen, soll an dieser Stelle
von einer Förderkette ohne Rollen ausgegangen werden. Dies bedeu
tet, dass die Gelenkbuchse einen direkten Kontakt zum Kettenrad hat.
Nach dem stoßartigen Einlauf des Kettengelenkes in das Kettenrad
baut sich die Kraft auf den ersten tragenden Zahn kontinuierlich auf.
Zur genaueren Betrachtung der Kontaktsituation wird eine Laufkoor
dinate ß eingeführt, welche in den Grenzen nach (Gl. 6.37) verläuft
360°
a = ----------------
z
a a
- ~-T— <ß< +—-
2 “ 2
Durch die in Bild 6.9 dargestellten geometrischen Zusammenhänge
ergibt sich eine Kontaktkraft: F
Z1
zwischen der einlaufenden Gelenk
buchse und dem Kettenrad nach (Gl. 6.38).
Kontakt zwischen Förderkette und Kettenrad 151
(GL 6.39)
^Ghcdl ^Gliedl
sin (y)
sin (a + y)
(GL 6.40)
Bild 6.9
übertragung
chen Förder
und Ketten
rad
(GL 6.38)
Die maximale Kontaktkraft F_. ergibt sich
somit für ß = a/2 und
i max ■
kann aus (Gl. 6.38) wie folgt abgeleitet werden.
sin (a)
sin (a + y)
Die Kraftübertragung zwischen dem einlaufenden
Kettengelenk und
dem ersten tragenden Zahn des Kettenrades führt zu einer reduzier
ten Zugkraft im zweiten (bereits eingelaufenen) Kettenglied. Dieser
Kraftabbau zwischen den benachbarten Gliedern kann mathematisch
nach (Gl. 6.40) beschrieben werden.
Wie bereits beschrieben, resultiert aus dem kontinuierlichen Abbau der
Gesamtkettenzugkraft eine Restkettenzugkraft (Gl. 6.10) in den aus
dem Kettenrad auslaufenden Kettengliedern. Diese ist wie in Kapitel
6.3.1 erwähnt abhängig von der Anzahl der im Eingriff befindlichen
Anzahl an Zähnen z^^ sowie dem Flankenwinkel y.
sin (a + y)
152 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
r
nIn
iaX
=
r
U '
COS
(ß) ^Ql(ß = O)
(Gl.6.43)
6.6.2 Polygonwirkung des Kettenrades
Bedingt durch die gleichförmige Rotation des Förderkettenra
des kommt es während des Durchlaufs eines Teilungswinkels a zu
Schwankungen der Kettengeschwindigkeit. Diese resultieren aus dem
variierenden wirksamen Radius r
rel
, welcher durch die polygonartige
Umschlingung der Förderkette um das Förderkettenrad in Abhängig
keit der Laufkoordinate ß und dem Umkreisradius r
y
nach (Gl. 6.41)
bestimmt werden kann. Der wirksame Radius schwingt somit im Wer
tebereich nach (Gl. 6.42) und (Gl.6.43).
Bild 6.11
Wirksamer R
r
n
^
r
u'
cos
ß
(Gl. 6.41)
Bild 6.10
Wirksamer Ra
Kontakt zwischen Förderkette und Kettenrad 153
(Gl. 6.44)
Bedingt durch eine konstante Winkelgeschwindigkeit des antreiben
den Förderkettenrades co ergibt sich durch Multiplikation mit dem
wirksamen Radius r
cl
eine Fördergeschwindigkeit v nach (Gl. 6.44),
welche in den Grenzen nach (Gl. 6.45) mit einer Geschwindigkeits
differenz Av schwingt, schematisch in Bild 6.12 dargestellt.
Diese Schwingungen, sowie die daraus resultierenden Beschleunigun
gen, werden als Polygoneffekt bezeichnet.
v = r
/v/
-w
(Gl. 6.45)
0
a
a 2a — 3a — 4a
2 2 2 2
Aus diesen Geschwindigkeitsschwankungen resultieren Beschleuni
gungen b
Po|ygon
, welche zur dynamischen Polygonkraft nach (Gl. 6.46)
führen. Der maximale Betrag der Beschleunigung stellt sich bei einem
Winkel von ß = ±a/2 ein und resultiert aus der bereits aufgeführten
maximalen Kraft nach (Gl. 6.7).
h,
lol)f;cn
p • s\nß • o)
2
(Gl. 6.46)
r
u'
cos
( 2 /
Ct)
-
v
-
r
u'
C0
Bild 6.12
chwindigkeits-
schwankungen
durch
Polygonwirkung
v
o *- Laufkoordinate ß
Literatur 154
6.7 Literatur
[1] DIN 22200,Mai 1994,Stetigförderer,Gliederbandförderer,Berech
nungsgrundsätze
[2] DIN 8165,Teil 1,2 und 3,März 1992, Förderketten mit Vollbolzen,
Bauart FV und FVT
[3] DIN ISO 1977,Dezember 2014, Buchsenförderketten, Anbauteile
und Kettenräder
[4] H.-G. Rachner, Stahlgelenkketten und Kettentriebe, Springer-
Verlag 1962
1 Berechnungsgrundlagen
für Kettenräder
Inhalt
7.1Einleitung ..........................................................................................156
7.2 Berechnung der Konstruktionsabmessungen ....................................157
7.2.1 Hauptabmessungen und Zahnform .............................................157
7.2.2 Bohrungsdurchmesser, Nabenlänge und
Nabendurchmesser ...................................................................158
7.3 Festigkeitsberechnung der Kettenräder für Förderketten .....................159
7.3.1 Zahnfußfestigkeit .......................................................................159
7.3.2 Festigkeit geschweißter Nabenverbindungen ..........................159
7.3.3 Zahnflankenfestigkeit ..............................................................160
7.4 Literatur ...............................................................................................162
156 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
7.1 Einleitung
Die Bauform, Funktionsmaße, Werkstoffe und die Fertigungs verfahren
für die Herstellung der Kettenräder müssen auf die speziellen Belas
tungen und die jeweiligen Betriebsbedingungen des Anwendungsfalles
gesondert abgestimmt werden, damit ein optimales Zusammenspiel mit
der Förderkette gewährleistet ist und eine möglichst lange Funktions
dauer der Kettenräder erreicht wird. Allgemeingültige Formeln können
daher nur für einige grundlegende Konstruktionsabmessungen benannt
werden. Auch zur Festigkeitsberechnung sind nur erfahrungsbezogene
Allgemeinhinweise möglich, die als Hilfestellung für die erforderliche,
projektbezogene Einzelberechnung dienen sollen.
Berechnung der Konstruktionsabmessungen
157
7.2 Berechnung der Konstruktionsab
messungen
7.2.1 Hauptabmessungen und Zahnform
Die Zähnezahl und die Abmessungen der zugehörigen Förderkette be
stimmen im Wesentlichen die Konstruktionsmaße der Kettenradschei
be, Die Norm DIN ISO 1977 gibt dazu unter Punkt 5 Hinweise[l],
In Anlehnung an diese Norm produziert Ketten Wulf die Kettenräder
nach Werksnormen, die sich in der Praxis bereits jahrzehntelang be
währt haben. Formeln zur Berechnung der wichtigsten Hauptabmes
sungen sind nachfolgend aufgefuhrt.
Formelzeichen und Einheiten
Abkürzung Bezeichnung
[Einheit]
Teilkreisdurchmesser [mm]
Fußkreisdurchmesser für Förderkette mit
Gelenkbuchse
[mm]
Fußkreisdurchmesser für Förderkette mit
Schonrolle
[mm]
Fußkreisdurchmesser für Förderkette mit
Laufrolle
[mm]
d|(8u
» Kopfkreisdurchmesser für Förderkette mit
Gelenkbuchse
[mm]
«1® = Kopfkreisdurchmesser für Förderkette mit
Schonrolle
[mm]
~ Kopfkreisdurchmesser für Förderkette mit
Laufrolle
[mm]
B, Zahnbreite [mm]
b,
Lichte Weite der Förderkette [mm]
a Teilungswinkel []
ß
Öffnungswinkel [°1
u Zahnlückenspiel [mm]
P
Förderkettenteilung [mm]
Z Anzahl der Zähne am Kettenrad H
158 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Fußkreisdurchmesser:
d
jBu
= d
o~ dßuchse (Gl.7.2)
d
ßr
= d
o
~ dSchonrolle
(Gl.7.3)
d
JLr
= d
o
- dLaufrolle
(Gl.7.4)
Kopfkreisdurchmesser:
^kß
U
~ d
o
+ 0,8 • dßuchse (Gl. 7.5)
^ksr ~ d
o
+ 0,6 • dSchonrolle (Gl. 7.6)
d^- d
o
+ 0,4 • dLaufrolle (Gl. 7.7)
Zahnbreite: Bj-Off-b,
(Gl. 7.8)
360°
Teilungswinkel: a -
z
(Gl.7.9)
Öffhungswinkel ß, Zahnlückenspiel u und die Zahnform werden auf
Grundlage der Betriebskennwerte des jeweiligen Anwendungsfalles
festgelegt.
7.2.2 Bohrungsdurchmesser, Nabenlänge und
Nabendurchmesser
Die Bohnmgs- und Nabenabmessungen der Kettenräder müssen den in
der Förderanlage vorgesehenen Wellen- und Achsdurchmessem ange
passt werden. Deshalb sind diese Abmessungen nicht nach allgemei
nen Formeln zu berechnen. Zur Vordimensionierung der Nabenlänge
kann man dafür überschlägig den eineinhalbfachen Durchmesser der
Bohrung annehmen.
Bild 7.1
Konstruktions
abmessungen der
Radscheibe
(Gl.7.1)
Festigkeitsberechnung der Kettenräder für Förderketten 159
7.3 Festigkeitsberechnung der
Kettenräder für Förderketten
Beim Ablauf der Förderkette über die Kettenräder entstehen komplexe
und vielfältige Beanspruchungen wie dynamische und statische Kräf
tebelastungen in Kombination mit sich überlagernden, gleitenden und
rollenden Bewegungen, die Druckbelastungen und Reibung an den
Zahnflanken verursachen. Dabei werden die Antriebskettenräder am
stärksten belastet, da sie die erforderliche Gesamtkettenzugkraft durch
den Kontakt der Förderkettengelenke mit den Zahnflanken auf die
Förderkette übertragen müssen. Nicht für jede Einzelbelastung stehen
gesicherte Formeln zur Verfügung. Daher sind langjährige Erfahrung,
werkseigene Versuche und Berechnungen Grundlage der nachfolgen
den Hinweise.
7.3.1 Zahnfußfestigkeit
Die mit Gl.6.39 berechnete maximale Kontaktkraft F
7
. belastet
beim Einlauf der Förderkette in das Kettenrad den Kettenradzahn auf
Biegung, Druck und Schub. Eventuelle zusätzliche Stoßbelastungen
sind gesondert zu berücksichtigen. Bezogen auf die Bruchfestigkeit
wird der Kettenradzahn am stärksten im Zahnfuß belastet. Der Zahn
fußquerschnitt ist unter Einbezug des gewählten Ketteradwerkstoffs
entsprechend zu dimensionieren. Bei Kettenrädern für genormte För
derketten ergeben sich diese Abmessungen zwangsläufig durch die
Kettenteilung, lichte Weite und den Buchsen bzw. Rollendurchmesser
der Förderkette. Diese Abhängigkeiten führen bei Herstellung der Ket
tenräder aus Standardwerkstoffen und mit Werksnormverzahnung bei
maximaler Belastung der Förderkette mit der zul. Kettenzugkraft nach
Norm zu dem Ergebnis, dass die Zahnfußtragfähigkeit für Standardan
wendungen mit normalen Betriebsbedingungen gewährleistet ist und
nicht gesondert berechnet werden muss. Dies bestätigt auch unsere
langjährige Praxiserfahrung.
7.3.2 Festigkeit geschweißter
Nabenverbindungen
Bei Kettenrädern der Bauform mit auf- oder eingeschweißten Naben,
siehe Bild 3.12, erzeugt das Antriebsdrehmoment eine Torsionsbelas
tung, die als Schubspannung von der Schweißnaht übertragen werden
muss. Analog unseren Praxiserfahrungen zur Zahnfiißtragfähigkeit hat
sich auch für die Festigkeit dieser Schweißverbindung bestätigt, dass
diese für Standardanwendungen mit normalen Betriebsbedingungen
gewährleistet ist und nicht gesondert berechnet werden muss.
7.3.3 Zahnflankenfestigkeit
Die maximale Zahnflankenbeanspruchung durch die Kraftübertra
gung zwischen der Förderkette und dem Antriebskettenrad liegt beim
Einlaufen eines Kettengelenkes am ersten im Eingriff befindlichen
160 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
Kettenradzahn vor. Die Belastungen an dieser Stelle der Zahnflanke
können als eine dynamische Komponente durch den Einlaufstoß und
eine statische Komponente durch die Kontaktkraft F
zlmax
(Gl.6.39) an
genommen werden. Die Bewegungsenergie des Kettengelenkes und
des Kettenrades, die mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf der
Zahnflanke Zusammentreffen, verursachen die Einlaufstoßkraft[2]. Da
diese Geschwindigkeitsdifferenzen bei Förderkettengetrieben mit übli
chen Fördergeschwindigkeiten überwiegend gering sind, wird die sta
tische Kontaktkraft F
zlmax
, und damit die Hertzsche Pressung zwischen
Zahnflanke und Kettengelenk, zur maßgebenden Größe bei Betrach
tung der Zahnflankenbeanspruchung infolge der Kraftübertragung,
siehe Bild 6.9. Zusätzlich unterliegt die Zahnkontur in Abhängigkeit
der Kettenbauweise weiteren Reibbeanspruchungen, die nachfolgend
beschrieben werden.
Bei Förderketten in Standardbauweise ohne Rollen kommt es beim
Einlaufen des ersten
Kettengelenkes des Innengliedes durch die Abknickbewegung zu ei
ner Relativbewegung zwischen Zahnflanke und Buchsenaußendurch
messer, was zu einem funktionsbedingtem Oberflächen verschleiß
führt, siehe Bild 2.41. Beim Einlaufen des nächsten Kettengelenkes
als erstes Gelenk des Außengliedes entsteht keine Reibbewegung an
der Zahnflanke, da sich bei dieser Abknickbewegung der Bolzen in der
Buchse dreht, siehe Bild 2.40. Diese Vorgänge wiederholen sich peri
odisch beim Einlaufen der Förderkette in die Kettenräder. Weiterhin
entwickelt sich bei allen Kettengelenken eine gleitende Reibbewegung
der Buchsen auf der Arbeitsfläche der Zahnflanke vom ersten Berüh
rungspunkt bis zur Endposition in der Verzahnung. Bei Förderketten
mit zusätzlichen Rollen im Gelenk treten keine Reibbewegungen an
der Zahnflanke infolge des abknickenden Förderkettengelenkes auf, da
sich die Buchse in der Rollenbohrung bzw. der Bolzen in der Buchse
dreht, siehe Bilder 2.42 und 2.43. Die Bewegung des Förderkettenge
lenkes vom ersten Berührungspunkt an der Zahnflanke bis zur End
position in der Verzahnung kann bei Gelenken mit Rolle als rollend
betrachtet werden, d.h. die Zahnflanken werden mit einer Hertzschen
Pressung beansprucht. Diese Betrachtungen der kombinierten Druck-
und Reibbeanspruchungen machen deutlich, dass der betriebsbedingte
Zahnflankenverschleiß ganz wesentlich von der Bauform der Förder
kette, der Zahnform und der Zahnflankenbelastung abhängig ist. Ne
ben diesen funktionsbedingten Belastungsfaktoren sind zusätzlich die
anlagenbezogenen Betriebsbedingungen zu berücksichtigen. Dieses
komplexe Belastungskollektiv führt dazu, dass die Zahnfl ankenbean-
spmchung nicht in einer allgemeingültigen Formel berechnet werden
kann. Da die Praxiserfahrungen jedoch zeigen, dass der Zahnflanken
verschleiß und die damit verbundene mögliche Funktionsstörung im
Bewegungsablauf zwischen Förderkette und Kettenrädern die über
wiegende Ursache für einen erforderlichen Austausch der Kettenräder
sind, müssen die Konstruktionsabmessungen, Werkstoffe und Ferti
gungsverfahren zur Herstellung der Kettenräder für jeden Einzelfall
projektbezogen betrachtet und festgelegt werden. Dabei sind bereits
Festigkeitsberechnung der Kettenräder für Förderketten 161
in der Planungsphase die Informationen zu Kettenrädern in Kapitel 3
sowie die in Kapitel 4.4.7 und 4.4.8 vorgestellten Weiterentwicklungen
der Longlife-Verzahnung und Geräuschdämpfung zu berücksichtigen.
162 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
7.4 Literatur
[l]DIN ISO 1977,Dezember 2014, Buchsenförderketten, Anbauteile
und Kettenräder
[2]H.-G. Rachner, Stahlgelenkketten und Kettentriebe, Springer-Ver
lag 1962
Sachwortverzeichnis
A
Abknickbewegung 160
Abnutzung 47
Achslagerung 60
Anfangsverschleiß 45
Anlagenbau 121
Antriebsdrehmoment 14
Antriebskennwerte 140
Antriebskettenräder 14, 58, 69,
149, 159, 160
Antriebsleistung 81, 132
Arbeitsfläche der Zahnflanke
160
Aufkohlen 35
Außenglied 19, 21
Außenlaschen 21
Außenliegende Rollen 83
Auswahl einer Förderkette nach
Norm 141
Automobilindustrie 103
B
Bauformen 21
Bauteilwerkstoffe der Förderket
ten 27
Beanspruchung 25, 159
Beanspruchungsarten 145
Beanspruchung, zulässige 25
Befestigungsmöglichkeiten 21
Befestigungswinkel 22
Belastungen 27, 128, 145
Berechnungsgrundlagen für
Förderketten 128
Berechnungsgrundlagen filr
Kettenräder 155
Berechnungsgrundsätze filr
Stetigförderer 131
Beschichtungen 66, 81
Beschichtungssysteme 27,31
Beschichtungstechniken 27,72,
78
Beschichtungsverfahren 27
Beschleunigungskraft 137
Betriebsbedingungen 47,66,69,
81, 156,159,161
Betriebskennwerte 27,129,133
Betriebskosten 72
Betriebsschmierung 81
Bewegung 14, 159
Biegebeanspruchungen 142
Biegen 41
Bohren 40
Bohrungen der Kettenräder 60
Bohrungsdurchmesser 158
Bolzen 18,21
Branchen 93
Bruchfestigkeit 159
Bruchkraft 25,141
Buchse 19,20,21
Buchsenförderketten 20
Buchsenkette 19
Bundlaufrollen 21
164 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
c
Carbonitrieren 35
D
Dämmstoffindustrie 109
Dauerschmierung 81
Dichtsysteme 80
Drehen 34
Drehmomentübertragung 60
Druckbeanspruchung 160
Durchlaufschleifen 37
Dynamischen Polygonkraft 152
E
Einflussfaktoren 128
Einlaufgeräusche 88
Einlaufstoß 88, 160
Einsatzhärten 35
Einsatzstahl 26
Einstrangketten 25
Energieeffizienz 32, 72
Entwicklung 72, 74
Erstausrüstung 64
Erstschmierung 45
Erwärmen 35,42
F
Fahrtreppenindustrie 94
Fertigungstechnik 32, 62, 67,
72,78
Fertigungstiefe 32
Fertigungsverfahren 32, 161
Fertigungs verfahren
Hauptgruppen, Beschichten
32
Hauptgruppen, Fügen 32
Hauptgruppen, Stoffeigen
schaften ändern 32
Hauptgruppen, Trennen 32
Hauptgruppen, Umformen
Hauptgruppen, Urformen 32
Festigkeit geschweißter Naben
verbindungen 159
Festigkeitsberechnung der
Kettenräder 159
Fettschmierung 53
Fliehkraft 137
Förderanlage 12, 47, 60, 84, 88,
91
Fördergeschwindigkeit 152
Fördergüter 12
Förderketten 12, 17, 20, 47, 58,
78, 86, 93, 128, 149, 157, 159
Förderkettengetriebe 14, 68
Förderkraft 134
Fördertechnik 10, 78
Formschlüssig 14, 149
Forschung 72
Fräsen 35, 67
Freizeitparks 97
Funktionsdauer 26, 66, 72, 86,
91, 156
Funktionssicherheit 32
Funktionsstörung 161
G
Gallkette 18
Gelenkbolzen 21
Gelenkbuchsen 21, 142
Gelenkfläche 18
Gelenkflächenpressung 18, 147
Gelenkkette 18
Geräuschdämpfung 161
Geräuschdämpfiingssysteme 64,
88
Geräuschemissionen 72
Geräuschpegel 88
Gesamtkettenzugkraft 21, 132,
133, 140, 159
Geschwindigkeitsschwankungen
152
Getränkeindustrie 122
Getriebe 14
Glasindustrie 123
Gleitlagerbauform 81
Grundlagenforschung 72
H
Härtetiefe 35
Hauptwiderstand 131
Hertzsche Pressung 145, 148,
160
Hohlbolzen 23
Holzindustrie 115
Hybridbauweise 85, 89
I
Literatur 165
Induktiverwärmen 41
Induktivhärten 42, 68
Industrieofenbau 123
Innenglied 19,21
Innenlaschen 21
Innenliegende Rollen 83
Innovationsprozess 72
Inspektion 47
Instandhaltung 47, 54, 64, 69
Instandhaltungsplanung 91
Instandsetzung 47
K
Kenndaten 25
Kette 18
Kettengelenke 19, 58, 81, 88,
160
Kettengelenkteile 26
Kettenlängung 14, 58
Kettenradbauform 62
Kettenräder 12, 57, 62, 78, 156,
161
Kettenräder, Antriebs- 58
Kettenräder Qualitätsstähle 66
Kettenräder, Spann- 58
Kettenräder, Um lenk- 58
Kettenradnabe 62
Kettenradscheibe 62
Kettenradverzahnung 67
Kettenradzahn 159
Kettenteilungen 21
Kompensationsgetriebe 60, 90
Komponenten 64
Konservierung 46
Konstruktionsabmessungen 161
Konstruktionsmaße der
Kettenradscheibe 157,158
Kontaktkraft 149, 159,160
Kontrollrechnung der
Betriebskraft 145
Kontrollrechnung der
Förderkettenbauteile 142
Korrosion 28,47
Korrosionseigenschaft 27
Korrosionsschutz 28,66, 81
Kraftabbau 150
Kraftschlüssig 14,149
Kraftübertragung 14, 58,149,
160
L
Lagerelemente 81
Laschen 18
Laschenkette 19
Laserbleche 38
Lasern 38
Lastenheft 74
Lasttrum 14
Laufbahn 15
Laufrollen 21
Lebensdauer 32
Leertrum 14
Leichtbauweise 78
lichte Weiten 20
Longlife-Verzahnung 64, 86,
161
M
Markteinführung 91
Maschinenbau 121
Maschinenelemente 12
Materialermüdung 47
Medienbeständigkeitsprüfung 31
Mehrstrangketten 25
Mitnahmeelement 14
Montieren 38,44
Mühlenbau 122
166 6: Berechnungsgrundlagen für Förderketten
N
Nabenanordnung 62
Nabendurchmesser 158
Nabenlänge 158
Nachhaltigkeit 32,72
Nebenwiderstand 132
Normen, Qualitäts- 58
Normen, Werks- 25, 58, 157
Normung 25
Nut 62
0
Oberflächengehärtet 26
Oberflächenhärte 35
Oberflächenveredelung 27
Öffhungswinkel 158
Ölschmierung 51
P
Papierindustrie 118
Personentransport 94
Pflichtenheft 74
Plastische Dehnung 142
Polygoneffekt 90,149, 152
Polygonkompensation 90
Polygonkraft 137
Pressverbindung 19
Produktbausteine 78
Produktbeispiele 93
Produktentwicklung 72
Produktlösungen 78
Produktqualität 32
Produktuntersuchung 54,91
Produktzustand 91
Prototyp 91
Prototypentest 75
Q
Qualität 72
Qualitätsnormen 58
R
rechnerische Bruchkraft 142
Reibbeanspruchung 160
Reibbewegung 160
Reibstellen 47, 81
Reibung 47, 159
Reibungswiderstand 81, 131
Restzugkraft 138, 150
Rolle 20
Rollenaustausch 84
Rollenbelastung 83
Rollenketten 20
Rost, Rotrost 28
Rost, Weißrost 28
Rundstahlketten 18
s
Salzsprühnebelprüfung 27
Schlupfff ei 14, 149
Schmierlostechnik 81
Schonrollen 21
Schüttgutindustrie 100
Schweißen 34
Sicherheitsfaktor 141
Sonderbauformen 64
Sonderverzahnung 58, 86
Sonderwiderstand 132
Stähle
Automatenstähle 35
Einsatzstähle 35
Einteilung 26
martensitische, nichtrostende
42,43
Qualitäts-und Edelstähle 26
unlegierte, nichtrostende und
andere legierte 26
Vergütungsstähle 42, 43, 66
Stahlindustrie 106
Stahlsorte 26
Standardbauform 62
Standardforderkettenräder 25
Standardverzahnung 58
Stanzen 33
Steigungswiderstand 131
Literatur 167
Z
Zähnezahl 157
Zahnflanken 58, 88,159
Zahnflankenfestigkeit 160
Zahnflankenverschleiß 69,160
Zahnform 58,67,158,160
Zahnformschablonen 69
Zahnfußfestigkeit 159
Zahnkranz 64
Zahnlückenspiel 158
Zahnschale 64
Zugmittel 12
Zugmittelgetriebe 14
Zulässige Belastung 142
Zulässige Zugkräfte 141
Zustandsüberprüftmg 91
Stetigförderer 12
Stoßartige Belastungen 134
Stoßbelastungen 159
T
Technische Kette 18
Tragelement 14
Traglaschen 23
Transporttechnik 10
Trogförderkette 23
Tropfschmierung 69
u
Umgebungsmedien 47
Umlenkkettenräder 14, 58
Umweltschutz 32, 72
Unzulässige Belastung 142
V
Verbindungsglied 21
Vergüten 42
Vergütungsstähle 26, 42, 43, 66
Verkehrstechnik 10
Verschleiß 14, 47, 58, 68
Verschleißeigenschaft 27
Verschleißfestigkeit 19
Verschleißkontrolle 54, 69
Verschleißverhalten 26
Verschlussbolzen 21
Versuchsdurchfiihrung 75
Verzahnung 67
Vordimensionierung 134
Vormaterialien 32
w
Wälzlagern 81
Wärmebehandlung 26, 35, 42
Wartung 47
Wartungsarme Förderkettentech
nik 80
Wasseraufbereitung 112
Weiterentwicklung 72, 78
Werksnorm Verzahnung 159
Werkstoffe 25, 26, 27, 66, 78
Winkelgeschwindigkeit 152
Evolution
Technologies
» Produktentwicklung im Einklang mit unserer Umwelt.
Unternehmensgeschichte
KettenWulf
Die KettenWulf Betriebs GmbH wurde 1925 von den Brüdern Josef
und Johannes Wulf im Herzen des Sauerlandes, in Eslohe-Kückelheim,
gegründet. Seither ist das Unternehmen in Familienhand, inzwischen
in vierter Generation. Derzeit führen Günter, Julia, Tobias und Ansgar
Wulf das Geschäft.
In der mittlerweile über 90-jährigen Geschichte entwickelte sich
KettenWulf von einer einfachen Gelenkkettenmanufaktur zu einem
weltweit führenden Hersteller von Förderketten, Antriebsketten, Ket
tenrädern und Spezialkomponenten. Zum Einsatz kommen die Ket
ten in einer Vielzahl von Branchen, unter anderem in der Schüttgut-,
Fahrtreppen-, Dämmstoff-, Holz- und Stahlindustrie, aber auch in den
Bereichen Stahlwasserbau, Wasseraufbereitung, sowie in vielfältigen
Anwendungen des Maschinen- und Anlagenbaus. Über 1400 Mitarbei
ter entwickeln, produzieren und vertreiben derzeit an Standorten auf
der ganzen Welt für KettenWulf: in Europa, Amerika, Australien und
Asien geben die Beschäftigten ihr Bestes und sorgen somit für indivi
duelle Lösungen im Bereich der Förder- und Antriebstechnik.
Produziert wird im Sauerland, dem österreichischen Ferlach, sowie seit
2002 auch in Hangzhou in China; anschließend werden die Produkte
international vertrieben. Im Laufe der Jahre wuchs das Leistungsspekt
rum Ketten Wulfs um eine eigene Kettenradfertigung sowie die Erstel
lung von Ketten für die Fahrtreppenindustrie, in der KettenWulf heute
sogar Weltmarktführer ist. Zu den renommiertesten Projekten der Un-
temehmensgruppe zählt die Ausrüstung der „London Underground“
oder des „Hartsfield-Jackson International Airport“ in Atlanta.
Am Hauptsitz in Eslohe-Kückelheim befindet sich auch die For-
schungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens. Hier arbeiten
Wissenschaftler und Ingenieure an technischen Weiterentwicklungen
und innovativen Produkten wie der schmierlosen und wartungsarmen
Kettentechnik oder der besseren Geräuschdämpfung bei der Ketten
förderung.
170 Unternehmensgeschichte KettenWulf
Bild 9.1
KettenWulf
Hauptsitz Kückel
heim, Deutschland
Bild 9.2
Werk Hangzhou,
China
Untemehmensgeschichte KettenWulf
172 Unternehmensgeschichte KettenWulf
Bild 9.5
Kratzerkette
Produktportfolio:
Förderketten, Antriebsketten und
Kettenräder für alle Branchen weltweit
Förderketten:
KettenWulf entwickelt und produziert spezielle Förder- und Transport
ketten in allen Bauarten und Abmessungen, für alle Verwendungszwe
cke und Industriezweige. Darüber stellt das Unternehmen Standardket
ten nach DIN- und ISO-Normen her. Da sich die Anforderungen von
Anwendung zu Anwendung stark unterscheiden, bietet KettenWulf im
Produktsegment Förderketten in der Regel individuelle Lösungen an.
Produktportfo'-'c
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Antriebsketten:
Ketten Wulf produziert ein breites Spektrum an Antriebsketten nach
DIN. ISO und ANSI sowie Sonderketten für die unterschiedlichsten
Anwendungen. Hochleistungsrollenketten und Buchsenketten für
Antriebe und Förderzwecke gehören zum Standard-Lieferprogramm.
Täglich werden für Sonderzwecke neue Ketten konzipiert und erfolg
reich in die Praxis überfuhrt.
174 Unternehmensgeschichte KettenWulf
Bild 9.7
Kettenrad mit Ge
räuschdämpfung
Kettenräder:
Zu allen Ketten liefert KettenWulf die entsprechenden Kettenräder.
Kettenräder sind ein entscheidender Faktor, wenn es um Leistungsfä
higkeit und Lebensdauer eines Kettensystems geht. Wir setzen deshalb
auf die Herstellung eigener Kettenräder, um die Qualität aller Produkte
zu gewährleisten. Unsere Produktpalette umfasst neben Kettenrädern
sämtlicher DIN-, ISO- und ANSI-Verzahnungen natürlich auch indivi
duelle Lösungen mit optimalen Zahnformen und Radgrößen.
Produktportfolio 175
Bild 9.8
Antriebswelle
Spezialketten und Sonderkomponenten:
Als Technologiefilhrer in der Förder- und Antriebstechnik hat sich Ket
ten Wulf auch als Zulieferer für Spezialkomponenten etabliert. Neben
der Fertigung von Antriebs- und Umlenkwellen montieren wir auch
komplette Antriebswelleneinheiten bestehend aus Welle, Kettenrädern
und Lagereinheiten. Diese Antriebssysteme werden im Unternehmen
vollständig montiert und anschließend einbaufertig an die Kunden ge
liefert.
176 Unternehmensgeschichte KettenWulf
Services:
Entwicklung, Produktion, Montage,
After Sales
Kompetenz, Erfahrung, Effizienz und ein hohes Engagement sind die
Basis unserer Arbeit. Wir sichern Ihren Erfolg mit dem Einsatz unserer
Produkte, langfristig und nachhaltig. Darum bieten wir Ihnen unsere
Dienstleistungen von Anfang an. So sind wir für Sie ein verlässlicher
Partner in der Förder- und Antriebstechnik. Sowohl die Beratungstie
fe als auch die Qualität unserer Produkte werden individuell auf Ihre
Wünsche und Bedürfnisse angepasst. KettenWulf bündelt eine Reihe
hochspezialisierter Kompetenzfelder rund um die Betreuung Ihrer Pro
jekte. Wir haben alle Einzelleistungen effizient miteinander vernetzt,
um für Ihre Produktlösungen optimale Ergebnisse erzielen zu können.
» Entwicklung:
Wir konzipieren entsprechend Ihren Anforderungen und Wünschen
optimale Lösungen für die Förder- und Antriebstechnik.
» Produktion:
Unter Einsatz der modernsten Technologien fertigen wir für Sie
Förderketten, Antriebsketten und Kettenräder.
» Montage:
Wir kennen unsere Produkte am besten. Zusammen mit zuverläs
sigen Partnern übernehmen wir bei Bedarf die Montage vor Ort.
» After Sales:
Auf Anfrage prüfen und beurteilen wir den Zustand Ihrer Ketten
und Kettenräder auf ihre Funktionsfähigkeit und zukünftige Le
bensdauer.
Die Branchen 177
Die Branchen:
Personentransport
Schüttgutindustrie
Bild 9.9
Personen
transport
Bild 9.10
Schüttgut
industrie
178 Unternehmensgeschichte KettenWulf
Bild 9.11
Automobil
industrie
Bild 9.12
Lebensmittel
industrie
Automobilindustrie
Lebensmittelindustrie
Die Branchen 179
Bild 9.13
Dämmstoff
industrie
Bild 9.14
Holzindustrie
Dämmstoffindustrie
Holzindustrie
180 Unternehmensgeschichte KettenWulf
Bild 9.15
Papierindustrie
Bild 9.16
Maschinen-
und Anlagenbau
Papierindustrie
Maschinen- und Anlagenbau
Die
Branche
n
ABA
182 Unternehmensgeschichte KettenWulf
Bild 9.19
Wasser
aufbereitung
Wasseraufbereitung
Förderketten
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